Hirschhorn Neckarsteinach Viernheim Collage

Die SpVgg Neckarsteinach, der FC Hirschhorn und der TSV Amicitia Viernheim haben eines gemeinsam: Alle Fußballvereine liegen in Hessen, spielen aber in Baden-Württemberg. Warum? Ein Besuch vor Ort.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Axel Schmid aus Neckarsteinach: "Den Ebbelwoi gibt es hier auch"

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Axel Schmid muss nicht lange überlegen. "Richtig hessisch an uns ist, dass es hier auch den guten Apfelwein gibt", erzählt der Vorsitzende der Spielvereinigung Neckarsteinach. Das war es dann aber eigentlich auch schon. Sonst ist in dem beschaulichen Ort am Neckar nicht viel Hessisches da. Vor allem nicht der Verband. Denn der Verein aus dem Kreis Bergstraße spielt, genau wie der FC Hirschhorn und der TSV Amicitia Viernheim, im Badischen Fußball-Verband (BFV). Warum?

Lars Plenge aus Hirschhorn, ebenfalls im Kreis Bergstraße gelegen, macht es deutlich. Der Vorstand des heimischen FC sitzt auf einer Auswechselbank auf dem Sportplatz, zeigt mit seinem Finger über den Neckar und erklärt: "Da hinten, hinter dem toten Baum, da beginnt schon Baden-Württemberg."

Seit jeher "fremd" gegangen

Andere hessische Clubs auf Kreisebene befinden sich teilweise 50 Kilometer entfernt. Vereine aus dem Kreis Heidelberg in Baden-Württemberg, in dem der FC Hirschhorn und die Spielvereinigung Neckstarsteinach spielen, hingegen nur wenige Landstraßenkilometer. Seit jeher gehen die beiden hessischen Teams daher "fremd".

Früher hätte ein Verbleib im Hessischen Fußball-Verband (HFV) bedeutet, dass man mehrere Tage mit der Kutsche unterwegs gewesen wäre, scherzt Plenge. Spiele gegen andere badische Teams waren da leichter zu organisieren. Dennoch würden er und sein Verein bei Sitzungen im BFV immer noch scherzhaft als "Gäste" tituliert.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Lars Plenge vom FC Hirschhorn: "Von Anfang an im BFV"

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Viele arbeiten sowieso in Baden-Württemberg

Wobei "Gast" und "fremdgehen" vielleicht die falschen Wörter sind. "Die badischen Vereine und Orte kennt man hier viel besser", erklärt Axel Schmid aus Neckarsteinach. "Die meisten arbeiten auch eher in Baden-Württemberg." So wie Vorstandskollege Oliver Heidt, der bei einem nahen Software-Riesen angestellt ist.

Dennoch kann es dabei auch zu Problemen kommen. Eine Anekdote hat Schmid direkt parat. "Vor vier Jahren hat der Badische Fußball-Verband einen kompletten Spieltag auf den Nachmittag des 1. November gelegt." Der ist in Baden-Württemberg ein Feiertag - in Hessen jedoch nicht. "Da mussten manche einen halben Tag Urlaub nehmen. Wir haben es aber irgendwie hinbekommen."

Spielvereinigung Neckarsteinach

Kulturell in der Kurpfalz angesiedelt

Probleme, die sie auch in Viernheim kennen. Zwar ist hier - ganz nah bei Mannheim - der Rest Hessens nicht so weit entfernt wie in Neckarsteinach oder Hirschhorn, dennoch spielt auch der TSV Amicitia seit eh und je im BFV. "Das wurde vor 60, 70 Jahren so festgelegt", erzählt Vorstand Peter Hoffmann. "Dann war es so."

Kleinere Probleme gibt es aber auch hier. Die Viernheimer müssen den Verband immer wieder darauf hinweisen, wenn Ferienzeit ist - damit die Spiele nicht falsch gelegt werden. Sonst ist es dem TSV, früher sogar mal in der Oberliga angesiedelt und heute in der Kreisliga Mannheim aktiv, aber "nicht unrecht", in Baden zu spielen. Ein Wechsel zurück in den HFV ist hier kein Thema. Kulturell gehöre Viernheim, so Hoffmann, sowieso eher zur Kurpfalz rund um Mannheim und Heidelberg.

"Hessisch ist hier nur die Politik"

Das ist auch in Hirschhorn so. Dort ist im Alltag sowieso fast alles badisch. "Hessisch ist hier nur die Politik", sagt Plenge, der selbst im Landratsamt angestellt ist. Die Schulferien und vieles Weitere sind an Baden-Württemberg angepasst. Nur eines gehört auch beim FC zum Grundpaket eines jeden Kabinenfestes. "Den Ebbelwoi", betont Plenge, "gibt es hier auch."