SV Darmstadt 98 Jubel Sandhausen

Es war wie verhext. Eigentlich folgte beim SV Darmstadt 98 auf ein gutes Heimspiel immer eine ernüchternde Auswärtspartie. Nicht so am Sonntag. In Sandhausen platzte endlich der Knoten in der Fremde. Der Grund dafür: eine besondere Halbzeit-Ansprache.

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Torsten Lieberknecht neigt nicht zu Gefühlsaubrüchen. Der Trainer des SV Darmstadt 98 bleibt in der Regel gerne sachlich - auch im Erfolg. Nach dem 6:1-Auswärtserfolg seiner Lilien am Sonntag musste der Coach erst zum Feiern in der Fankurve überzeugt werden und blieb auch am Mikrofon betont nüchtern. Ausgelassene Freude? Jubel, Trubel, Heiterkeit? Nein, Lieberknecht blickte auch darauf, was nicht perfekt lief. "Wenn man die erste Halbzeit gesehen hat, war es nicht so, dass man sagen kann, dass das Spiel 6:1 ausgeht." Womit er recht hatte. Der Kniff lag in einer Halbzeit-Umstellung, die die Gastgeber aus Sandhausen völlig überforderte.

"In der Halbzeit war es wichtig, ein paar Dinge ruhig anzusprechen und den Jungs taktisch ein paar Dinge mitzugeben, die sie verändern sollen", verriet Lieberknecht nach dem Spiel. In der ersten Hälfte war es eine ausgeglichene Partie, die Lilien führten zwar mit 2:1, waren in der Defensive aber einerseits nicht ganz sattelfest und verfielen andererseits in der Offensive zu oft in Hektik. Vieles blieb Stückwerk. "Die Sicherheit war zu Beginn nicht da", fasste es Lieberknecht richtig zusammen.

"Das haben die Jungs als Schlüssel gesehen"

Dass die Südhessen eine derart entfesselte zweite Hälfte spielen würden, war nach dem Pausenpfiff demensprechend mitnichten abzusehen. Aber Lierknecht nutzte die Pause für ein paar Feinjustierungen. "Wir haben gesagt: Es gibt auch den einfachen Weg, zum Tor zu kommen. Das haben die Jungs dann als Schlüssel gesehen."

Gesagt, getan. Keine Vierstelstunde nach Wiederanpfiff war aus dem knappen 2:1 ein beeindruckendes 5:1 geworden. Schnell und schnörkellos ging es nun vor das SVS-Tor, Umwege legten die 98er keine mehr ein. Die Lilien überrollten den Gegner aus der Kurpfalz dermaßen, dass im beschaulichen Stadion im Hardtwald im Anschluss 1.000 Lilien-Fans in Feierstimmung waren und der Rest der Zuschauer zu einem gepflegten Pfeifkonzert und Unmutsbekundungen überging.

Am Ende wurde es ein perfekter Tag

Gegenwehr gab es fortan keine mehr, die Südhessen konnten tun und lassen, was sie wollten. Im Laufe der zweiten Hälfte fiel dann gar noch der sechste Lilien-Treffer. Ein perfekter Tag aus Darmstädter Sicht. "Man merkt die Losgelöstheit meiner Jungs, dass sie das heute für sich erarbeitet haben", sagte Lieberknecht.

Hatten die 98er zuvor noch kein Auswärts-Spiel in der laufenden Saison gewonnen und viele relativ unglücklich verloren, war diese Misere nach der Partie schnell vergessen. Was 45 perfekte Minuten im Fußball nicht alles auslösen können.