Markus Anfang SV Darmstadt 98

Seit einem Monat stellt Markus Anfang den SV Darmstadt 98 auf seine Spielidee ein. Und die heißt: viele Aufgaben, aber auch viele Lösungen. Zudem soll das Prinzip "wilde Sau" nicht zu kurz kommen.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Markus Anfang: "Müssen schauen, wie die Jungs reagieren"

Lilien-Trainer Markus Anfang im Stadion am Böllenfalltor
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Zwei Monate ist es her, da durfte sich Markus Anfang das erste Mal ganz offiziell Trainer des SV Darmstadt 98 nennen. Und nur einen Monat ist es nun her, da stand der 46-Jährige das erste Mal mit seiner neuen Mannschaft auf dem Trainingsplatz der Lilien. Anfang, das wird rund um das Böllenfalltor immer klarer, ist angekommen in Südhessen. Nur: Wie viel seiner Spielidee konnte er denn schon seinen neuen Schützlingen vermitteln?

Es ist eine Frage, die der Ex-Profi nicht so gerne hört. Es gehe hier nicht um ihn, sondern um den SV Darmstadt 98, ist seine Antwort. Damit hat der ehemalige Kölner sicher recht. Dennoch bedeutet jeder Trainerwechsel auch immer einen Richtungswechsel. Für die Spieler, für den Verein. Was also will Anfang genau von seinen Lilien-Kickern?

"Umschalten erlaubt - abschalten nicht"

"Jeder Trainer hat seine Art Fußball zu spielen. Jeder hat neue Impulse", weiß auch der neue Coach der Südhessen - und wird dann doch genauer: "Wenn man dem Spieler für eine bestimmte Situation nur eine Lösung mitgibt, kann er auch nur eine spielen. Gibst du ihm mehr mit, ist er flexibler."

Was er damit meint: "Jeder Spieler braucht Bilder im Kopf, den perfekten Ablauf. Das gibt Sicherheit. Damit kannst du Selbstvertrauen aufbauen." Dabei geht es Anfang aber nicht nur um eigene Ball-, sprich Offensivaktionen. Auch wenn Tobias Kempe und Co. nicht die Kugel am Fuß haben, hat der neue Trainer einen Plan für seine Truppe.

"Es stimmt, dass wir den Anspruch haben, dass jeder Spieler in jeder Situation eine Aufgabe hat. Dadurch schalten sie auch im Spiel nicht ab. Umschalten ist erlaubt - abschalten nicht." Kurz gefasst: Bei Ballverlusten fordert Anfang von jedem Spieler ein klares, vorgegebenes Verhalten. Alle arbeiten direkt gegen den Ball - ohne Ausnahme. So soll das Spielgerät direkt wieder an die Darmstädter gehen.

Vielleicht zu viele Einflüsse?

Generell, das ist gut durchzuhören, heißt es bei Anfangs Spielidee: Viel hilft viel. Die Gefahr bei so einer Herangehensweise ist freilich, dass die Spieler überfordert werden könnten. Zu viele Informationen, zu viele Einflüsse. Manch einen hemmt das. Ein Problem, das auch Anfang bewusst ist. "Man darf es nicht verkomplizieren. Viel mitgeben heißt nicht, dass es auch viel bringt", so der 46-Jährige.

Das bedeutet zum Beispiel, dass er seinen Offensiv-Künstlern wie Kempe, Marvin Mehlem oder Tim Skarke nicht alles vorschreiben will. "Wenn sie die Räume so besetzen, wie sie es sollen, dürfen sie in diesen Räumen auch wilde Sau spielen", erklärt Anfang. "Ich diktiere keinem auf, wie er Fußball spielen soll – wo er ihn spielen soll aber schon. Nur im Raum dürfen sie machen, wie sie es wollen."

Noch ganz am Anfang

Der Anfang-Fußball, so langsam wird er deutlicher in Südhessen. Dabei sind die Lilien freilich noch ganz am Anfang der Entwicklung. Der Name ist hier (noch) Programm. Die Umstellungen werden Zeit brauchen, bis sie allen in Fleisch und Blut übergegangen sind.

Anfangs Arbeit nimmt also gerade erst richtig Fahrt auf. "Es ist gefährlich, wenn ein Trainer sagt, er wäre zufrieden. Das würde ja bedeuten, dass wir angekommen sind", betont der Lilien-Coach: "Und das ist noch nicht der Fall."