Seit Anfang Juli ist Mathias Wittek kein Spieler des SV Darmstadt 98 mehr. Den Innenverteidiger plagt weiterhin eine komplizierte Knie-Verletzung. Aufgegeben hat er noch nicht, andere Gedanken spielen aber schon längst eine Rolle.

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Audioseite Wittek: "Endlich wieder Fußball spielen"

Wittek im Training
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Vor ein paar Tagen hat sich Mathias Wittek schon einmal erkundigt, wie das so läuft mit einer Immatrikulation. Wann ist Anmeldeschluss? Auf was muss ich achten? Wie läuft das eigentlich? Das Ergebnis: Vor dem Wintersemester 2022 wird es den Studenten Wittek nicht geben. Universitäten nehmen es bei der Immatrikulation eben genau. Das bedeutet aber auch: Ein Karriereende gibt's erst einmal nicht. Wittek will nochmal kicken, unbedingt.

In Darmstadt wird das aber nicht passieren. Die Lilien, die den Innenverteidiger 2019 aus Heidenheim holten, hatten den eigentlich noch bis Sommer 2022 laufenden Vertrag im gegenseitigen Einvernehmen aufgelöst. Seit dem Januar hatte es Wittek immer wieder versucht, immer wieder musste er einen Schritt zurückmachen. Das Knie, es wollte einfach nicht so, wie der 32-Jährige es wollte. Schluss, Ende, Aus in Darmstadt - nach nur 14 Pflichtspielen.

Hält das Knie, geht es weiter

Im Groll ging der Verteidiger aber nicht. "Ich bin von den Lilien gut unterstützt worden", betont er im Gespräch mit dem hr-sport. Besonders der Rehatrainer wurde in dieser Zeit zu einer echten Vertrauensperson. Zu mehr als Teamtraining reichte es dennoch nicht, was es für Wittek nicht leichter machte. Denn: "Sobald ich auf dem Platz stand, hat es Spaß gemacht. Ich habe gemerkt, dass ich eine Verstärkung bin, wenn ich fit bin." Bei einem Pflichtspiel konnte er das aber nicht zeigen.

Daher möchte er das Wort Karriereende eben auch nicht in den Mund nehmen. Klar, es spukt im Hinterkopf rum, alles andere wäre gelogen. Aber wenn das Knie irgendwann halten sollte, soll es weitergehen. Nur lässt sich Wittek jetzt eben Zeit. "Ich kann mir vorstellen, noch lange Fußball zu spielen", betont er. "Wie lange ich es ausprobieren will, weiß ich noch nicht." Es bleibt ein Prozess mit offenem Ausgang.

Zurück in die Heimat gezogen

Ein Verein hatte sich bei Wittek sogar schon gemeldet, der Verteidiger blockte aber direkt ab. Viel zu früh. Jetzt geht es um das Knie, um die Reha. Dafür ist er mit der Familie aus Darmstadt zurück in die Heimat in der Nähe von Augsburg gezogen. Dort hat der Familienvater ein Haus, der perfekte Ort, um sich dem Trubel ein wenig zu entziehen.

Offiziell ist er aktuell krankgeschrieben und nicht arbeitslos. Geld erhält er von der Berufsgenossenschaft wegen seiner Arbeitsunfähigkeit. "Ich muss jetzt mein Knie in den Griff bekommen", betont er. Der Rest ist zweitrangig. Dazu geht er es jetzt etwas ruhiger an als in Darmstadt. Dort trainierte er jeden Tag, mittlerweile nur noch vier bis fünf Mal in der Woche.

Fußball im TV? Lieber nicht...

Auch bei einer anderen Sache will Wittek etwas runterfahren: dem Fußballschauen. Die 2. Bundesliga läuft bereits, die ehemaligen Kollegen stehen wieder auf dem Rasen, machen das, was auch er machen möchte. "Ich glaube, es würde nur weh tun, wenn ich es mir anschaue", sagt er ehrlich. Dafür ist er noch zu nah dran.

Wenn es nach ihm geht, ändert sich dieser Zustand ja aber sowieso irgendwann. Dann steht er selbst noch einmal auf dem Rasen und spielt mit. Denn Lehramtsstudium, Immatrikulation und Universität können für Wittek sehr gerne noch sehr lange warten.