Victor Pálsson

Während der SV Darmstadt 98 immer tiefer in den Tabellenkeller der zweiten Liga gerutscht ist, hatte Victor Pálsson körperliche Rückschläge und einen familiären Verlust zu verkraften. Nun blickt der Profi nach vorne – und legt seinen Finger direkt in eine Lilien-Wunde.

Victor Pálsson hat einen riesengroßen Schritt gemacht. Nicht das erste Training nach langer Pause, nicht das erste Spiel, nicht das erste Tor. Nein, am Donnerstag hat der Profi von Fußball-Zweitligist Darmstadt 98 etwas hinter sich gebracht, wofür er den allerhöchsten Respekt verdient: Erstmals seit Monaten hat sich der Mittelfeldspieler Zeit für ein längeres Gespräch mit Journalisten genommen. Ein Gespräch über Verletzungen, Operationen – und über den Tod seiner Mutter.

Victor Pálsson: "Mir geht es besser"

"Mir geht es besser", sagt er ganz am Anfang, ordnet die vielleicht wichtigste Botschaft allerdings auch direkt ein: "Es war die härteste Zeit. Mental war es sehr schwer. Das Körperliche kommt langsam zurück und wird jeden Tag besser – und die mentale Seite auch."

Rückblick: Im Herbst vergangenen Jahres wird Pálsson gleich doppelt vom Verletzungspech heimgesucht. Zu immer wiederkehrenden Knieproblemen kommt Ende November noch eine OP am Daumen hinzu. In einer von einer wilden Pandemie geprägten Saison verpasst der Isländer zwischen Anfang November und Ende Januar zehn Liga- sowie ein Pokalspiel. Doch damit nicht genug.

Mitte Dezember verstirbt Pálssons Mutter. Der 29-Jährige trauert auf Instagram öffentlich um sie, seine Teamkollegen widmen ihm beim 4:0 in Fürth einen emotionalen Torjubel. Knapp zwei Monate ist das nun her, und Pálsson hat einen Teil der Geschehnisse inzwischen verarbeitet.

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Pálssons Comeback

Beim 2:1-Heimsieg der Lilien gegen Sandhausen Ende Januar hat Pálsson nach fast dreimonatiger Verletzungspause sein Comeback gefeiert. Beim bitteren Pokal-Aus in Kiel stand er kurz darauf erstmals wieder in der Startelf.

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Darmstadt 98 am Sonntag gegen Osnabrück

Der Fußballprofi, bei den Lilien als defensiver Mittelfeldspieler oder neuerdings auch als Innenverteidiger im Einsatz, will sich nun wieder auf seinen Job konzentrieren. Gut für seinen Arbeitgeber, der einfach nicht aus dem Tabellenkeller der zweiten Liga rauskommt – und die Qualitäten des isländischen Nationalspielers sicherlich gut gebrauchen kann.

"Ich weiß, dass ich der Mannschaft helfen kann. Wir müssen realistisch sein: Wir sind im Abstiegskampf und müssen Punkte holen", sagt Pálsson, als würde er währenddessen auf die Tabelle schauen. Vom Relegationsplatz, den aktuell der SV Sandhausen mit 18 Zählern innehat, sind die Südhessen aktuell nur vier Punkte entfernt. Das Heimspiel gegen den Kellerkonkurrenten Osnabrück am Sonntag (13.30 Uhr) bezeichnet Pálsson deshalb vorsorglich als "Sechs-Punkte-Spiel".

"Ich brauche erst mehr Luft in meiner Lunge"

Allerdings: Als zu wichtig will er seine persönliche Rolle beim Kampf um den Klassenerhalt nicht verstanden wissen. Einerseits aus körperlichen Gründen ("Ich brauche erst noch mehr Luft in meiner Lunge"), andererseits aus Prinzip: "Ich war drei Monate lang nicht dabei. Ich kann jetzt nicht einfach reinkommen und sagen: Das fehlt, das fehlt, das fehlt", sagt Pálsson aus Rücksicht vor der Arbeit seiner Kollegen. Und auch dafür verdient er, wenn man mal ehrlich ist, allerhöchsten Respekt.

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