Ein Schiedsrichter zeigt die rote Karte.

Immer wieder waren Amateur-Schiedsrichter in der jüngeren Vergangenheit Opfer von Übergriffen. Woher kommt die Gewalt? Wie geht es den Betroffenen? Und was sagen die Täter? Unsere Dokumentation begibt sich auf die Suche nach Antworten.

Turgay Sukan sieht nicht aus wie einer, dem man schnell Angst einjagen kann. Der Amateurschiedsrichter ist kräftig, wirkt selbstbewusst, aber wenn er sagt: "Ich kann es verdrängen, aber ich kann es nicht vergessen", ahnt man, was das Kreisligaspiel im November zwischen der SKG Rumpenheim II gegen Sparta Bürgel II für tiefe Wunden bei Sukan hinterlassen hat.

Sukan pfeift seit Jahren auf Amateurniveau Fußballspiele. Er kennt jeden Sportplatz, jedes Vereinsheim seines Kreises, viele Spieler persönlich. "Es ist Fußballliebe. Ich bin krank nach Fußball", so Sukan. Seine Liebe aber wird an diesem Tag im November auf eine harte Probe gestellt. Eine für die Spieler strittige Entscheidung, eine aufgeheizte Atmosphäre, ein böses Wort, das das andere gibt. Schließlich der Übergriff: Ein Spieler verliert die Nerven und gibt Sukan eine Kopfnuss – die Sparta Bürgel später bestreiten wird. Für Sukan aber ist nichts mehr wie zuvor.

Nicht der einzige Vorfall

Es ist nicht die einzige Attacke eines Spielers auf einen Schiedsrichter im hessischen Amateurfußball der vergangenen Monate. Nur knapp drei Wochen vor dem Vorfall in Rumpenheim war ein Schiedsrichter im hessischen Münster bewusstlos geschlagen worden und musste per Hubschrauber ins Krankenhaus gebracht werden. Der Fall hatte bundesweit für Schlagzeilen gesorgt.

Hat der Amateurfußball ein Gewaltproblem? Wie geht das Leben weiter, wenn man Opfer einer solchen Attacke war? Was tun die Verbände, um die Schiedsrichter zu schützen? Sind die Strafen  ausreichend? Oder muss man ganz woanders ansetzen? Diesen Fragen geht die Dokumentation "Warum? – Gewalt gegen Schiedsrichter" nach. Die Doku gibt es bereits in der Mediathek, das hr-fernsehen zeigt sie am Dienstag ab 21.45 Uhr.

Geht es für Turgay Sukan weiter?

Dabei begeben sich Joscha Bartlitz und Oliver Mayer auf die Suche nach den Hintergründen der Gewalt, sprechen mit Betroffenen und Verbandsvertretern gleichermaßen und zeichnen ein umfassendes Bild der Zustände auf Hessens Amateursportplätzen.

Turgay Sukan weiß noch nicht, ob er weiter pfeifen will. Seine Frau wolle nicht, dass er je wieder als Schiri einen Sportplatz betritt, er selbst ist mit den langen Sperren der Übeltäter, die der Hessische Fußballverband aussprach, durchaus zufrieden. Aber selbst wenn er seine Laufbahn fortführt. Ganz so wie früher wird es für ihn nie wieder sein.