Dimitrios Grammozis

Dimitrios Grammozis hat bei seiner ersten Profistation mit Darmstadt 98 auf Anhieb den Klassenerhalt geschafft. Im Interview erzählt er, wie man Spielern Überzeugung vermittelt und wann er in Darmstadt Gänsehaut hatte.

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zum Video Lilien-Trainer Grammozis im Interview: "Immer mein Traum, bei einem Verein wie Darmstadt zu arbeiten"

Stand Grammozis
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Dimitrios Grammozis trat im Februar beim SV Darmstadt 98 seine erste Stelle als Cheftrainer an. Mit den Lilien hat er die Klasse gehalten, die großen Clubs der Liga geschlagen und seinem Team vermehrt spielerische Elemente vermittelt. Zuvor war Grammozis als Jugendtrainer beim VfL Bochum tätig.

hessenschau.de: Herr Grammozis, Sie sagten vor kurzem: "Es kommt vor, dass ich im Stadion Gänsehaut bekomme." Wann hatten Sie denn das erste Mal beim SV Darmstadt 98 Gänsehaut?

Dimitrios Grammozis: Extrem war es beim ersten Heimspiel. Als ich das erste Mal vor unseren Fans stand, war das sehr beeindruckend. Ich hatte mir zuvor Gedanken gemacht, wie dieser Moment sein würde. Und es ist nochmal ein Unterschied. Bei meinem ersten Spiel in Bielefeld gab es einen kleinen Vorgeschmack. Aber zuhause ist es dann noch einen Tick intensiver. Ein besonderer Moment, der mir lange in Erinnerung bleiben wird. 

hessenschau.de: Was an Ihrem Anfang hier war typisch Darmstadt 98?

Grammozis: Es sind alle sehr offen mit uns als neues Trainerteam umgegangen. Es gab sehr viel positives Feedback, was auch nicht unbedingt normal ist. Natürlich gab es auch ein paar Stimmen im Umfeld, die mit mir noch nichts anzufangen wussten, weil ich zuvor fast nur im Jugendbereich des VfL Bochum tätig war. Aber insgesamt haben uns der ganze Verein und die Fans sehr positiv aufgenommen, die Mannschaft sowieso. Und das hat sich seither verstärkt.

hessenschau.de: Darmstadt ist Ihre erste Profistation. Als Sie übernahmen, standen die Lilien nicht nur im Abstiegskampf, ein Abstieg hätte den Verein mitten im Stadionneubau auch vor ernste Probleme gestellt. War Ihnen dieses Risiko bewusst?

Grammozis: Natürlich. Ich habe mich mit dem Verein beschäftigt. Ich wusste auch, was dieser Verein bedeutet und was sich hier entwickeln kann. Wir als Trainerteam haben versucht, das Risiko auszublenden und uns aufs Wesentliche zu konzentrieren. Wir wussten aber auch, wie jeder andere Profitrainer, dass wir eine Verantwortung gegenüber dem Verein haben. Aber losgelöst davon denke ich, dass man sich nur verrückt macht, wenn man die ganze Zeit an Probleme denkt. Wir haben es als Chance verstanden, die Entwicklung von Darmstadt 98 mitzugehen und mitzugestalten.

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„Ich habe als Profi bei vielen Traditionsvereinen gespielt, und es war immer mein Traum, auch als Trainer bei einem Traditionsverein arbeiten zu dürfen“ Zitat von Dimitrios Grammozis
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hessenschau.de: Sie haben sich akribisch auf den Schritt in den Profibereich vorbereitet. Was für Anforderungen hatten Sie an Ihren ersten Proficlub?

Grammozis: Das Gefühl spielt eine große Rolle. Man muss nach den Gesprächen mit gutem Feedback nach Hause fahren und selbst auch ein gutes Gefühl haben, dass die Aufgabe etwas ist, mit der man sich identifizieren kann. Ich habe als Profi bei vielen Traditionsvereinen gespielt, und es war immer mein Traum, auch als Trainer bei einem Traditionsverein arbeiten zu dürfen, wie jetzt bei Darmstadt 98. Dass das direkt geklappt hat, ist umso schöner. Ich genieße jeden Tag, den ich hier arbeiten darf.

hessenschau.de: Wie macht sich die Tradition des Vereines bemerkbar?

