Jubel bei Darmstadt 98

Als einer der wenigen Klubs im Profifußball macht Darmstadt 98 in der Pandemie ein dickes Plus. Hinzu kommt der sportliche Erfolg. Doch folgt jetzt der Katzenjammer? In der laufenden Spielzeit rechnen die Lilien mit hohen Verlusten.

Audiobeitrag

Audio

Audioseite Darmstadt 98: Satter Gewinn trotz Corona

Lilien Fans gegen Werder Bremen
Ende des Audiobeitrags

Es wird ja viel gejammert dieser Tage. In den Stadien und im echten Leben. Meist sind Corona und die Auswirkungen der Pandemie die durchaus verständlichen Gründe der Jammerei. Bei Darmstadt 98 aber ist vieles anders. Da strahlen sie derzeit bei den Spielen im Stadion und am Mittwochabend bei der Mitgliederversammlung um die Wette.

"Eine völlig harmonische Jahreshauptversammlung. In dem Verein ist schon so viel unfassbar positives passiert", schrieb Lilien-Fan "Mikesv98" bei Twitter und sprach damit vielen Anhängern aus dem Herzen. Es läuft bei den Lilien. Sportlich stehen die Darmstädter nach zuletzt zwei Siegen und einem Unentschieden auf einem entspannten siebten Tabellenplatz in der zweiten Liga.

Und wirtschaftlich "sind wir bisher ordentlich durch die Pandemie gekommen", wie Präsident Rüdiger Fritsch auf der Mitgliederversammlung stolz verkünden konnte. Mehr als zwei Millionen Euro Gewinn in der Corona-Saison 2020/21, das kann sich sehen lassen. Die positiven Geschäftszahlen seien umso erfreulicher, da die Lilien derzeit "das größte Infrastrukturprojekt der Vereinsgeschichte umsetzten." Stichwort Stadionumbau.

Hohe Verluste in der laufenden Saison?

Für die laufende Saison plant der Verein allerdings mit einem dicken Minus von drei bis vier Millionen Euro. Fritsch: "Vor allem aufgrund der aus der Corona-Pandemie resultierenden zurückgegangenen TV-Einnahmen rechnen wir mit einem deutlichen Verlust." Dieser soll durch die in den vergangenen Jahren gebildeten Rücklagen aufgefangen werden.

Das Minus bei den TV-Einnahmen ist auch deshalb so hoch, weil die Darmstädter im TV-Ranking abgestürzt sind. Nicht, weil es aktuell sportlich nicht läuft, sondern weil die fetten Jahre mit dem Bundesliga-Aufstieg und dem ersten, erfolgreichen Bundesliga-Jahr mittlerweile als Kriterium aus der Bewertung der Lilien herausgefallen sind.

Guter Zuschauerschnitt könnte alles noch rausreißen

Was die geplanten Verluste von bis zu vier Millionen angeht, könnte das letzte Wort noch nicht gesprochen sein. Denn die Lilien kalkulieren - finanziell äußerst konservativ - mit einem Zuschauerschnitt von 6.100 Fans im Stadion. Sollte die Corona-Pandemie nicht mit voller Wucht zurückkommen, sollte dieser Schnitt locker überschritten werden. Zuletzt gegen Werder Bremen war das Stadion am Böllenfalltor mit 13.000 Zuschauern ausverkauft, am Freitag im Spiel gegen Nürnberg (18.30 Uhr) wird es wieder voll.

Sollten das so bleiben, würden die avisierten Verluste für die laufende Saison kleiner werden, ein Verlust von drei Millionen Euro würde nach Angaben des SVD jedoch auf jeden Fall auf den Verein zukommen. In der vergangenen Spielzeit war ursprünglich ebenfalls mit einem Minus gerechnet worden. Im Frühjahr hatte der Verein das zu erwartende Ergebnis schon auf eine "schwarze Null" nach oben korrigiert, am Ende kam nun ein Gewinn von mehr als zwei Millionen Euro heraus.

Minutenlanger Applaus für Ehrenpräsident Kessler

Richtig stimmungsvoll wurde es auf der Mitgliederversammlung der Lilien, als der ehemalige Vereinspräsident Hans Kessler (Amtszeit: 2007 - 2012) zum Ehrenpräsidenten ernannt wurde. Die Mitglieder standen auf und zollten Kessler mit minutenlangem Applaus ihren Respekt. Auch der aktuelle Lilien-Trainer Torsten Lieberknecht stand da und klatschte.

Auch das ist ein Zeichen dafür, dass es bei den Darmstädtern aktuell stimmt. Denn Lieberknecht blieb bei der Mitgliederversammlung bis zur letzten Minute. Also bis 22 Uhr: "Das war ein harmonisches Miteinander da gestern und schließlich war ich ja das erste Mal da", sagte der Lilien-Trainer am Donnerstag.

Dass ein Chef-Coach bis zum Ende einer Mitgliederversammlung bleibt, das hat es lange nicht mehr gegeben bei den Darmstädtern. Und weil auch noch die Mannschaft die nötigen Siege liefert, strahlen sie bei den Lilien aktuell wirklich alle um die Wette.

Weitere Informationen Ende der weiteren Informationen