Tobias Kempe und Fabian Holland

Viele Top-Spieler sind gegangen, doch er ist geblieben: Tobias Kempe wird beim SV Darmstadt 98 mehr und mehr zum Routinier. Nach einer Nasen-OP kämpft er um den Anschluss ans Team – und sieht einen großen Vorteil im Abgang von Torjäger Serdar Dursun.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Kempe: "Jeder Trainer hat seine eigene Vorbereitung"

Tobias Kempe
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Die Nase ist endlich gerichtet. "Ich wollte das schon sehr oft machen, jetzt ist es an der Zeit gewesen", erzählt Tobias Kempe. "Das war unumgänglich und für meine Gesundheit wichtig. Die Nase war komplett gebrochen, die Nasenscheidewand kaputt – da war nichts mehr gerade."

Die OP, die der Profi von Zweitligist Darmstadt 98 während der Sommerpause über sich hat ergehen lassen, war eine Folge der harten Seite dieses Sports. Stichwort Zweikämpfe, Stichwort Rangeleien. "Das war alles vom Fußball. Für Schlägereien bin ich nicht der Typ", lacht Kempe. Und schiebt mit einem Augenzwinkern hinterher: "Höchstens vielleicht mal auf dem Platz, wenn es an die Jungs geht."

Kempe erst eine Woche im Training

Die Konsequenzen des Eingriffs sind für Außenstehende sicht- und für den Mittelfeldspieler selbst spürbar: Beim Training und in Testspielen trägt Kempe zum Schutz der Nase eine Maske; in die Vorbereitung auf die neue Saison konnte er erst mit einer Verspätung von rund zweieinhalb Wochen starten.

"Mir fehlt schon noch was", gibt der 32-Jährige ohne Umschweife zu. "Ich habe jetzt eine Woche mittrainiert, davor ein paar Läufe gemacht. Ich bin noch lange nicht bei 100 Prozent, aber ich mache mir keinen Stress."

Die noch ausstehenden Testspiele gegen den VfB Stuttgart (Mittwoch, 15 Uhr) sowie gegen die Regionalliga-Vertretung des 1. FC Köln (Samstag, 13.30 Uhr) wolle er nutzen, "um in den Rhythmus zu kommen". Ob es beim Saisonstart gegen Jahn Regensburg eine Woche später für einen Startelfeinsatz reicht: völlig offen.

Teamgeist wird beim SV98 wieder großgeschrieben

Das hängt freilich auch von Darmstadts neuem Trainer ab. Torsten Lieberknecht, so viel kann Kempe bereits nach einigen Einheiten sagen, lege viel Wert auf das Team. "Ihm ist es wichtig, dass wir alles gemeinsam machen", berichtet Kempe, "dass wir einen Teamgedanken haben und viel reden. Das zeichnet ihn gerade sehr aus."

Nun ist die Tugend vom Zusammenhalt insbesondere am Böllenfalltor keine neue Entdeckung, doch nach den zahlreichen Transferaktivitäten der vergangenen Wochen könnte ein gesunder Teamgeist in der Saison 2021/22 wieder zur Darmstädter DNA gehören. In der Defensive haben die Lilien mit Immanuel Höhn, Nicolai Rapp sowie Victor Pálsson wichtige Stützen abgegeben oder verloren, in der Offensive gilt es, eine Nachfolgeregelung für den abgewanderten Serdar Dursun zu finden.

"Alle gehen – ich bleibe"

"Alle um mich herum gehen – und ich bleibe", sagt Kempe, der erstmals zwischen 2014 und 2016 für den SVD aktiv war und 2017 zurückkehrte, erneut mit einem kleinen Augenzwinkern. Denn auch er weiß: Die Abgänge sind naturgemäß schnell Vergangenheit, die Südhessen und ihre Neuzugänge müssen sich zu einer neuen Einheit formen. Der SV98 hat seine Achse der zurückliegenden Spielzeit verloren? "Dann wird sich in der neuen Saison eben wieder eine Achse ergeben", versichert Kempe.

Die wird es auch brauchen, will der Mittelfeldspieler in der anstehenden Runde sein selbstgestecktes Ziel erreichen: Im zweistelligen Bereich Tore erzielen und vorbereiten. Jeweils. "Ich bin kein Mittelstürmer, will aber wieder an meine Quote herankommen", so Kempe. "In der letzten Saison habe ich das nicht ganz geschafft, weil ich Serdar ein paar Elfmeter geschenkt habe, damit er seine Torjägerkanone holt. Jetzt habe ich aber wieder mein Ziel." In Sachen Torriecher dürfte die gerichtete Nase höchstwahrscheinlich auch nicht schaden.