Grammozis: Auch außerhalb des Vereins herrscht eine besondere Atmosphäre. In der Stadt wird man überall auf den Club angesprochen, es sind Aufkleber an allen Autos. Wir werden von den Leuten angefeuert, wenn wir irgendwo langfahren, die Kinder tragen Lilien-Trikots. Der Verein hat eine sehr große Strahlkraft. Wir als Trainerteam wollen das weiter positiv ausbauen, mit guten Spielen und guten Ergebnissen.

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Darmstadts Trainer Dimitrios Grammozis im Interview
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hessenschau.de: Die Mannschaft hat unter Ihrer Führung deutlich mehr Fokus auf das Spielerische gelegt. Was genau haben Sie verändert?

Grammozis: Zunächst muss man die Qualität der Mannschaft einschätzen können. Das haben wir anhand von Videos bereits im Vorfeld gemacht. Deswegen haben wir auch das spielerische Potenzial gesehen. Wir wollten aber auch nicht zu viele Inhalte im Spiel mit dem Ball reinklotzen, denn die Gegentorstatistik war schon bedenklich. Es ging darum, einen guten Mix zwischen Offensive und Defensive zu finden und den Jungs ein, zwei Dinge in Sachen Spieleröffnung mitzugeben und wie man aus dem Spiel heraus zu Torchancen kommt. Aber auch die Defensive war wichtig und zuletzt ein großer Faktor, dass wir unsere Ziele erreicht haben. Ich muss aber auch sagen: Wir haben eine absolut fitte, intakte und offene Mannschaft vorgefunden. Das Lob gebührt also auch Dirk Schuster (Ex-Trainer; d. Red.).

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„Man muss den Jungs Inhalte vermitteln, an die sie glauben können“ Zitat von Dimitrios Grammozis
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hessenschau.de: Daniel Heuer Fernandes sagte im hr-heimspiel!, Sie hätten die Mannschaft mit Ihrer Überzeugung "an die Hand genommen". Wie genau haben Sie das gemacht?

Grammozis: Über Inhalte. Man muss den Jungs Inhalte vermitteln, an die sie glauben können und durch die sie Verbesserungen in ihrem Spiel sehen. Und natürlich über Kommunikation. Man muss sich mit den Jungs unterhalten und versuchen zu ergründen, weshalb manche Sachen nicht funktionieren. Dirk Schuster hat hier über Jahre gute Arbeit geleistet, aber wir haben vielleicht auch wieder eine Art Neugier bei der Mannschaft geweckt. Eben mit einigen neuen Inhalten, die die Jungs dann umgesetzt haben.

hessenschau.de: Wie wichtig ist Ihnen der Charakter eines Fußballspielers?

Grammozis: Die Wunschvorstellung eines jeden Trainers ist, dass er nur Spieler mit Top-Qualität, Top-Einstellung und Top-Charakter hat (lacht). Das ist natürlich nur schwer zu realisieren. Wichtig ist eine gute Mischung. Nicht jeder Spieler ist der Typ, der auf den Platz geht und rumpoltert. Manche geben der Mannschaft auf anderem Wege Energie. Ein Patrick Herrmann etwa ist einer, der auf dem Platz sofort eine unheimliche Energie versprüht. Einen Marvin Mehlem sieht man - überspitzt gesagt - mal zehn Minuten nicht, aber dann hat er drei Aktionen und entscheidet ein Spiel. Wir brauchen eine gute Mischung und die haben wir. Die Jungs haben einen guten Charakter, das hat man auch daran gesehen, dass die, die hintendran waren, sich nie haben hängen lassen. Auch da muss ich ein großes Kompliment aussprechen.

Im zweiten Teil des Interviews spricht Lilien-Trainer Dimitrios Grammozis über seine erste Saisonvorbereitung im Profbereich und wie er mit den Lilien künftig auftreten will.

Das Gespräch führten Christian Adolph und Stephan Reich (hr-sport).