Torsten Lieberknecht von Darmstadt 98

Obwohl zwei der besten Spieler weg sind, gehört Darmstadt 98 schon wieder zur Spitzengruppe der 2. Liga. Grund dafür ist das Improvisationstalent von Trainer Lieberknecht. Dieses ist auch im Topspiel gegen Heidenheim wieder gefragt.

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Müller: "Haben die Option, dass wir das umstellen können"

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Beim SV Darmstadt 98 machte sich am Montag ein Hauch von Freibad-Feeling breit. Nach zwei freien Tagen gönnte Lilien-Trainer Torsten Lieberknecht seinem Team eine sanfte Rückkehr in den Trainingsalltag und setzte bei der ersten Einheit der Woche auf Spaß statt Schwitzen.

Nach einer lockeren Stretching-Runde zu Beginn folgte ein Fußballtennis-Turnier, zwischendrin durften sich die Profis mehr oder weniger erfolgreich im Lattenschießen probieren. Die zahlreichen Fehlversuche wurden mit lautem Gelächter und hämischen Kommentaren garniert. Auf dem Weg in die Kabine gab es für die rund 20 anwesenden Fans Selfies und Autogramme. Kurzum: Die Laune in Südhessen ist schon wieder erstklassig.

Pfeiffer und Skarke weg - aber es fällt nicht auf

Ganz so entspannt, das ist klar, wird die Woche und die Vorbereitung auf das Zweitliga-Topspiel gegen den 1. FC Heidenheim am Samstag (13 Uhr) nicht weitergehen. Schon am Dienstag zog Trainer Lieberknecht das Tempo wieder deutlich an. Insgesamt fühlen sich die Lilien nach fünf Spieltagen mit vier Siegen als Tabellen-Zweiter aber pudelwohl. "Wir gehen mit Schwung in die neue Woche", fasste Innenverteidiger Jannik Müller die Darmstädter Gemütslage zusammen.

Umso erstaunlicher wird die aktuelle Erfolgsserie bei einem Blick auf den Kader. Mit Luca Pfeiffer verließ der talentierteste Stürmer und gemeinsam mit Phillip Tietz beste Torschütze den Verein, mit Tim Skarke folgte auch der gefährlichste Flügelflitzer dem Ruf der Bundesliga. Zwei Abgänge, die wehtaten und bislang – trotz der Verpflichtungen der beiden vielversprechenden Offensiv-Talente Oscar Vilhelmsson (18 Jahre) und Magnus Warming (22 Jahre) – nicht aufgefangen wurden. Aufgefallen sind die beiden Abgänge bislang jedoch auch nicht.

Es könnte noch ein Neuer kommen

Und das liegt vor allem an der neuen taktischen Flexibilität. Obwohl beim 2:1-Auswärtserfolg gegen den HSV am vergangenen Wochenende nicht ein Neuzugang in der Startelf stand und es im Laufe der kurzen Saison mit Verteidiger Christoph Zimmermann überhaupt nur ein Neuer in die Anfangsformation schaffte, sind die Lilien nicht wiederzuerkennen. Trainer Lieberknecht hat es geschafft, die Lücken mit internen Lösungen zu schließen und aus der Not eine Tugend gemacht.

Das in der vergangenen Saison praktizierte 4-4-2 mit einer Doppelsechs und viel Betrieb auf den Außenbahnen ist Vergangenheit, seit dem zweiten Spieltag agieren die Lilien im 3-5-2-System mit einer kompakten Dreierkette und dem neuen Abwehrchef Klaus Gjasula, den Schienenspielern Fabian Holland und Matthias Bader, drei zentralen Mittelfeldspielern und Braydon Manu in neuer Rolle als Teil einer Doppelspitze. Wo andere meckern und lautstark Verstärkungen suchen, wird in Darmstadt die Taktik ans Personal angepasst.

Dass auch diese Improvisations-Methode Erfolg haben kann, zeigt der derzeitige Tabellenplatz und die Leistungen. Dass der Kader vor allem in der Abteilung Attacke noch Alternativen vertragen könnte, ist den Darmstädter Machern dennoch bewusst. Bis zum Deadline Day am 1. September, das ist zu hören, könnte auf dem Transfermarkt noch etwas passieren. Gesucht wird vor allem ein Spieler für die zentrale Offensive. Ob dieser nun eher ein Brecher oder ein Mann für Läufe in die Tiefe sein soll, ist aktuell offen. Im Hintergrund wird aber fleißig gearbeitet. Ausgang: offen.

Abwehrchef gesucht

Bis es so weit ist und der Kader steht, wartet am Samstag aber noch das Duell gegen den Tabellen-Dritten aus Heidenheim. Und auch gegen die Schwaben muss Coach Lieberknecht wieder einmal in die Trickkiste greifen und die Defensive zum fünften Mal in sechs Spielen umstellen. Grund: Abwehrchef Gjasula flog gegen den HSV mit Gelb-Rot vom Platz und muss ersetzt werden.

Option eins: Lieberknecht bleibt beim bewährten System, muss dann aber einen neuen zentralen Mann finden. Option zwei: Die Rolle rückwärts zur Viererkette. "Wenn man Erfolg hat, fühlt man sich im bestehenden System wohler. Die Dreierkette haben wir gut gespielt", plädierte Müller am Dienstag für ein Festhalten am 3-5-2 und brachte sich selbst als Organisator ins Gespräch. "Ich traue mir diese Rolle zu, ich kann auch in der Mitte spielen."

Ob Lieberknecht den ehemaligen Dresdner Müller, der bislang eine starke Saison abliefert, wirklich nach innen zieht, bleibt abzuwarten. Dass die Lilien auch für diese Widrigkeit eine gute Lösung finden, würde aber ins Bild passen. Mit dem neu erfundenen Darmstadt 98 ist in dieser Spielzeit zu rechnen.

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