Torsten Lieberknecht

Torsten Lieberknecht hat gemeinsam mit seiner Familie eine ukrainische Frau mit ihrem Sohn bei sich aufgenommen. Im Interview mit hr-iNFO hat der Lilien-Trainer nun Einblicke in seinen neuen Alltag gewährt.

Die Bilder aus der Ukraine schockieren die Welt. Ganze Städte sind von Putins Armee in Schutt und Asche gelegt worden, Millionen Ukrainer und Ukrainerinnen sind auf der Flucht, fast vier Millionen Menschen haben bereits das Land verlassen. Es ist ein sinnloser, grausamer Krieg, der das Leben von Millionen Menschen für immer verändert hat.

Für Torsten Lieberknecht, Trainer des SV Darmstadt 98, ist der Krieg noch einmal ein Stück nähergekommen. Seiner Ankündigung, ukrainische Geflüchtete aufzunehmen, hat der Lilien-Coach schnell Taten folgen lassen, seit etwas mehr als einer Woche wohnt eine ukrainische Frau mit ihrem Sohn bei den Lieberknechts. "Das Zusammenspiel zwischen uns wird immer besser", so Lieberknecht im Interview mit hr-iNFO.

"... dann steht unsere Tür offen"

Mit Lieberknechts Ehefrau, den drei Kindern und nun den Gästen aus der Ukraine leben damit aktuell sieben Menschen im Hause Lieberknecht, verständigt wird sich per Google-Übersetzer. "Wir sind eine sehr hilfsbereite Familie. Der Krieg ist gefühlt sehr nah und wir haben uns die Frage gestellt, wie wir helfen können", so Lieberknecht. Abseits von Geld und Sachspenden habe man sich überlegt, was man hierzulande vor Ort tun könne. "Und wir hatten das Gefühl, dass, wenn unsere Hilfe hier zuhause benötigt wird, unsere Tür dann offen steht."

Seit etwas über einer Woche leben Frau und Sohn nun bei den Lieberknechts, den Kontakt hatte eine Frau aus dem Umfeld des Vereins hergestellt. "Uns war es wichtig zu sagen: 'Unser Haus ist euer Haus. Ihr braucht nicht fragen, ob ihr an den Kühlschrank gehen oder euch einen Kaffee machen könnt. Bitte macht es einfach'", so Lieberknecht.

"Zuzuhören ist das Wichtigste"

Viel wichtiger als Kühlschrank oder Kaffee sei aber etwas ganz anderes: zuhören. "Wenn wir merken, dass Gesprächsbedarf da ist, hören wir zu. Manchmal kann man ihnen ein Lächeln ins Gesicht zaubern, aber dann spürt man auch immer wieder die Tiefe, die beide durch ihre Erlebnisse mitbringen. Es gibt klar diese Momente, in denen wir da sein und zuhören müssen. Zuzuhören ist das Wichtigste."

Und so hilft Familie Lieberknecht zwei Menschen, deren Leben durch einen fürchterlichen Krieg unverschuldet auf den Kopf gestellt wurde. Und auch wenn es Wichtigeres gibt: Zwei neue Lilien-Fans hat der SV Darmstadt 98 dadurch auch gewonnen. "Beim Spiel gegen Werder Bremen haben die beiden gemeinsam mit meiner Frau vor dem Fernseher mitgefiebert", so Lieberknecht.