Jubel beim SV Darmstadt 98 im Spiel gegen Braunschweig

Nach deftigen Pleiten hat der SV Darmstadt 98 endlich wieder ein sportliches Zeichen gesetzt. Das Rezept dazu: Kaltschnäuzigkeit und ein paar taktische Kniffe. Nur: Reicht das auch für die kommenden Aufgaben?

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Darmstadt 98 schießt sich den Frust von der Seele

Jubel beim SV Darmstadt 98
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Es war, das wird in Darmstadt niemand bestreiten, Druck auf dem Kessel. Und zwar reichlich. 0:3 in Aue, davor ein klägliches 0:4 daheim gegen Paderborn - die Lilien steckten vor dem vergangenen Wochenende knietief im November-Blues. Bis zum Freitagabend. Da ballerten sich die Südhessen beim 4:0-Heimerfolg gegen Eintracht Braunschweig ordentlich den Frust von der Seele. Die Frage, die sich nach diesem deutlichen Sieg aber stellt, ist auch klar: War das nun endlich die ersehnte Lilien-Wende - oder nur ein laues Lüftchen?

Es gibt für beide Perspektiven Aspekte, die dafür und die dagegen sprechen. Der deutliche Erfolg gegen Braunschweig war, das wird auch bei den Lilien intern so betrachtet, vom Spielverlauf nicht ganz so weit vom der Niederlage in Aue entfernt, wie das auf den ersten Blick wirkt. Einmal ein 0:3, einmal ein 4:0 - und doch mit Parallelen.

Gegen Braunschweig jeder Schuss ein Treffer

Die Lilien spielten in Aue besonders in der ersten Hälfte phasenweise mehr als ordentlichen Fußball, kamen dadurch zu mehreren guten Möglichkeiten, hätte eigentlich auch führen können. Alleine ein Tor wollte partout nicht dabei rumspringen. Individuelle Fehler in der Defensive machten den Südhessen dann endgültig einen Strich durch die Rechnung.

Ganz anders gegen Braunschweig. Da war - salopp gesagt - jeder Schuss ein Treffer. Dem verunsicherten Gegner war somit schnell der Zahn gezogen. Zudem ließ das Team von Trainer Markus Anfang endlich einmal in der Abwehr so gut wie nichts zu. Das war dann doch etwas Neues - hatte aber auch mit einem taktischen Kniff zu tun.

"Das hat uns gut getan"

"Wir haben gegen den Ball mit einer Dreier- und mit dem Ball mit einer Viererkette gespielt", verrät Fabian Schnellhardt am Dienstag die Systemumstellung der Lilien. Vorher war das System von Coach Anfang in Stein gemeißelt: Vor der Viererkette agierte ein Sechser, weiter davor zwei Kreativposten. "Dieses Mal hatten wir teilweise fünf zentrale Mittelfeldspieler. Das hat uns gut getan, dass wir variabel waren", so Schnellhardt.

Verteidiger Nicolai Rapp rückte situativ immer wieder an die Seite von Schnellhardt, der zuvor gegen Aue noch alleine die Sechser-Position ausfüllte. Ein taktischer Kniff, der Wirkung zeigte und Stabilität brachte - zumindest gegen Braunschweig. Aber auch gegen andere Gegner? Gegen Düsseldorf am Freitag (18.30 Uhr) müssen die Südhessen nun jedenfalls beweisen, dass der Erfolg exakt eine Woche vorher keine Eintagsfliege war.

Düsseldorf wird der Maßstab sein

Genau darin liegt jedoch die Krux. Verfallen die Lilien in alte Muster, vergeben sie gegen die Fortuna wieder zu viele einfache Chancen und hat der Fehlerteufel in der Viererkette erneut einen Stammplatz, bleibt der deutliche Sieg gegen die Eintracht nur ein Zwischenhoch. Fußball ist ein Fehlerspiel, so simpel ist das eben auch bei den Lilien. Egal ob das nun die Defensive oder die Offensive betrifft.

Schnellhardt betont zumindest: "Es war wichtig, dass wir gegen Braunschweig eine Reaktion gezeigt haben." Das stimmt ohne Frage. Eine echte Kehrtwende wäre es für die Darmstädter aber erst bei einem weiteren Erfolg in Düsseldorf. Dann wäre der Druck wirklich weg vom Kessel.