Darmstädter Enttäuschung nach dem 1:3 in Nürnberg

Das war ein Niederschlag. Der SV Darmstadt 98 hat sich beim Aufstiegs-Konkurrenten Nürnberg eine herbe Niederlage eingefangen. Es gibt viele Gründe, frustriert zu sein. Aber auch einige, doch noch an den Aufstieg zu glauben.

Videobeitrag

Video

Highlights: Nürnberg - Darmstadt

Bundesliga-Highlights
Ende des Videobeitrags

Lilien-Stürmer Phillip Tietz schlug die Hände vor das Gesicht, während die siegreichen Nürnberger Spieler am anderen Ende des Platzes mit ihren Fans feierten. Abwehrspieler Lasse Sobiech stemmte die Hände in die Hüften und starrte mit leerem Blick vor sich hin. Wieder andere Darmstädter Spieler sanken entkräftet auf den Rasen oder trotteten mit gesenktem Haupt in die Kabine. Der Frust nach der unglücklichen 1:3-Niederlage beim FCN war am Samstag überall spürbar.

Audiobeitrag

Audio

Lilien patzen im Aufstiegsrennen

Bittere Niederlage in Nürnberg
Ende des Audiobeitrags

Der Frust war auch deshalb so groß, weil die Lilien - gemessen an den Spielanteilen - eigentlich ein Unentschieden in Nürnberg verdient gehabt hätten. Doch die Darmstädter wussten auch, dass sie viele, entscheidende Fehler gemacht hatten. "Das ist wirklich extrem bitter, wenn du über den Größen-Unterschied redest und dann zwei Standard-Gegentore kriegst", sagte Kapitän Fabian Holland. Das Problem mit den Standards ziehe sich durch die ganze Saison.

Hochklassiges Spiel, viele Fehler

Fußball paradox: Da hatte Darmstadt 98 mit den zwei 1,96-Meter-Riesen Lasse Sobiech und Patric Pfeiffer in der Innenverteidigung eigentlich einen klaren Höhenvorteil. Zudem eilten bei gegnerischen Ecken oder Freistößen stets auch die Sturm-Riesen Aaron Seydel (1,99 Meter) und Luca Pfeiffer (1,95 Meter) nach hinten und trotzdem bekamen die Lilien die Sache mit den Kopfbällen nicht in den Griff. "Das waren extrem dumme Gegentore", wusste auch Pfeiffer.

Die nur 1,71 Meter und 1,80 Meter großen Nürnberger Nikola Dovedan und Lukas Schleicher köpften gegen die Darmstädter Riesen jeweils ein Tor. Was Dovedan zu seinem Kopfball-Tor nach dem Spiel sagte, sollten sich die Darmstädter gut merken: "Wichtig ist das Timing beim Einlaufen und dass Du im richtigen Augenblick hochspringst."

Darmstädter Kopfball-Frust: zwei Gegentore nach Standards

Die Gegentor-Szenen werden sich die Darmstädter Profis während der Woche im Video-Studium noch mehrmals ansehen. Als Vorbereitung auf das nächste Spitzenspiel am kommenden Sonntag gegen den neuen Tabellenführer Schalke 04 (13.30 Uhr). Kapitän Holland: "Das müssen wir uns wirklich noch mal angucken, was da schiefgelaufen ist. Wir werden daran arbeiten und versuchen, es besser zu machen."

Schuhen und Seydel verletzt

Aber die Darmstädter haben auch ein Torwart-Problem. Zum einen sah Lilien-Keeper Marcel Schuhen beim Nürnberger 1:0-Führungstreffer ziemlich unglücklich aus: Der Ball kam links unten auf das Darmstädter Tor, prallte an die Hand von Schuhen, von da an den Pfosten und ins Tor. Haltbar. Zum anderen hat Schuhen nun gesundheitliche Probleme.

Nach 66 Minuten musste er mit einer Oberschenkelverletzung raus. Weitere Untersuchungen stehen ebenso aus wie die Antwort auf die Frage, ob er gegen Schalke spielen kann. Auch Stürmer Seydel ist für das Spitzenspiel fraglich. Der Angreifer musste in Nürnberg schon zur Pause mit einer Wadenverletzung raus.

Optimistischer Blick auf das Spitzenspiel gegen Schalke

Der Darmstädter Frust ist in ein oder zwei Tagen abgehakt. Dann ist der Blick frei auf die kommenden Wochen und vor allem das nächste Spiel gegen Schalke. In der Tabelle ist nicht wirklich etwas schlimmes passiert. Denn auch die direkte Konkurrenz wie St. Pauli und Werder Bremen hat sich beim 1:1 im Nord-Duell gegenseitig Punkte abgenommen. So stehen die Lilien als Tabellen-Vierter nur zwei Punkte hinter dem Tabellenführer aus Gelsenkirchen.

Die Darmstädter müssen dringend ihre Anfälligkeit bei gegnerischen Standards abstellen, die Leistung und die Zahlen stimmen aber. Die Lilien haben vor allem offensiv - trotz der Niederlage - stark gespielt. Mehr Torschüsse, wesentlich mehr gespielte Pässe, mehr Ballbesitz gegen Nürnberg, Zahlen, die das untermauern. Das betont auch Berufs-Optimist Torsten Lieberknecht: "Der Auftritt gibt viel Mut für das, was kommt." Lieberknecht wird seine Lilien bis zum Sonntag mental wieder fit machen.

Was kommt ist allerdings ein dicker Brocken. Schalke 04 ist die Mannschaft der Stunde in der zweiten Liga. Zuletzt holten die Königsblauen vier Siege hintereinander, die letzten drei davon unter dem neuen Trainer Mike Büskens. Doch im eigenen Stadion ist für die Lilien am kommenden Sonntag auch gegen die Schalker Überflieger etwas drin. Wenn sie denn ihre Standard-Schläfrigkeit während der Woche in den Griff bekommen.

Weitere Informationen Ende der weiteren Informationen