Markus Anfang

Markus Anfang wird ab der kommenden Saison Cheftrainer des SV Darmstadt 98 werden. Für die Lilien könnte der 45-Jährige ein Glücksgriff sein.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Fix: Anfang wird neuer Trainer bei Darmstadt 98

Markus Anfang
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Tabellenerster drei Spieltage vor Schluss, sechs Punkte Vorsprung auf den ersten Nichtaufstiegsplatz, 76 erzielte Tore und 1,88 Punkte im Schnitt – nicht viele Trainer in der Geschichte des deutschen Fußballs dürften mit Markus Anfangs Bilanz beim 1. FC Köln 2018/19 gefeuert worden sein. "Für mich hatte sich das vorher nicht abgezeichnet", sagte Anfang folgerichtig nach seinem Aus der Bild. "Das hat schon weh getan."

Ironischerweise war es eine 1:2-Niederlage gegen den SV Darmstadt 98, die den damaligen Köln-Boss Armin Veh zur Trennung von Anfang bewegte. Also eine Pleite gegen jenen Club, bei dem Anfang nun als Nachfolger von Dimitrios Grammozis ab Sommer die Geschicke übernimmt. Alles auf Anfang also.

"Wir wollen immer den Ball haben"

Mit der Verpflichtung von Anfang könnte den Hessen ein echter Coup gelungen sein. Denn es ist noch gar nicht so lange her, da galt der gebürtige Kölner als nächster heller Stern am deutschen Trainerhimmel. Im beschaulichen Kiel, lange Jahre in den Niederungen der Regionalliga beheimatet, baute Anfang in der dritten Liga eine Mannschaft auf, die furios bis in die zweite Liga preschte – und erst in der Relegation zum Bundesligaaufstieg am mit Stars gespickten VfL Wolfsburg scheiterte.

Um zu ermessen, wie dominant Anfang und sein Team mit Kiel in der zweiten Liga waren, reicht ein Blick in die Statistiken. Tore, Torschüsse, Pressing, Pässe in den Strafraum – quasi in jedem Kernbereich des Offensivfußballs wiesen die Kieler in der Zweitliga-Saison Topwerte auf – als Aufsteiger wohlgemerkt. Anfangs Credo dabei: "Wir wollen immer den Ball haben, wollen versuchen, das Spiel zu dominieren", so der 45-Jährige gegenüber dem Bonner General-Anzeiger.

"Starkes Offensivsiel, einstudierte Laufwege"

Beim KSV klappte das ideal. In seinem bevorzugten 4-1-4-1-System verschmolz Anfang dabei das Beste aus Ballbesitz- und Konterfußball. "Kiel vereint beide Aspekte dadurch, auch seine Angriffe aus dem Ballbesitz heraus mit viel Zug und Tempo – ziemlich konter-mäßig – zu spielen", staunte der Taktik-Blog spielverlagerung.de vor der Relegation gegen Wolfsburg.

"Starkes Offensivsiel, einstudierte Laufwege, eingeschliffene Automatismen" – auch Armin Veh wusste genau, warum er Anfang unbedingt nach Köln holen wollte. Dort lief es dann aber eher auf dem Papier, nicht auf dem Platz. Und das hatte Gründe. Ein Kader, der für Anfangs Spielidee nicht ausreichend besetzt war, zu wenig Konstanz und auch, auch das ist die Wahrheit, zu wenig taktische Variabilität Anfangs, was bereits in Kiel der einzige leise Kritikpunkt war.

Ein Glücksfall für die Lilien?

Der mit Stars gespickte Kader zerfiel im Laufe einer holprigen Saison in Grüppchen. "Das machen die Stars", giftete etwa ein Dominik Drexler nach einer 0:3-Niederlage, als es darum ging, wer der Presse Rede und Antwort stehen würde. Anfang, als Kölscher Jung zu seinem Herzensclub gewechselt, verlor die Kabine und rieb sich parallel am allmächtigen Sportvorstand Armin Veh auf – mit bekanntem Ausgang.

Ein Glücksfall für die Lilien, die sich nun einen Trainer angeln konnten, dessen Karriereweg ihn ganz sicher in die Bundesliga geführt hätte: Die Punkteausbeute bis zu Anfangs Aus am 31. Spieltag hätte auch am 34. Spieltag für den Kölner Aufstieg gereicht, was freilich niemand hat wissen können. Mit Wehlmann hat Anfang übrigens schon in Kiel zusammengearbeitet, einem wie Darmstadt eher ruhigen Profifußballstandort. Anders als das notorisch überhitzte Köln. Und auch mit sechs Punkten Vorsprung auf den ersten Nichtabstiegsplatz drei Spieltage vor Saisonende würde er in Darmstadt wohl nicht entlassen werden.