Markus Anfang

Das desolate 0:4 gegen Paderborn hat den SV Darmstadt 98 völlig unvermittelt getroffen. Trainer Markus Anfang war in seiner Analyse so schonungslos, dass er damit selbst den klaren Sieger etwas in den Senkel stellte.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Schwarzer Tag für Darmstadt 98 gegen Paderborn

Lilien Paderborn Palsson
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Sind sie zu stark, bist du zu schwach: Nach dem 0:4 (0:3) des SV Darmstadt 98 am Sonntag gegen den SC Paderborn wollte Lilien-Trainer Markus Anfang keine Ausreden gelten lassen. Als sein Paderborner Kollege Steffen Baumgart auf der Pressekonferenz nach der Partie gerade das gradlinige Spiel seiner eigenen Mannschaft lobte, fuhr ihm der Lilien-Coach regelrecht in die Parade. "Sorry Baumi, aber wir haben uns selbst geschlagen, weil wir zu viele Fehler gemacht haben", sagte Anfang und setzte der Paderborner Freude - wohl eher ungewollt - einen weiteren Dämpfer auf: "Wir hätten heute gegen jede Mannschaft verloren."

Taktische Anweisungen ignoriert

Der Stachel bei den Südhessen saß gleich aus mehreren Gründen richtig tief. Zum einen war eine solch desolate Leistung nach zuletzt starken Vorstellung alles andere als erwartbar. Im Gegenteil: Mit einem Sieg gegen den Bundesliga-Absteiger wollten sich die Darmstädter ganz oben in der Tabelle festsetzen. Diese Chance ist vorerst vertan. Sieben Spiele, neun Punkte, Platz zehn, lautet die nüchterne Realität, mit der die Lilien nun in den kommenden beiden Länderspiel-Wochen leben müssen.

Zum anderen muss sich Trainer Anfang fragen, weshalb seine taktischen Anweisungen offenbar so rigoros ignoriert wurden. "Wir hatten einen klaren Plan, aber den haben wir nicht umgesetzt", kritisierte der 46-Jährige. Die Marschroute, erläuterte Anfang, sah nämlich vor, das Paderborner Pressing auszuhebeln. Lange Bälle sollten das sonst übliche Darmstädter Kurzpassspiel ersetzen. Doch die neue Taktik erstickte schon im Keim. "Wir haben es nicht geschafft, den Ball über die Kette zu spielen", analysierte Anfang und haderte mit allzu vielen einfachen Fehlpässen.

Ein Platzverweis zu viel, einer zu wenig

Ron Schallenberg (13.), Chris Führich (22.) und Dennis Srbeny (25.) tüteten die erste Darmstädter Heinniederlage im Jahr 2020 schon vor der Pause ein. Da sorgte selbst die mehr als fragwürdige Gelb-Rote Karte für Lilien-Verteidiger Nicolai Rapp (40.) in der Nachbetrachtung für wenig Aufregung. "Wir hätten das Spiel trotzdem nicht gedreht“, stellte Anfang klar, "wir waren nicht annähernd konkurrenzfähig."

Zumindest in der Bewertung der Ampelkarte waren sich beide Trainer diesmal aber einig. "Gelb-Rot ist da schon schwierig", meinte auch Paderborns Baumgart, schließlich sei Rapp bei der fraglichen Szene eher von hinten umgerannt worden. Eine Korrektur des Video-Schiedsrichters blieb dennoch aus, da dieser nur bei Roten und nicht bei Gelb-Roten Karten einschreiten darf.

"Ich komme mit den ganzen Regeln einfach nicht mehr klar", sagte Anfang resignierend. Eher überrascht war der Darmstädter Coach in diesem Zusammenhang sogar, dass Adrian Stanilewicz bei einem klaren Handspiel im Strafraum in der zweiten Halbzeit nicht ebenfalls die fällige Ampelkarte gezeigt bekam. Schiedsrichter Florian Heft beließ es bei Elfmeter für Paderborn, den erneut Srbeny zum Endstand verwandelte (60.).

So schlecht wie nie

Für die Südhessen gilt es nun, die Partie so schnell wie möglich aus den Köpfen zu bekommen. "Die Jungs wissen, dass sie mehr machen müssen und mehr können", sagte Anfang, der nach zwei lockeren Einheiten zu Wochenbeginn ein paar freie Tage einplant. Danach gelte es, noch intensiver und noch akribischer zu arbeiten.

Mithelfen soll dann wieder Kapitän Fabian Holland, der am Wochenende positiv auf das Coronavirus getestet wurde. Der Ausfall habe die Vorbereitung sicher gestört, sei aber keine Entschuldigung für das spätere Resultat gewesen, urteilte Anfang, der dem Dargebotenen wirklich so gar nichts Positives abgewinnen konnte: "Das war das schlechteste Spiel, das ich als Zweitliga-Trainer je betreut habe." Auf Paderborner Seite sah man das sicher anders.