Torsten Lieberknecht

17 Spiele, 32 Punkte, Tabellenplatz zwei: Hinter dem SV Darmstadt 98 liegt eine sensationelle Hinrunde. Die positive Entwicklung hat gute Gründe - und könnte ihren Ursprung ausgerechnet im schweren Saisonstart haben.

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Darmstadt 98 gewinnt beim SC Paderborn

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Hätte man Menschen rund um den SV Darmstadt 98 Ende Juli gesagt, wo ihre Mannschaft nach der Hinrunde stehen würde, man hätte wohl lediglich Kopfschütteln geerntet. Der Umbruch im Sommer war noch nicht lang her, die Saison sollte gerade beginnen, da legten satte sieben Corona-Fälle die Lilien lahm. Im Pokal gab es mit einer Rumpfelf das Aus gegen Drittligist 1860 München, in der Liga starteten die Hessen mit zwei Pleiten. Bonjour, Tristesse, schien das Motto.

Davon ist nach 17 Spieltagen nichts mehr zu spüren, ganz im Gegenteil. Mit dem 1:0-Sieg beim SC Paderborn fuhren die Lilien die Punkte 30 bis 32 ein, festigten den zweiten Tabellenplatz und untermauerten ihren Ruf als ernstzunehmender Aufstiegsaspirant. Auch wenn das böse A-Wort bei den Lilien nach wie vor gemieden wird. "Losgelöst vom Tabellenplatz ist die Freude sehr groß. Wir schreiben gerade eine Geschichte, die mit der Herausforderung Corona extrem anfing. Dann haben sich die Jungs gefunden", sagte Trainer Torsten Lieberknecht nach dem Spiel lapidar.

"Von uns erwarte ich, dass wir ein ekliger Gegner sind"

Beim Mit-Aufstiegskandidaten Paderborn reichte am Ende ein Kopfballtor nach Standard, um zu gewinnen. Und natürlich die Mentalität. "Wir hatten eine gute Struktur, haben eine richtig gute Mentalität gezeigt. Das war grandios. Wir haben das Quäntchen Glück auf unsere Seite gezogen", so Lieberknecht. Auch Kapitän Fabian Holland sagte: "Die Mentalität war der Hauptgrund, dass wir heute den Sieg geholt haben."

Und sie ist der Hauptgrund, warum man bei den Lilien überhaupt eine so positive Hinrundenbilanz ziehen kann. Denn Lieberknecht hat es geschafft, seiner Mannschaft die Ur-Lilien-Tugenden wieder einzuimpfen: Leidenschaft, Mentalität, Galligkeit. Gegen den SV Darmstadt 98 zu spielen, tut wieder weh, es ist anstrengend, es schmerzt. Ob er einen ekligen Gegner erwarte, wurde Lieberknecht vor dem Spiel in Paderborn gefragt. "Ja klar, von uns erwarte ich, dass wir ein ekliger Gegner sind", lachte der Trainer. Und sein Team enttäuschte ihn nicht.

"Das hat das Team sehr zusammengeschweißt"

Wie ohnehin ja selten in diese Hinrunde, in der die Mannschaft oft genug wirklich als Mannschaft auf dem Platz steht, füreinander die Meter macht und die Spiele im Verbund gewinnt. Und möglicherweise war es der schwierige Saisonstart, der sich in dieser Hinsicht noch als Vorteil erweisen könnte. "Wir sind mit Corona in die Saison gestartet, brauchten jeden Mann. Das hat das Team sehr zusammengeschweißt", sagte Kreativspieler Marvin Mehlem schon im November. Holland sagte nach dem Spiel in Paderborn: "Die ersten Wochen waren ziemlich schwer für uns, aber gerade dadurch sind wir viel schneller zusammengewachsen. Das merkt man Woche für Woche auf dem Platz."

Und dann wären da ja noch die beiden Top-Stürmer Luca Pfeiffer und Philipp Tietz, die vor der Saison allerhöchstens ausgewiesene Experten auf der Rechnung hatten. "Ich freue mich für Serdar, er hat eine tolle Saison gespielt. Aber ich mache mir keinen Druck. Es geht darum, als Team die Tore zu erzielen", sagte Tietz bei seiner Ankunft im Sommer angesichts der Mammutaufgabe, 28 Dursun-Tore aus der Vorsaison vergessen zu machen. Nach der Hinrunde steht das Sturmduo Pfeiffer / Tietz bei bereits 24 Treffern.

Pfeiffer mit Wunde ausgewechselt

Jener Pfeiffer musste gegen Paderborn mit einer blutenden Wunde am Knöchel vom Platz, ob er für das erste beiden Rückrundenspiel gegen Regensburg am kommenden Sonntag bereitsteht, bleibt abzuwarten. Ein Einsatz Pfeiffers würde in jedem Falle die Chancen steigern, aus dem positiven Hinrundenabschluss auch einen positiven Jahresabschluss zu machen.