Emir Karic Darmstadt

Drei Spiele, drei Pleiten - was bei den Lilien schief gehen kann, geht schief. Trotzdem schöpfen sie Hoffnung aus den Experimenten, den Rückkehrern und einem besonderen Geist im Team.

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Der Pokal hat bekanntlich seine eigenen Gesetze, wie Darmstadt beim Aus gegen den Drittligisten 1860 München leidlich erfahren musste. Die Saison der Lilien hat allerdings auch ein eigenes Gesetz, und zwar Murphys Gesetz. Was schiefgehen kann, geht schief - Lattentreffer, zweifelhafte Schiedsrichter-Entscheidungen, zwei Niederlagen in der Liga und nun das Pokalaus. Hinzu kommt natürlich die angespannte Personallage. Die Ausfälle durch Quarantäne, Corona und Verletzungen hätten wohl alleine schon einen Spielberichtsbogen ausfüllen können.

Das führte bei den Lilien zu der kuriosen Situation, dass einige zurückgekehrte Spieler durch die "Arbeits-Quarantäne" nur für den Spielbetrieb Kontakt mit ihren Kollegen aufnehmen durften. Sie reisten nicht im Bus, sondern separat in verschiedenen Autos nach Karlsruhe und München an. Bei der Teambesprechung hielten sie sich vor der Kabine auf und lauschten den Ausführungen des Trainers durch ein geöffnetes Fenster. Die genauen Instruktionen erhielten sie per WhatsApp. Den Rückkehrern fehlte naturgemäß die Frische, dem Team die dringend benötigte Abstimmung.

Nächste schlechte Nachricht: Jannik Müller fällt aus

Am Montag wartete dann die nächste schlechte Nachricht auf Trainer Torsten Lieberknecht: Jannik Müller hat sich erkältet – wohlgemerkt kein Corona-Fall – und wird in den kommenden Tagen nicht am Training teilnehmen. Bei den Übungen muss der Coach nun wieder improvisieren, genauso wie bei den Aufstellungen. In der Abwehr mussten die Lilien bislang in jedem Spiel eine neue Formation wählen. In München wirkte Thomas Isherwood erstmals seit über einem halben Jahr wieder mit, während neben ihm der erst 18-Jährige Clemens Riedel sein drittes Profispiel absolvierte.

Immerhin hinterließ der Youngster auch gegen die Löwen einen guten Eindruck, die Angreifer des Gegners (Sascha Mölders und Marcel Bär) wurden ohne eigenes Tor ausgewechselt. Und genau darauf gründet sich trotz der Nackenschläge der Optimismus bei den Lilien: Auch andere Experimente aus der Not könnten bei den Lilien fortgeführt werden. Matthias Bader sorgte vorgezogen auf der rechten Seite ebenso für Belebung wie Luca Pfeiffer vorne in der Doppelspitze.

Emir "Eko Fresh" Karic: "Wir haben richtig geile Typen"

Kapitän Fabian Holland rückte als Tonangeber ins Zentrum, für ihn agierte Emir Karic links hinten. "Ich habe mich sehr wohl gefühlt auf der linken Seite", sagte Karic am Montag in einer Medienrunde und gab sich kämpferisch: "Es hilft jetzt nichts, dem Pokalaus nachzutrauern. Wir müssen gegen Ingolstadt wieder die gleiche Einstellung zeigen und in Punkte ummünzen."

Karic, vom Trainer in Anlehnung an den Rapper Eko Fresh nur "Eko" statt dem üblichen Spitznamen "Emko" gerufen, berichtete zudem vom besonderen Teamgeist bei den Lilien. Als Beispiel nannte er den verletzten Marvin Mehlem, der die fünf Stunden lange Anreise auf sich nahm, um das Team in München vor Ort zu unterstützen. "Wir haben geile Typen in der Mannschaft, pushen uns gegenseitig und der Trainer ist eine sehr positive Persönlichkeit." Die Mannschaft brauche derzeit nur noch die Feinabstimmung. "In ein paar Wochen wird das alles wieder anders aussehen."

Honsak, Berko, Kempe und Ronstadt zurück - Schuhen im Tor

Schon in dieser Woche werden Frank Ronstadt, Tobias Kempe, Mathias Honsak und Erich Berko zurückkehren. Ob die Akteure nach der Pause dann gleich wieder über die nötige Spiel-Fitness für das Match gegen Ingolstadt am Sonntag verfügen, dürften erst die Eindrücke aus dem Training zeigen. Fest steht, dass Marcel Schuhen gegen Ingolstadt im Tor stehen wird.

Der Keeper hatte die ersten zwei Saisonspiele aufgrund der Quarantäne verpasst, im Tor stand da Zugang Morten Behrens. Beim Pokalspiel in München glänzte Schuhen mit einigen Paraden, seinen Stammplatz hat er allerdings noch nicht fest wieder zurück. Eine endgültige Entscheidung über die Nummer eins bei den Lilien soll erst nach dem Spiel am Sonntag fallen.

Besondere Nachricht über WhatsApp

Mit Ingolstadt kommt dann eine Mannschaft nach Darmstadt, die ebenfalls die ersten beiden Saisonspiele verloren hat. Die Partie bekommt trotz aller mildernden Umstände für die Darmstädter damit schon richtungsweisenden Charakter, um den Negativ-Lauf zu stoppen. Am folgenden Spieltag müssen die Lilien zum HSV.

Intern scheinen die Spieler immerhin trotzig auf die jüngsten Malaisen zu reagieren. "Eko" Karic berichtete von Nachrichten der ausgefallenen Spieler in der WhatsApp-Gruppe der Mannschaft direkt nach dem Pokalaus. Sie lauteten: "Jungs, sch.. drauf, wir holen uns alles zurück. Es war ein geiler Fight."