Die Darmstädter jubeln nach dem 1:0-Treffer in Hannover

Der SV Darmstadt 98 hat sich mit dem Sieg in Hannover ein kleines Polster auf die Abstiegsränge angefressen. Ohne die freundliche Mithilfe der Gastgeber und eine Regeländerung zur neuen Saison wäre das wohl gar nicht möglich gewesen.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Kempe: "Glück, dass der Schiri dazwischen war"

Lilien-Spieler Tobias Kempe applaudiert
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Regel ist Regel. Da kann man nichts machen. Dem geneigten Fußball-Fan tut es trotzdem in der Seele weh, dass dem Traumtor von Hannovers Marc Stendera gegen Darmstadt 98 am Montagabend nach Eingreifen des Video Assistant Referee (VAR) die Anerkennung verweigert wurde. Da zeigte selbst Lilien-Trainer Dimitrios Grammozis Mitgefühl. "Am Ende haben wir das Glück, dass das absolute Traumtor von Stendera nicht zählt. Natürlich ist das bitter für Hannover", sagte er nach dem zweiten Auswärtssieg der Saison. Aber des einen Pech ist des anderen Glück.

Mehlem ist's egal

Weil der Stendera-Hammer nicht zählte, gewannen die Lilien die Partie mit 2:1 (2:1). Es war erst der zweite Auswärtssieg in dieser Saison – nicht unverdient, aber mit Sicherheit kurios. Bereits in der 4. Minute, beim ersten Tor der Lilien, musste der mitgereiste Anhang einmal tief durchatmen. Marvin Mehlem wurde im 96-Strafraum schön angespielt, sein Abschluss landete aber nur deshalb im Tor, weil Pechvogel Waldemar Anton auf der Linie seine Füße nicht schnell genug sortiert bekam und den Ball eben dorthin schob: ins eigene Tor.

"Die Annahme gelingt mir gut, danach habe ich nicht mehr gesehen, was passiert ist. Hauptsache der Ball war drin", kommentierte Mehlem sein beinahe erstes Saisontor. Nach dem schnellen Ausgleich durch Genki Haraguchi (14.) schlug dann die Stunde von Tobias Kempe, der nach schöner Kombination tatsächlich sein erstes Saisontor markierte (29.). Die Pausenführung für die Darmstädter war verdient. Die Niedersachsen agierten im Angriff bieder und zeigten, warum sie noch immer auf den ersten Heimsieg der Saison warten.

Kein Lohn für Hannover

Marc Stendera greift sich an die Stirn und reißt die Augen auf

Das änderte sich allerdings nach der Pause. Haraguchi (50.), Hendrik Weydand (54.) und Marvin Duksch (55.) machten klar, auf welches Tor in der zweiten Halbzeit gespielt wird. "Hannover hat einen Gang hochgeschaltet, da waren wir auch etwas zu passiv", gab Grammozis zu. Der Lohn für die Gastgeber blieb zum Schluss wegen einer Regeländerung allerdings aus.

Die Entscheidung von Schiedsrichter Martin Thomsen das Traumtor von Stendera zum vermeintlichen 2:2 kurz vor Spielende nicht anzuerkennen, weil er selbst den Ball berührt hatte, ist korrekt. Der Schiedsrichter ist keine Luft mehr. Heißt: Anders als früher läuft die Partie seit dieser Saison nicht mehr weiter, wenn der Ball den Unparteiischen berührt und danach ins Tor geht, dadurch der Ballbesitz wechselt oder ein Angriff gestartet wird.

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"Werde nicht schlafen können"

Nach einem Flankenversuch von Haraguchi sprang der Ball von einem Darmstädter Fuß an den Rücken von Thomsen und von dort Stendera vor die Füße. Das Tor, das folgte, war nicht mehr von Belang. Es war irregulär. "Das passt natürlich zur aktuellen Situation", sagte Kenan Kocak nach seinem ersten Pflichtspiel als 96-Trainer.

Besonders bitter endete der Abend für den verhinderten Schützen zum 2:2. Ex-Eintracht-Profi Stendera war nach seinem Nicht-Treffer derart gefrustet, dass er die erste gelbe Karte direkt im Anschluss fürs Meckern und die zweite fürs Umtreten der Eckfahne einige Minuten später erhielt. "Es war ein schönes Tor, aber zu unserem Glück hat es nicht gezählt", sagte Kempe nach dem Abpfiff. Die drei Punkte täten den Lilien extrem gut, die ganze Aufregung zum Schluss bräuchte es aber nicht nochmal. "Ich werde heute sicher nicht schlafen können", fasste es Kempe zusammen. Man hätte mal Marc Stendera fragen sollen.

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HANNOVER 96 - DARMSTADT 98 1:2 (1:2)

Hannover: Zieler - Jung (84. Stendera), Anton, Felipe, Albornoz - Bakalorz, Prib (58. Hansson) - Haraguchi, Muslija (68. Maina) - Weydandt, Ducksch 

Darmstadt: Schuhen - Herrmann, Dumic, Höhn, Holland - Palsson, Paik (46. Stark) - Mehlem, Kempe (80. Heller), Skarke (70. Honsak) - Dursun 

Tore: 0:1 Anton (4./ET), 1:1 Haraguchi (14.), 1:2 Kempe (29.)

Gelbe Karten: Felipe, Prib, Ducksch, Stendera - Holland, Skarke 
Gelb Rot: Stendera (90.)

Schiedsrichter: Thomson (Kleve)
Zuschauer: 22.100

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