Torsten Lieberknecht von Darmstadt 98

Der SV Darmstadt 98 hält sich nicht lange mit der Niederlage in Rostock auf und richtet den Fokus auf das Heimspiel gegen Dresden. Stürmer Luca Pfeiffer ist angriffslustig, Tobias Kempe rückt näher an die Startelf.

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Audioseite Pfeiffer über Rostock: "Müssen das abhaken"

Luca Pfeiffer
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Die Vergangenheit, das wurde am Mittwoch beim SV Darmstadt 98 an gleich mehreren Stellen deutlich, ist für die Lilien genau das, was sie ist: vergangen. Das altehrwürdige Stadion am Böllenfalltor ist nach Jahren und Monaten voller Bauarbeiten nur noch eine windige Erinnerung, die Zeichen der Erneuerung und Modernisierung sind in Form von Baggern und unverputztem Beton überall sichtbar.

Darmstadt 98, einst durch einen Mix aus Leidenschaft, Glück und fußballerischem Wahnsinn in die Bundesliga gespült, richtet den Blick inzwischen ausschließlich nach vorne. Das Fundament für eine seriöse und dauerhafte Zukunft im deutschen Profifußball wurde außerhalb des Platzes – im wahrsten Sinne des Wortes – bereits gelegt. Sportlich sind die Lilien unter Trainer Torsten Lieberknecht aktuell zumindest auf einem guten Weg.

Lilien wischen Zweifel weg

Nach turbulentem Saisonbeginn mit einer Flut an Corona- und Quarantänefällen sowie zwei nachvollziehbaren Niederlagen drehten die Lilien gegen Ingolstadt (6:1), beim HSV (2:2) und gegen Hannover 96 (4:0) ordentlich auf, um am vergangenen Wochenende bei Aufsteiger Hansa Rostock (1:2) den ersten richtigen Dämpfer in dieser Spielzeit einzustecken. "Die Idee der letzten Wochen ist ein bisschen abhandengekommen", haderte Lieberknecht nach der Partie.

Lange aufhalten, und das passt zum Darmstädter Vorwärtsdrang, wollte sich mit der definitiv vermeidbaren Niederlage aber niemand. Schon am Montag, als einen Tag nach der wenig erfolgreichen Reise an die Ostsee, wurde die Aufarbeitung offiziell für beendet erklärt. "Wir haben das schnell abgehakt. Wir brauchen einen freien Kopf", fasste Stürmer Luca Pfeiffer am Mittwoch in einer Presserunde zusammen. Auch sportlich zählt in Darmstadt also nur das, was da noch kommt. Irgendwelche Zweifel? Nicht mit den Lilien.

Gegentore nach leichten Fehlern

Und das hat Gründe: Zum einen zeigten sich alle Darmstädter Spieler nach Abpfiff fast schon auffallend selbstkritisch und hinterfragten die eigene Leistung. Tenor: Der letzte Biss hat gefehlt, das darf nicht passieren. Zum anderen sind die Fehler, die zu den Gegentoren führten, erklär- und im Training abstellbar. Wie schon in Hamburg wurden die Lilien durch zwei Standardsituationen überrumpelt, in denen schlicht und einfach ein einziger Profi kurz pennte.

Die Kombination aus Mann- und Raumdeckung, auf die Trainer Lieberknecht bei Freistößen und Eckbällen setzt, ist in der Theorie effektiv. Bei kleinsten Aussetzern bringen aber auch die besten Vorsätze nichts. Das kann und muss man besser verteidigen, heißt es da schnell.

Wichtiger ist aber, und das gab auch Lieberknecht seiner Mannschaft mit auf den Weg, dass die Defensive fast keine Chancen aus dem Spiel zuließ. Eine Schwachstelle, die sich die Gegner gezielt aussuchen, gibt es im aktuellen Abwehrverbund der Darmstädter nicht. Chancen für Rostock entstanden fast ausschließlich nach eigenen Fehlern. Das ist nicht optimal und durchaus ärgerlich, gleichzeitig in dieser frühen Phase der Saison aber normal. Und vor allem: Diese Fehler kann man abstellen. "Wir müssen uns einfach vor Augen halten, was wir können", so Pfeiffer.

Kempe bietet sich an

Einer, der bei der Fehler-Minimierung künftig wieder öfter mithelfen könnte, ist Tobias Kempe. Der Aufstiegsheld auf Lebenszeit hat sich nach schwieriger Vorbereitung inklusive Nasen-OP und Corona-Quarantäne in den vergangenen Wochen im Training angeboten und körperliche Defizite wettgemacht. In Rostock holte er wenige Sekunden nach seiner Einwechslung einen Elfmeter raus und verwandelte im Anschluss direkt selbst. Auch gegen Dynamo Dresden am Sonntag (13.30 Uhr) soll er wieder Einsatzminuten bekommen.

Ob Kempe direkt ein Kandidat für die Startformation ist, wird sich wohl erst im Training zeigen. Der 32-Jährige, der sich im offensiven Mittelfeld am wohlsten fühlt, ist aber wieder deutlich näher dran als noch vor Wochen. Seine optimale Position in einer offensiven Dreierreihe gibt es im 4-4-2-System von Lieberknecht zwar nicht, Kempe könnte aber auch als hängende Spitze oder auf der Doppelsechs auflaufen. So oder so: Mit Kempe ist wieder zu rechnen.

Bölle soll eine Festung werden

Zumindest stimmungstechnisch ist bei Darmstadt 98 trotz des Rückschlage in Rostock also alles bereit für den dritten Heimsieg in dieser Saison. Der Ausrutscher bei Hansa soll nur ein Schönheitsfehler bleiben. "Unser Ziel sind ganz klar drei Punkte", unterstrich auch Stürmer Pfeiffer. "Wir sind auf einem guten Weg und wollen das Bölle wieder zu einer Festung machen." Zumindest das wäre dann noch wie früher.