Marvin Mehlem

Ein Pokalspiel, zwei Kellerduelle, drei Top-Gegner: Der SV Darmstadt 98 steht vor einer sportlich extrem richtungsweisenden Adventszeit. Schon beim Heimspiel gegen Eintracht Braunschweig am Freitag ist der Druck groß.

Am 1. November schien die Welt beim SV Darmstadt 98 noch in Ordnung. Ein Last-Minute-Sieg beim Karlsruher SC brachte die Lilien in die Nähe der Zweitliga-Spitzengruppe, mit neun Punkten aus sechs Partien war der Start in die Saison durchaus geglückt. Doch bereits zu diesem Zeitpunkt wurde bei allem Offensivdrang mit zwölf Toren deutlich: Die Defensive wackelt bedenklich.

Zweitschlechteste Defensive der Liga

Während vorne in den vergangenen zwei Partien kein Treffer hinzukam, wuchs die Anzahl der Gegentore von elf auf 18. Nur das Tabellenschlusslicht aus Würzburg kassierte noch ein Tor mehr. Nach den klaren Niederlagen gegen Paderborn und Aue belegt das Team nun Rang 14, der 16. Platz ist nur noch einen Zähler entfernt. Am Freitag (18.30 Uhr) kommt es zum Schlüsselspiel gegen Eintracht Braunschweig, das eben diesen Relegationsrang belegt.

Es ist der Auftakt zu den Wochen der Wahrheit, das Programm der 98er bis Weihnachten ist kernig und fordernd. Nach dem Auftritt gegen Braunschweig folgen die Duelle mit Bundesliga-Absteiger Fortuna Düsseldorf sowie bei den beiden Spitzenteams Hamburg und Fürth. Zum Jahresabschluss in der 2. Liga reist dann das bisherige Tabellenschlusslicht aus Würzburg ans Böllenfalltor, zudem steht kurz vor Heiligabend noch das Pokalspiel in Dresden auf dem Programm.

Schuhen nimmt Mannschaft in die Pflicht

Wie all das angesichts der aktuellen Form gutgehen soll? Torhüter Marcel Schuhen sieht noch keinen Grund, Alarm zu schlagen: "Es hat in den sechs Spielen davor gut funktioniert, da waren wir immer die bessere Mannschaft. Die Idee, wie wir spielen, ist die richtige."

Der Schlussmann nimmt aber sich und seine Mitspieler in die Pflicht: "Jeder muss sich hinterfragen: Was muss ich dafür tun, dass wir weniger Gegentore bekommen und vorne wieder mehr schießen? Wenn wir das kombinieren, dann gewinnen wir wieder unsere Spiele."

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Lilien kassieren die nächste Niederlage

Frust beim SV Darmstadt 98 gegen den FC Erzgebirge Aue
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Auch Trainer Markus Anfang wird in seinen Aussagen fordernder, Panik verbreiten ist allerdings nicht angesagt. "Die Liga ist sehr eng. Wir müssen Stabilität in unser Spiel bekommen und nicht mehr so viele individuelle Fehler machen, die den Gegner zu Toren einladen", so Anfang in einer Medienrunde am Mittwoch. "Dann schaffen wir auch gute Ergebnisse und einen Sprung nach oben."

Nicht dabei mithelfen kann vorerst Mittelfeldspieler Victor Pálsson. Der Isländer hat sich bei der Nationalelf eine Verletzung an der Hand zugezogen. "Bei einer Untersuchung kam heraus, dass er sich eine Sehne im Finger abgerissen hat. Eine Operation ist unumgänglich, er wird uns sechs Wochen fehlen", sagte Anfang.

"Eckpfeiler" Pálsson fehlt, Holland-Rückkehr offen

Auch ob Kapitän Fabian Holland mittun kann, ist nach gerade überstandener Corona-Infektion noch unklar. "Wir müssen wir gucken, wie er auf die Belastung reagiert. Wir müssen vorsichtig sein", so Anfang.

Das ist insbesondere deshalb bitter, weil sich Anfang gerade von so erfahrenen Spielern wie Pálsson und Holland einen stabilisierenden Effekt auf die vielen jungen Profis im Kader verspricht. "Man braucht Eckpfeiler auf dem Platz. Die auch mal in Druck- und Stresssituationen Verantwortung übernehmen und die jungen Spieler führen", so Anfang, der aber zeitgleich auch um Verständnis warb.

Anfang: "Junge Spieler machen ab und zu einen Fehler"

"Wir müssen aber auch akzeptieren, dass junge Spieler ab und zu einen Fehler machen." Zumindest bei Holland darf Anfang auf die Rückkehr von einem dieser Eckpfeiler hoffen. Der 30-Jährige kann und soll dabei helfen, an den richtigen Stellschrauben zu drehen.

Ansonsten könnte es in Darmstadt für Trainer Anfang und Co. schon bald deutlich frostiger werden. Übrigens: Der KSC, der nach der Last-Minute-Niederlage gegen die Lilien vier Punkte auf dem Konto hatte, hat die Südhessen in der Tabelle inzwischen überholt.