Trainer Niko Arnautis hat mit den Eintracht-Fußballerinnen einen Traumstart in die Liga hingelegt. Eine Kampfansage an die Spitze will er aber noch nicht formulieren.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Arnautis: "Um die Mannschaft herum ist Euphorie entstanden"

Niko Arnautis, Trainer der Eintracht Frankfurt Frauen
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Zehn Punkte aus vier Spielen, zuletzt ein klares 4:0 gegen Meppen: Die Eintracht Frankfurt Frauen sind in der Bundesliga voll auf Kurs und seit der Fusion noch ungeschlagen. Niko Arnautis gibt im Interview eine Einschätzung zum Saisonstart und sieht dabei noch Verbesserungspotenzial.

hessenschau.de: Herr Arnautis, ihr Team ist noch ungeschlagen mit drei Siegen und einem Unentschieden. Haben Sie diesen Start erwartet?

Niko Arnautis: Es kommt für mich nicht unbedingt überraschend. Wir haben es uns natürlich gewünscht, weil wir wussten, dass wir eingespielt sind und wir auch in der Vorbereitung schon gemerkt haben, dass die Qualität hoch ist. Es ist eine schöne Situation für uns, dass wir so in die Saison starten konnten, aber sowas zu erwarten ist immer schwierig. Wir haben sehr viele junge Spielerinnen, die das aber sehr gut machen und ich glaube, dass wir uns als Mannschaft richtig gut entwickelt haben und das zeigen wir aktuell auch auf dem Platz.

hessenschau.de: Stichwort "gut entwickelt": Was klappt denn besser als noch vergangene Saison und woran haben Sie im Sommer gefeilt?

Arnautis: Wir sind insgesamt reifer geworden, was die Spielanlage angeht. Wenn wir das Spiel in Meppen nehmen, wo wir gegen eine Mannschaft gespielt haben, die sehr tief verteidigt hat, eine Spielweise, mit der wir in der Vergangenheit mehr Probleme hatten - da sieht man jetzt, dass dieser Reifeprozess da ist und jede für sich selber diese Ruhe entwickelt hat, so ein Spiel dann über 90 Minuten konzentriert zu spielen. Und ich glaube, dass die Mannschaft im fußballerischen Bereich als Team nochmal eine Schippe drauflegen konnte. Wir spielen einen sehr schnellen, zielstrebigen Ball, haben allerdings auch die Geduld.

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Für die Eintracht Frankfurt Frauen steht eine Englische Woche auf dem Programm. Am Mittwoch (18 Uhr) empfangen die Hessinnen Bayer Leverkusen zum Duell, am Sonntag (14 Uhr) gastieren sie beim SC Sand.

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hessenschau.de: Wie jeder Trainer haben Sie aber wahrscheinlich trotzdem noch was zu mäkeln und sehen noch Verbesserungspotenzial.

Arnautis: Ja, natürlich (lacht). Wir sprechen das auch immer offen und ehrlich an, egal, ob wir jetzt ein Spiel gewonnen haben oder nicht. Also ich sage immer, es geht alles schneller und präziser, es geht alles stabiler und da muss man immer wieder ansetzen, weil jede für sich ja auch weiterkommen möchte. Wir fallen jetzt nicht in Selbstzufriedenheit, wir sind sehr ehrgeizig, sehr motiviert und ich habe auch eine Mannschaft, die wirklich lernen will.

hessenschau.de: Man hat von außen den Eindruck, dass die Fusion mit der Eintracht dem Team noch mal ein neues Selbstverständnis gegeben hat. Sehen Sie das auch so?

Arnautis: Ich glaube, dass das auch eine Rolle spielt. Wir konnte aus der Euphorie, die um die Mannschaft, um den Verein herum entstanden ist, natürlich viel rausziehen. Aber Euphorie heißt nicht immer automatisch, dass es besser wird, manchmal hemmt sie auch. Das ist bei uns aber überhaupt nicht der Fall gewesen. Wir haben das richtig gut aufgenommen, der Verein kümmert sich überragend um die Frauenmannschaft. Wir fühlen uns pudelwohl. Die Fusion ist eine Win-Win-Situation für alle gewesen und wir befinden uns gerade auf einer Euphorie-Welle, die wir natürlich so lange wie möglich weiter reiten möchten.

hessenschau.de: Wie nah sind Sie denn an der Männermannschaft dran? Spielerinnen haben ja bereits erzählt, dass sie neuerdings zwischen den Trainings auch mal ein Schwätzchen mit Kevin Trapp halten.

