Bei Darmstadt 98 grätscht Trainer Markus Anfang noch selber. Derweil hat sein Spieler Fabian Schnellhardt im Duell der Spitznamen das Nachsehen - was künftig auch für die Gegner der Lilien gelten soll.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Fabian Schnellhardt: "Mannschaften von Markus Anfang waren immer unangenehm"

Fabian Schnellhardt Tor gegen Fürth
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Wenn der neue Darmstädter Trainer Markus Anfang ein kerniges "Schnelle" über den Trainingsplatz brüllt, weiß gleich jeder, wer gemeint ist: Mittelfeldspieler Fabian Schnellhardt. Den Spitznamen "Fabi" hätte Schnellhardt auch gut gefunden, doch da hatte Lilien-Kapitän Fabian Holland eindeutig die älteren Rechte. Eines wird schnell klar, wenn man der Mannschaft von Darmstadt 98 beim Training zuguckt: Dieses Team hat Spaß und die nötige Motivation.

"Man sieht, dass jeder topmotiviert ist, wieder Bock auf die neue Saison hat", sagt Schnellhardt. Und die Hoffnung ist da bei den Lilien, dass nach dem starken fünften Platz in der abgelaufenen Saison auch in der neuen Spielzeit etwas möglich ist.

Das System Anfang: unangenehm und mutig

Unter Trainer Anfang spielt Schnellhardt zum ersten Mal. Und er ist ein stückweit froh, dass er Anfang jetzt auf seiner Seite hat: "Ich habe oft genug gegen die Mannschaften vom Trainer (Holstein Kiel, 1. FC Köln; d. Red.) gespielt, und es war eigentlich immer unangenehm. Ich hoffe, dass die anderen Mannschaften das dann bald auch über uns sagen."

Schnellhardt schwärmt regelrecht vom System Anfang: "Wir werden ballsicher und sehr flexibel spielen. Und wir wollen mutig spielen, das haben die Mannschaften von ihm immer gemacht, auch, dass wir uns, auch wenn es mal enger wird, spielerisch befreien, all das müssen wir reinkriegen." Viel Arbeit also noch bis zum Saisonstart Mitte September. Doch das Ziel hat Schnellhardt klar vor Augen: "Wenn man gut und mutig spielt, dann belohnt man sich früher oder später definitiv mit den Ergebnissen."

Schnellhardt als Corona-Pausen-Gewinnler

Nach dem Wechsel vom MSV Duisburg vor einem Jahr lief es für Schnellhardt in Darmstadt zunächst alles andere als gut. Den Sprung in die Stammelf schaffte er nicht, nach einem Muskelfaserriss im vergangenen Herbst drohte er den Anschluss zu verpassen. "Natürlich war ich unzufrieden. Es ist wirklich schwierig, mit so einer Situation umzugehen, weil ich bei meinen früheren Vereinen immer Stammspieler war."

Die Wende kam in der Corona-Pause. Das individuelle Fitness-Training in der Zwangs-Unterbrechung hat dem 26-Jährigen gut getan. Auf einmal war er in der Mannschaft. Der ehemalige Juniorennationalspieler zeigte, dass er einer der technisch besten Spieler der zweiten Liga ist. Dazu kamen jeweils ein Tor gegen Fürth und Hannover.

Auf einmal war auch das Selbstbewusstsein wieder da. Und Schnellhardt spürte die Rückendeckung im Verein. "Vor allem für Spieler wie mich, die über das Fußballerische kommen, ist es natürlich extrem wichtig zu wissen: Man kann auch mal einen Fehler machen, ohne gleich dafür bestraft zu werden."

Die zweite Liga als unbekanntes Erfolgs-Objekt

Zu einer konkreten Saisonprognose wollte sich der Ex-Duisburger nicht überreden lassen. Nach dem fünften Tabellenplatz sind die Erwartungen für die kommende Spielzeit nicht klein. Doch Schnellhardt warnt: "Die zweite Liga ist unberechenbar. Das sieht man schon an uns selbst. In der Hinrunde waren wir irgendwann auf einem Abstiegsplatz und am Ende dann auf Platz fünf. Nach den ersten acht oder neun Spielen der neuen Saison kann man dann vielleicht mal über eine Tendenz sprechen, aber selbst das ist schwer."

Das Teamziel ist das eine, das persönliche Ziel das andere: Schnellhardt will sich wieder seinen Stammplatz erobern. Drei Mittelfeldplätze sind im System von Trainer Anfang vorgesehen, einer im zentralen und zwei im offensiven Mittelfeld. Der Andrang ist groß. Seung-ho Paik, Tobias Kempe, Marvin Mehlem und andere wollen ebenfalls ihre Einsatzzeiten.

Mehr Verantwortung für Schnellhardt?

Ob er in der jünger gewordenen Darmstädter Mannschaft nun mehr Verantwortung übernehmen wolle? "Es macht ja keinen Sinn, dass ich hier groß einen erzähle und am Ende auf der Bank sitze. Das hängt einfach auch von den Einsatzzeiten ab", sagt er mit einem Schmunzeln. Außerdem habe man genügend Führungsspieler in der Mannschaft. Ob Fabian Holland auch unter Anfang Kapitän bleibt, ist aktuell noch nicht klar.

Doch erst einmal muss sich die Mannschaft das Fußball-System Anfang draufschaffen, damit sie in der kommenden Spielzeit - wie gewünscht - für die Gegner maximal unangenehm auftreten kann. Wie sich Anfang das vorstellt, zeigt er durchaus auch selbst im Training. Wenn der ehemalige Mittelfeldspieler im 5 gegen 2 die Grätsche auspackt, legen Schnellhardt und seine Mannschaftskollegen gleich mal die Ohren an.