Torsten Lieberknecht lacht

Rauchen in der Kabine geht gar nicht, ein Bier im Erfolgsfall ist drin. Der neue Lilien-Trainer Torsten Lieberknecht spricht im Interview mit dem hr-sport über Zimmergenosse Jürgen Klopp und ein besonderes Braunschweiger Mädchen.

Videobeitrag

Video

zum Video Das ist der neue Lilien-Trainer Torsten Lieberknecht

Torsten Lieberknecht im Interview mit dem HR
Ende des Videobeitrags

Am Samstag (13.30 Uhr) wird es endlich wieder ernst für den SV Darmstadt 98. Dann steht das erste Saisonspiel gegen Jahn Regensburg an. Trainer Torsten Lieberknecht hat sich kurz vorher ein wenig Zeit für den hr-sport genommen. Herausgekommen ist ein großes, zweiteiliges Interview. Im zweiten Teil geht es um Führungsqualitäten, den rauchenden Jürgen Klopp und die "Generation Lieberknecht". Teil I finden Sie hier.

Weitere Informationen

Transparenz-Hinweis

Wir haben das Interview mit Torsten Lieberknecht geführt, bevor drei Spieler der Lilien positiv auf das Corona-Virus getestet wurden. Wir haben daraufhin Herrn Lieberknecht noch einmal die Möglichkeit gegeben, seine Aussagen zu ergänzen, und diese Ergänzungen in den Text eingebaut.

Ende der weiteren Informationen

hessenschau.de: Herr Lieberknecht, wie wollen Sie Ihre Mannschaft spielen lassen?

Torsten Lieberknecht: In der vergangenen Saison hatte die Mannschaft unterschiedliche Ansätze. Ich habe den Ansatz, auf dem Bestehenden aufzubauen, aber auch eigene Ideen und Vorstellungen zu implementieren. Wir wollen das unorthodoxe Positionsspiel verfeinern, variabel sein, die Außenverteidiger mit in den Angriff einbeziehen. Wir müssen alle Phasen eines Spiels abdecken können – und wichtig sind die Fans als Sprachrohr.

hessenschau.de: Wie meinen Sie das?

Lieberknecht: Die Fans müssen sich mit unserer Spielweise identifizieren können. Und der Klub hat sich auf die Fahne geschrieben, attraktiv zu agieren. Das kann aber auch meinen, leidenschaftlich zu verteidigen und dann sehr gut zu kontern. Ich mag diese Tore sehr. Und die größte Kunst ist es, eine tiefstehende Deckung auszuhebeln. Wir wollen all das beherrschen, das meine ich mit den verschiedenen Phasen.

hessenschau.de: Im Tor haben Sie einen Dreikampf ausgerufen. Warum?

Lieberknecht: Für uns ist es gut zu wissen, dass wir drei richtig gute Jungs haben. Auch Steve Kroll hat sich in der Vorbereitung super präsentiert. Unser Torhütertrio pusht sich und stachelt sich an. In dieser Woche werden wir die Entscheidung treffen, wer im Tor stehen wird – und die wird nicht einfach.

hessenschau.de: Man kennt Sie als emotionalen Trainer. Sind Sie auch streng?

Lieberknecht: Ich habe meine Prinzipien, wie eine Mannschaft zu funktionieren hat, welche Regeln einzuhalten sind. Ich akzeptiere es nicht, wenn beispielsweise dem Zeugwart einfach die Sachen vor die Füße geworfen werden. Hier soll jeder Einzelne mit Respekt behandelt werden. Man kann mit mir Spaß haben und ich lebe vor, dass man Freude am Fußball haben sollte. Aber wenn Entscheidungen – auch unpopuläre – anstehen, dann muss ein Trainer Führungspersönlichkeit zeigen. Trotzdem versuche ich, den Jungs auf Augenhöhe zu begegnen und sie einzubinden.

hessenschau.de: Kölns Steffen Baumgart erlaubt seinen Spielern sogar das Rauchen. Würden Sie es ähnlich locker sehen?

Lieberknecht: In der Kabine wäre es bei mir tabu. Zudem gibt es für uns Situationen, bei denen wir wissen müssen, dass wir in der Öffentlichkeit stehen. Aber wir sind eben auch nur Menschen. Wenn mal jemand nach einem Sieg ein Bier trinkt, ist das auch in Ordnung.

hessenschau.de: Sie haben sich früher mit Jürgen Klopp bei Mainz 05 ein Zimmer geteilt. Er soll nicht immer so professionell gelebt haben.

Lieberknecht: Ich habe schnell den Zimmerpartner gewechselt (lacht). Aber nicht aufgrund von Streitigkeiten, sondern weil wir unterschiedliche Abläufe hatten. Wir hatten damals im Sommertrainingslager viele intensive Läufe und Kloppo hat danach zur Entspannung auf der Toilette geraucht. Ich habe ihm dann Vitamin-C-Tabletten aus dem Discounter geholt, um auch etwas Positives für die Gesundheit zu unternehmen. Damals war die Bedeutung der Ernährung im Profibereich generell noch nicht so hoch, trotzdem waren wir eine ordentliche Mannschaft.

hessenschau.de: Bei Ihrem Abschied als Trainer von Braunschweig überreichte Ihnen ein Mädchen auf dem Spielfeld eine Rose. Sie sollen weiterhin mit dem Mädchen und der Familie in Kontakt stehen und ihnen Trikots vorbeischicken. Haben Sie schon ein Lilien-Trikot auf den Weg gebracht?

Lieberknecht: Noch nicht. Das Mädchen kam bei unserem letzten Spiel in Hoffenheim auf den Rasen, um uns und mich zu trösten. Sie war damals bei jedem Auswärtsspiel dabei, für die Braunschweiger Fans war die Erste Liga schließlich das Größte. Sie hat mir das größte Kompliment überhaupt gemacht, als sie sagte: "Ich gehöre zur Generation Lieberknecht." Wir sind in Kontakt geblieben, die Familie hat mich in Duisburg besucht und wird sicher auch bald am Bölle vorbeischauen.

Audiobeitrag

Audio

Audioseite Die "Generation Lieberknecht" in Braunschweig

Torsten Lieberknecht bei seiner Vorstellung in Darmstadt
Ende des Audiobeitrags

hessenschau.de: Die kommende Zweite Liga gilt als stärkste aller Zeiten. Sehen Sie das auch so?

Lieberknecht: Ich glaube, dass die Qualität der Zweiten Liga in den vergangenen zehn Jahren extrem zugenommen hat. Es geht nicht mehr nur über den Kampf, sondern auch über Taktik und Spieltechnik. Ich freue mich auf die Saison und empfinde eine angespannte, erwartungsvolle Vorfreude. Und ja, es ist allein von den Namen her definitiv die stärkste zweite Liga.

hessenschau.de: Wo landen die Lilien inmitten der ganzen großen Namen? Carsten Wehlmann spricht von einem einstelligen Tabellenplatz.

Lieberknecht: Ich sehe uns als ambitionierten Underdog in einer Liga mit so vielen Schwergewichten. Ich merke schon, dass die externen Erwartungen aufgrund namhafter Abgänge und Konkurrenz eher gedämpfter sind, also können wir nur überraschen. Wir sind in der Lage, diesen ganzen Schwergewichten die Zähne zu zeigen. Aber aufgrund der Corona-Fälle in unserem Team liegt unser Hauptfokus zunächst darauf, den Saisonstart zu meistern - auf nichts anderem.

Weitere Informationen

Das Interview führten Ron Ulrich und Christian Adolph.

Ende der weiteren Informationen
Weitere Informationen Ende der weiteren Informationen