Arnautis: Unser Stadion am Brentanobad ist, zusammen mit der Sportanlage am Rebstock, unsere Trainings- und Spielstätte, aber wir hatten auch schon die Gelegenheit, unser erstes Training am Stadion zu absolvieren und haben unser erstes Pflichtspiel im Deutsche Bank Park spielen dürfen. Das war ein Riesen-Erlebnis für die Mannschaft und man hat gemerkt, dass anfänglich eine gewisse Nervosität da war. Es gibt immer wieder auch Fotoshootings oder diverse Dinge, wo man sich dann natürlich mal über den Weg läuft. Es ist ein Miteinander und da wird sich auch in der Zukunft noch viel mehr entwickeln, gerade auch, wenn der Campus fertig gestellt wird.

hessenschau.de: Wie zufrieden sind Sie mit den Verstärkungen, die im Sommer geholt werden konnten?

Arnautis: Ich bin sehr zufrieden. Wir haben uns punktuell mit Wunsch-Spielerinnen verstärkt. Alle sind supr angekommen, waren direkt integriert und bringen ihre Leistungen.

hessenschau.de: Und auch das Team um das Team wurde verstärkt, unter anderem mit Ihrem Bruder. Wie ist denn die familiäre Zusammenarbeit so?

Arnautis: Es war ein Wunsch von mir, dass wir unseren Staff erweitern und professionalisieren. Klar, mit meinem Bruder habe ich einen weiteren Co-Trainer dazubekommen, dem ich absolut vertrauen kann. Da bin ich sehr glücklich, dass es funktioniert hat und das passt wunderbar. Es sind viele neue Leute, die unser Team erweitert haben, wo wir so oder so schon gut aufgestellt waren und mit diesen Personalien, die dazu gekommen sind, ist natürlich viel Qualität dabei. Zudem sind wir natürlich mit Siggi Dietrich, unserem Sportdirektor und Generalbevollmächtigtem der Fußball AG, sowie dem Eintracht-Vorstand Fredi Bobic, Oliver Frankenbach und Axel Hellmann herausragend und fachmännisch aufgestellt: Das ist eine Qualität und Expertise, die in Deutschland nicht mehr oft vorkommt. Von daher sind wir auf allen Ebenen richtig gut aufgestellt.

hessenschau.de: Und trotzdem formulieren Sie keine Kampfansage an Bayern oder Wolfsburg, die die Liga dominieren?

Arnautis: Na ja, das wäre jetzt ein bisschen übertrieben. Wir waren im vergangenen Jahr auf dem sechsten Platz, haben ein paar Punkte liegen lassen am Ende, sodass Platz vier und fünf aufgrund unserer Spiele, die wir abgeliefert haben, noch möglich waren. Da waren wir das ein oder andere Mal vielleicht etwas zu naiv. Von daher: Wir wissen, wo wir herkommen, wir wissen, wo wir hinwollen, aber wir sind jetzt noch nicht in der Position, irgendwelche Kampfansagen oder Parolen rauszuhauen. Wir wollen in aller Ruhe unseren Weg weitergehen und der ist sehr vernünftig, demütig, aber auch anspruchsvoll und wir haben ganz klar formuliert, dass wir in allen Bereichen besser abschneiden wollen als im vergangenen Jahr.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Arnautis: "Wir wissen, wo wir herkommen"

FFC-Trainer Niko Arnautis
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hessenschau.de: Ist das schwieriger, wenn man wegen der Corona-Pandemie nur vor einer begrenzten Zahl an Zuschauern spielen kann?

Arnautis: Natürlich ist es immer schöner, wenn Zuschauer da sind, aber uns ist klar, dass wir in dieser Zeit auch eine Verantwortung haben. Wenn es möglich ist: gerne. Wenn es nicht möglich ist, dann müssen wir eben auch für die Zuschauer, die nicht im Stadion sind, spielen.

hessenschau.de: Zum Schluss noch ein kleiner Blick in die nähere Zukunft: Werden die Eintracht Frankfurt Frauen nach dieser Englischen Woche weiter ungeschlagen sein?

Arnautis: Das ist natürlich unser Ziel und sehr wünschenswert. Dafür werden wir alles tun.

Das Gespräch führte Gerald Schäfer.