Phillip Tietz jubelt im Spiel gegen Ingolstadt.

Phillip Tietz spürt am Tag nach dem ersten Saisonsieg eine neue Stimmung bei den Lilien. Er selbst ist mit seinen zwei Treffern endgültig beim neuen Verein angekommen.

Audiobeitrag

Audio

Audioseite Tietz: "Wir haben als Mannschaft Gesicht gezeigt"

Jubel bei Darmstadt 98
Ende des Audiobeitrags

Im Auswärtsspiel beim Karlsruher SC vor zwei Wochen wurde sein Torjubel noch vom VAR gestoppt, beim Schützenfest gegen Ingolstadt am Sonntag (6:1) waren seine beiden Treffer dann blitzsauber: Stürmer Phillip Tietz hat seine ersten beiden Pflichtspieltore für Darmstadt 98 erzielt und mitgeholfen, den Fehlstart furios vergessen zu machen.

"Man darf sich nicht selbst runterziehen"

"Nach dem Spiel in der Kabine hatten alle ein Lächeln im Gesicht, es war einfach eine andere Stimmung. Heute früh ist man mit einem guten Gefühl aufgewacht, nicht so wie in den letzten Wochen", erzählte Tietz am Montag in einer Medienrunde. Die Mannschaft habe richtig Gesicht gezeigt, so der Stürmer. "Vor einigen Wochen hatten wir eine Kacksituation, das hat uns extrem zusammengeschweißt."

Während jener "Kacksituation" gab es insgesamt sieben Corona-Fälle in der Mannschaft, zahlreiche weitere Spieler mussten in Quarantäne. Inzwischen können fast alle wieder auf dem Platz stehen. "Man darf sich nicht selbst runterziehen, dann kommt das schon alles", fasste Tietz seine Situation der ersten Spiele zusammen und beschrieb damit auch das Gefühl innerhalb des Teams, das sich nicht hängen ließ und gegen Ingolstadt wie entfesselt spielte.

Videobeitrag

Video

zum Video Highlights: Darmstadt 98 - FC Ingolstadt

SV Darmstadt 98 - FC Ingolstadt
Ende des Videobeitrags

"Bescheuertes" Zweitliga-Jahr mit dem SVWW

Doch auch der 24-Jährige selbst kennt das Gefühl von Rückschlägen. Als er 2019 zum SV Wehen Wiesbaden wechselte und in der zweiten Liga durchstarten wollte, stoppte ihn eine Knieverletzung für mehrere Monate. "Ich erinnere mich nicht gerne zurück, weil es ein bescheuertes Jahr war mit dem Abstieg. Für den Verein und für mich persönlich auch", sagte er dazu. Nach dem anschließenden Drittliga-Jahr mit dem SVWW (33 Spiele, 11 Tore) zog der Stürmer weiter nach Darmstadt.

Bei den Lilien soll es für ihn nun besser laufen - auch dank seines alten Weggefährten Torsten Lieberkecht, der ihn einst in Braunschweig entdeckte und förderte. "Ich war im Urlaub, als ich die Nachricht von seiner Verpflichtung bekommen habe und es war ein Hammergefühl", erinnerte sich Tietz, der selbst erst kurz zuvor in Darmstadt angeheuert hatte. "Er hat Ahnung vom Fußball und ist ein extrem liebenswürdiger Mensch."

Riedel weckt bei Tietz Erinnerungen

Das zeige sich besonders in der täglichen Arbeit mit jungen Spielern. "Wenn ich jetzt zum Beispiel Clemens Riedel sehe, wie er mit dem umgeht, das ist überragend", so Tietz über Lieberknecht und den 18-jährigen Innenverteidiger. "Ich sehe mich da so ein bisschen selbst drin, wie er mit ihm umgeht."

Tietz schmeckten die beiden Treffer gegen Ingolstadt übrigens auch deshalb besonders süß, weil er endlich Grüße verschicken konnte - per Baby-Jubel an seine Frau und sein ungeborenes Kind. Versucht hatte er das bereits beim vermeintlichen Tor in Karlsruhe. Und auch am Sonntag klappte es nicht auf Anhieb. "Beim ersten Tor habe ich den Ball nicht gefunden." Aber nach dem zweiten Treffer war dann auch diese Lilien-Geschichte rund.