Unter Strom: Aue-Trainer Dirk Schuster kehrt für einen Abend ans Böllenfalltor zurück.

Der frühere Darmstädter Erfolgstrainer Dirk Schuster kehrt am Freitag mit seinem neuen Club Erzgebirge Aue nach Südhessen zurück. Groll empfindet Schuster nicht, Geschenke hat er für die Lilien aber keine dabei.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Dirk Schuster: "Es ist schon ein spezielles Spiel!"

Dirk Schuster erwartet ein heißes Duell gegen Ex-Klub Darmstadt.
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Dirk Schuster hat in seinen insgesamt viereinhalb Jahren, die er für den SV Darmstadt 98 tätig war, viel erreicht. Der Durchmarsch von der 3. Liga in die Bundesliga ist die vielleicht legendärste Lilien-Geschichte aller Zeiten, der sensationelle Klassenerhalt in der Saison 2015/16 bildete den Höhepunkt der Ära. Schuster hat Darmstadt 98 geprägt, Darmstadt 98 hat Schuster viel zu verdanken. Doch das ist Vergangenheit.

Schuster rechnet mit "freundlichem Empfang" beim Ex-Klub

Die Romantik endete genau wie Schusters zweites Engagement bei den Lilien am 18. Februar dieses Jahres. Nach einem 1:1 beim SV Sandhausen wurde Präsident Rüdiger Fritsch die Lage im Keller zu prekär, Schusters Zeit war nach insgesamt 179 Partien am Seitenrand der Darmstädter abgelaufen.

Seit dem 26. August trainiert der 51-Jährige nun den kommenden Gegner Erzgebirge Aue und erledigt diese Aufgabe bislang äußerst erfolgreich. In den vergangenen sechs Partien unterlagen die Veilchen nur dem Hamburger SV mit 0:4. Danach sammelten die Sachsen sieben Zähler aus drei Begegnungen. Trotz aller Rivalität und Wichtigkeit der Partie rechnet Schuster bei seiner eintägigen Rückkehr am Freitagabend (18.30 Uhr) mit einem "freundlichen Empfang" am Böllenfalltor, wie er dem hr-sport verriet: "Wir haben gemeinsam Erfolge feiern dürfen, die unvergessen bleiben."

"Heißer Tanz" trotz großer tabellarischer Distanz?

Obwohl beide Mannschaften aktuell sieben Punkte und elf Plätze trennen, prognostiziert der frühere Profi einen "heißen Tanz" in Südhessen: "Darmstadt wird alles investieren", ist sich Schuster sicher. Die Mannschaft sei nicht nur spiel-, sondern auch kämpferisch stark. Die Lilien könnten auch "tabellarisch gesehen" zu Aue aufschließen. Schuster warnte daher vor seinem Ex-Klub: "Die Mannschaft ist deutlich besser, als es die Tabelle aussagt." Wer weiß das besser als der frühere Coach, der noch immer einen großen Teil des Teams kennt?

Schuster hat zudem den enorm wichtigen 1:0-Auwärtserfolg der Mannschaft von Nachfolger-Trainer Dimitrios Grammozis beim FC St. Pauli registriert. In der Hansestadt holte Darmstadt erst den zweiten Dreier in dieser Saison, der Keller liegt noch immer bedrohlich nahe. "Ich kann mir gut vorstellen, dass sie diesen Erfolg vergolden wollen."

Kein Platz für Sentimentalitäten

Neben der sportlichen Aufgabe steht auch der emotionale Teil auf dem Programm. Schuster bemüht sich zwar darum, so sachlich wie möglich zu bleiben. Er habe inzwischen "relativ wenig" Kontakt nach Darmstadt, weshalb er vor dem Anpfiff auch keinen Austausch via WhatsApp oder Telefon anstrebe: "Das macht keinen Sinn." Schuster freue sich dennoch auf die Partie: "Es ist schon etwas Spezielles. Man kennt viele Leute und hat großartige Erfolge miteinander gefeiert." Zu verschenken habe er mit Aue aber nichts: "In den 90 Minuten gibt es keine Sentimentalitäten. In diesen 90 Minuten wollen wir das bestmögliche Ergebnis erzielen."

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Schuster: "Stellen uns auf einen heißen Tanz ein"

Dirk Schuster erwartet ein heißes Duell gegen Ex-Klub Darmstadt.
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Als Aufstiegskandidat sieht der Coach seinen Klub aus dem Erzgebirge, trotz Rang vier mit drei Punkten Rückstand auf Tabellenführer Hamburger SV und einem spektakulärem 4:3 gegen den 1. FC Nürnberg im Rücken, aber nicht: "Für uns geht es einzig darum, die Klasse zu halten und im Erzgebirge weiterhin Zweitligafußball anzubieten." Der gesamte Verein sei "demütig und bodenständig genug", um die aktuelle Situation realistisch einzuschätzen.

Gelingt Schuster die nächste Überraschung?

Wohin diese Bescheidenheit führen kann, hat Schuster bereits vor viereinhalb Jahren bewiesen. "Für uns geht's ums Überleben in der Liga", sagte er als damaliger Coach der Darmstädter im Winter 2014, obwohl sich das Team in der Aufstiegsregion befand. Ein halbes Jahr später ließen die Lilien prominente Namen wie Karlsruhe, Kaiserslautern und Leipzig hinter sich. Möglicherweise kann Schuster mit Aue wieder einen richtigen Coup feiern - überraschend, still und heimlich.