Collage: Drees, Fußball-Leinwand
Jochen Drees hat künftig in Sachen Video Assistant Referee (VAR) beim DFB den Hut auf. Bild © Imago/Collage: hessenschau.de

Nach den ersten Spieltagen hat der Videobeweis in der Bundesliga keinen guten Stand. Der künftige DFB-Projektleiter Jochen Drees würde Entscheidungen gerne transparenter machen und im Stadion zeigen. Noch gibt es aber technische Probleme.

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zum Video Drees: "Die Entscheidung muss nach draußen transportiert werden."

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Jochen Drees setzt sich dafür ein, dass strittige Szenen, die vom Video-Assistenten überprüft werden, künftig auf den Leinwänden und Videowürfeln der Bundesligastadien zu sehen sind. "Wir als Schiedsrichter wären daran sehr interessiert, um die Entscheidung transparent zu machen", sagte der künftige Leiter des Bereiches Videobeweis beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) am Montag im heimspiel! des hr-fernsehens. "Was mich im letzten Jahr furchtbar aufgeregt hat, war, dass es immer wieder hieß: In Köln, im Keller, wird irgendetwas entschieden. Die Entscheidung muss nach außen transportiert werden."

Die technische Umsetzung dieser Idee sei allerdings nicht überall so problemlos möglich wie in Frankfurt, wo es im Stadion einen Videowürfel gibt. Und auch der Vergleich zur Weltmeisterschaft in Russland, wo genau dieser Vorgang praktiziert wurde, sei in diesem Zusammenhang nicht richtig. "Bei der WM war das so: Da hatte die FIFA direkten Zugriff auf die Leinwände. Das haben wir hier in Deutschland leider nicht", sagte der 48-Jährige, der zwischen 2005 und 2017 selbst als Schiedsrichter tätig war und 141 Bundesliga-Spiele leitete. Die Führung des DFB-Projektes Videobeweis übernimmt er ab dem 1. Oktober.

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zum Video Drees: "Der Videoassistent heißt nicht umsonst Assistent"

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Seine Vision: ein Videobeweis, der im Hintergrund läuft und von den Fans im Stadion oder von Fernsehzuschauern nur dann wahrgenommen wird, "wenn gravierende Entscheidungen zu korrigieren sind, die vom Team auf dem Platz falsch eingeschätzt wurden". Die Tatsache, dass am ersten Spieltag Ende August gleich mehrere Entscheidungen hitzig diskutiert worden sind, erklärte Drees so: "Keiner wollte einen Fehler machen. Jeder, der in Köln saß, war voll motiviert. Der eine oder andere ist dabei wahrscheinlich ein bisschen übers Ziel hinausgeschossen – und hat vielleicht vergessen, was eigentlich seine Rolle ist als Video-Assistent."

Dieser heiße nicht umsonst Assistent, "weil er eben kein Schiedsrichter ist". Für die Referees selbst sei die Trennung dieser beiden Jobs allerdings nicht einfach. "Eine Woche bin ich Schiedsrichter beim Spiel Frankfurt gegen Bremen, und am nächsten Wochenende bin ich Assistent im Videocenter in Köln. Das ist ein Spagat." Auf der Suche nach einer Lösung könnte, wie Drees erklärte, "Spezialisierung" das Zauberwort sein: "Wir haben spezialisierte Assistenten in den Stadien – wieso sollen wir nicht spezialisierte Assistenten an den Videobildschirmen haben?"

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zum Video Drees: "Wenn es funktioniert eine Bereicherung"

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Die Möglichkeit, jeder Mannschaft pro Halbzeit eine gewisse Anzahl an Video-Überprüfungen (Challenges) einzuräumen, lehnt der Ex-Schiri nicht prinzipiell ab. Beim American Football, wo Challenges seit Jahren üblich sind, handele es sich aber um eine Sportart, "die durch eine natürliche Unterbrechung gekennzeichnet" sei. "Im Fußball – wenn es gut läuft – hat man minutenlang keine Unterbrechung, das Spiel läuft immer weiter. Das ist es ein gefühlter Bruch, wenn das Spiel durch so eine Überprüfung der Szene unterbrochen wird."