Markus Anfang

Nach nicht einmal einem Jahr ist Schluss, Markus Anfang verlässt den SV Darmstadt 98 in Richtung Bremen. Für den Trainer ist es ein logischer Schritt, die Lilien müssen nun aber wieder von vorne anfangen.

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Audioseite Markus Anfang verlässt die Lilien

Markus Anfang
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Es gibt eine beliebte Floskel, die viel zu oft und an viel zu vielen falschen Stellen verwendet wird. Sie geht wie folgt: Man sollte aufhören, wenn es am schönsten ist. Im Fußball wird diese Floskel zugegebenermaßen eher selten verwendet. Bei Markus Anfang und dem SV Darmstadt 98 könnte man sie dieser Tage aber zumindest abändern in: Man sollte gehen, wenn es am erfolgreichsten ist.

Der Lilien-Coach verlässt die Südhessen nach nicht einmal einem Jahr, das steht seit Dienstag fest. Der ambitionierte Fußball-Lehrer möchte mit Bundesliga-Absteiger Werder Bremen das Unternehmen Wiederaufstieg an der Weser angehen. Das ist ein legitimer Wunsch, und, viel wichtiger: Es passt zu ihm.

Mittel in Darmstadt eben beschränkt

Mit Köln durfte er den letzten Schritt, den Aufstieg, einst nicht mehr mitgehen. Er wurde kurz vor dem Ende der Saison entlassen. Die Bundesliga bleibt aber das Ziel des 46-Jährigen. Der SV Darmstadt 98 ist sicherlich kein unambitionierter Verein, das Ziel Fußball-Oberhaus ist in Bremen aber deutlich leichter zu realisieren. Und doch - auch die Kassen an der Weser sind nach dem Abstieg nicht prall gefüllt. Die klammen Bremer generierten zuletzt rund 17 Millionen Euro mit einer Mittelstandsanleihe von Investoren und Privatanlegern.

Bei den Südhessen hatte Anfang immer wieder die fehlende Qualität und Quantität im Kader moniert. Alleine: Geld, diese Probleme zu lösen, war kaum bis nicht vorhanden. Zur neuen Saison wird es für die Lilien noch schwieriger. Mit Victor Pálsson und Serdar Dursun verlassen zwei absolute Leistungsträger die 98er. Ersatz ist noch nicht gefunden.

Im Sommer 2020 die absolute Wunschlösung

Eigentlich war vorgesehen, dass Anfang diesen mittleren Umbau anführt. Als er im Sommer 2020 in Südhessen als Nachfolger von Dimitrios Grammozis aufschlug, war der Ex-Kölner und Ex-Kieler die absolute Wunschlösung der Darmstädter.

Er sollte den Lilien eine neue Spielidee verpassen und die 98er voranbringen. Nach reichlich Anlaufschwierigkeiten gelang ihm das auch, die Rückrunde beendeten er und die Darmstädter mit einem Vereinsrekord und auf einem guten Tabellenplatz sieben. Zielvorgabe erfüllt, könnte man sagen. "Ich hatte ein kurioses, aber auch sehr schönes Jahr in Darmstadt und werde immer im Positiven auf meine Zeit bei den Lilien zurückblicken", beschrieb es Anfang am Dienstag.

Stolzes Sümmchen für Anfang

Kein Wunder also, dass die Lilien ihren Trainer nicht abgeben wollten. "Zwar hätten wir gerne weiterhin mit Markus Anfang zusammengearbeitet, doch wir haben uns dazu entschieden, seinem ausdrücklichen Wechselwunsch zu entsprechen", erklärte Manager Carsten Wehlmann am Dienstag.

Die Lilien erhalten - trotz ein paar Misstönen zum Abschied - dafür zumindest ein stolzes Sümmchen. Nach hr-sport-Informationen beträgt das Gesamtpaket inklusive möglicher Boni eine knappe Million Euro. Bremen hatte zuerst nur 200.000 Euro geboten, das war den 98ern deutlich zu wenig.

Vor Wehlmann liegt ein Haufen Arbeit

Aber: Die Südhessen stehen nun eben vor dem nächsten Neustart und müssen neu aufbauen. Wer der Nachfolger des abgewanderten Coaches wird, steht noch nicht fest. Manager Carsten Wehlmann hat in der sehr kurzen Sommerpause nun einen Haufen Arbeit vor sich. Denn die einstige Wunschlösung hat sich dazu entschieden, zu gehen, wenn es am erfolgreichsten ist.