Philipp Tietz

Beim SV Darmstadt 98 will Neuzugang Phillip Tietz richtig durchstarten. Dabei könnte ihm helfen, dass er den neuen Trainer Torsten Lieberknecht schon kennt – vom Kicken auf der Straße.

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hs Lieberknecht
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Es macht nicht unbedingt den Eindruck, als würde Darmstadts neuer Stürmer Phillip Tietz übermäßig mit seiner neuen Arbeitsumgebung fremdeln. Gut gelaunt präsentierte sich Tietz am Montag in einer virtuellen Presserunde, die Woche sei schön und anstrengend zugleich gewesen, er habe sich gut eingelebt und sei gut aufgenommen worden, so ein bestens gelaunter Tietz, der lachend anfügt: "Es wird einem hier nie langweilig."

Der Mann hat gut lachen, könnte man meinen, denn wo andere Neuzugänge ihren Platz im Team erst finden müssen, trifft Tietz, frisch vom SV Wehen Wiesbaden verpflichtet, gleich auf zwei gute, alte Bekannte. Mit Trainer Torsten Lieberknecht verbindet Tietz dabei eine ganz besondere Geschichte.

"Er hat mich auf der Straße kicken sehen"

So war es Lieberknecht anno 2016, der Tietz bei Eintracht Braunschweig zum Profidebüt und -Durchbruch verhalf. Das Besondere dabei: Lieberknecht konnte sich zuvor hautnah ein Bild von Tietz machen – auf der Straße des Dörfchens Schwülper bei Braunschweig, wo Lieberknecht im Haus gegenüber der Familie Tietz wohnte. "Er hat mich auf der Straße kicken sehen. Dort habe ich immer mit meinem Vater gespielt, für den hat es leider nicht zum Profivertrag gereicht", lacht Tietz.

Ein echter Straßenkicker also, über den Lieberknecht anlässlich des Debüts damals sagte: "Ich konnte ihn quasi täglich auf der Straße mit seinem Vater kicken sehen und wie er sich entwickelt hat. Der Vater hat Pylonen auf der Straße aufgestellt und Phillip hat dann auf dem Asphalt seine Dribblings angesetzt." Von der Straße ging es in die Jugend Braunschweigs, aus der Lieberknecht Tietz zu den Profis holte. Nun also das Wiedersehen, es gibt sicherlich schlechtere Voraussetzungen für eine fruchtbare Zusammenarbeit.

"Marvin Mehlem ist mein bester Kumpel"

Zumal sich Tietz seither die nötige Wettkampfhärte geholt und mit dem A-Jugendlichen von damals nicht mehr viel gemein hat. Braunschweig, Paderborn, Jena, zuletzt der SVWW – Tietz ist trotz seines jungen Alters schon gut herumgekommen. Und er lernte auf dem Weg einen weiteren Vertrauten kennen, der ihm die Eingewöhnung bei den Lilien nun erheblich erleichtern dürfte. "Marvin Mehlem ist mein bester Kumpel", so Tietz. "Wir sind sehr enge Freunde, ich kann ihm alles erzählen, er kann mir alles erzählen. Es war immer ein Traum, mit Marvin zusammenzuspielen und jede Woche gemeinsam in den Krieg zu ziehen."

Tietz und Mehlem kennen sich von der U-Nationalmannschaft, fahren mittlerweile gemeinsam in den Urlaub, demnächst wird Mehlem auch Patenonkel von Tietz‘ erstem Kind. "Da freut er sich auch schon riesig drauf", so Tietz. Menschlich scheint der Wechsel also bereits ein Volltreffer zu sein.

"Es geht darum, als Team die Tore zu erzielen"

Und sportlich? Die Fußstapfen sind groß, die 28-Tore-Mann Serdar Dursun in Darmstadt hinterlassen hat, aktuell ist Tietz der einzige gestandene Mittelstürmer im Kader. "Ich freue mich für Serdar, er hat eine tolle Saison gespielt", so Tietz. "Aber ich mache mir keinen Druck. Es geht darum, als Team die Tore zu erzielen. Und wenn noch ein neuer Stürmer kommt, belebt die Konkurrenz das Geschäft."

Helfen will der Neue dem Team aber allemal, ganz gleich, ob noch ein designierter Dursun-Nachfolger kommt. Ein "klassischer Box-Stürmer", sei er, mit den Stärken im "Zweikampf, im Bälle festmachen, mit dem Rücken zum Tor, mit dem Kopf, aber auch in Sachen Technik". In der Dritten Liga reichte das für elf Saisontoren und sechs Assists beim SV Wehen Wiesbaden. Eine ähnliche Quote würde Tietz wohl auch eine Etage weiter oben nehmen.

"Wir haben alle Bock auf die Saison"

Was dabei herausspringt, wird man dann sehen. Zumal in einer mit gefühlten Bundesligisten nur so gespickten Zweiten Liga. "Der Trainer hat gesagt, wir wollen die Großen ärgern. Ich glaube, das können wir. Es können sich einige Mannschaften auf etwas gefasst machen. Wir haben alle Bock auf die Saison."