Trotz starken Starts: Darmstadt 98 wehrt Favoritenrolle ab.

Der SV Darmstadt 98 beackert seit Jahren das oberste Drittel der zweiten Liga. Dennoch schieben die Lilien die Favoritenrolle von sich. Weshalb eigentlich angesichts beeindruckender Zahlen?

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Zimmermann: "Liga ist sehr ausgeglichen"

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Saison 2019/20? Rang fünf. Spielzeit 2020/21? Platz sieben. Vergangene Runde? Vierter! Der SV Darmstadt 98 klopft seit drei Jahren im vordersten Bereich der zweiten Liga an. Wäre die Konkurrenz im Vorjahr mit Schalke 04, Werder Bremen und dem Hamburger SV nicht so stark gewesen, dann könnten die Lilien aktuell wohl schon ganz oben mitmischen.

 Zimmermann: "In Bielefeld nicht in der Favoritenrolle"

Trainer Torsten Lieberknecht hat die gute Arbeit der Vorgänger Dimitrios Grammozis und Markus Anfang nahtlos fortgeführt und noch eine Schippe draufgepackt. Nach sechs Spieltagen belegen die Südhessen nicht umsonst Rang zwei mit 13 Zählern. Darmstadt setzte sich zudem im DFB-Pokal ganz souverän bei Absteiger Ingolstadt durch. Die Lilien sind nach sechs Jahren in der zweiten Liga inzwischen etabliert.

Dennoch wird vor der Partie gegen den schwach in die Saison gestarteten Absteiger Arminia Bielefeld weiter Understatement betrieben. Christoph Zimmermann kam vor knapp sechs Wochen aus der zweiten englischen Liga nach Darmstadt. Der 29-Jährige hat sich rasant eingelebt, ist sofort Leistungsträger geworden. In einer digitalen Medienrunde am Dienstag sagte er: "Wir sind nicht in der Favoritenrolle. Die Liga ist ausgeglichen und sehr hart. Es warten nur schwierige Aufgaben auf uns."

Bilanz unter Lieberknecht stark

Warum nicht etwas mehr Mut in den Ansagen? Die Entwicklung der Lilien beeindruckt. In 40 Zweitligapartien unter Lieberknecht jubelten die Darmstädter 22 mal über drei Punkte. Besonders stark: Eine richtige Niederlagenserie gab es nie. Die Südhessen verloren maximal zwei Mal in Folge, die mental gefestigte Truppe fand immer schnell Antworten. 

Im Gegensatz zu manch einem Konkurrenten ist das Team eingespielt. Zimmermann ist der einzige Neuzugang, der es bislang in die Lilien-Startelf geschafft hat. Für ihn hat die Tabelle nach einem Drittel der Hinserie noch "keine Aussagekraft". Doch der Trend lässt sich nicht leugnen. Darmstadt sammelte im laufenden Jahr 38 von 66 möglichen Punkten. Der Schnitt von 1,73 Zählern pro Partie (hochgerechnet auf die Saison: 59 Punkte) hätte in zwei der vergangenen fünf Saisons zum direkten Aufstieg und einmal in die Relegation geführt. 

Typische Underdog-Rolle passt nicht zu den Lilien

Die Lilien haben sicherlich nicht den Favoritenstatus des HSV. Doch die zweite Reihe, die wie Paderborn, Heidenheim, Düsseldorf oder St. Pauli immer mal wieder hochrutschen kann? Dafür ist die Qualität da. Die typische Rolle als Underdog – sie passt nicht mehr zu den Lilien. Auch dann nicht, wenn der Bundesliga-Absteiger aus Bielefeld kommt