Eintracht-Keeperin Merle Frohms mit breiten Grinsen im Gesicht

Merle Frohms ist die Nummer eins bei Eintracht Frankfurt und im Nationalteam. Im Interview spricht die Torhüterin über ihre starken Leistungen der vergangenen Wochen, den Umgang mit Druck und den Kampf gegen Klischees.

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Audioseite Eintracht-Torhüterin Frohms: "Habe die Hoffnung, dass jungen Mädchen Klischees erspart bleiben"

Merle Frohms, Torhüterin von Eintracht Frankfurt
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Merle Frohms steht seit Sommer 2020 bei Eintracht Frankfurt im Tor - seitdem hat die Keeperin eine beachtliche Entwicklung hingelegt, auf und neben dem Platz. Im Interview mit dem hr-sport verrät die 26-Jährige, wie sie daran gearbeitet hat, warum ein "kommunikatives Dauerfeuer" wichtig ist und warum sie sich für die Sichtbarkeit der Fußballerinnen einsetzt. Außerdem erklärt sie, wie sich auch Torhüterinnnen in einen Flow spielen können.

hessenschau.de: Im Sommer haben Sie gesagt - Sie freuen sich auf das zweite Jahr bei der Eintracht. Was ist anders?

Merle Frohms: In der vergangenen Saison hat die Unsicherheit mitgespielt. Wir waren in einer Findungsphase, wussten nicht: Wo stehen wir, was können wir erreichen und was verändert sich mit der Fusion für uns? Wir haben aber gemerkt, dass wir spielerisch bestehen können, auch gegen starke Mannschaften. Wir waren manchmal fast überrascht, dass wir so gut sind und haben uns das nicht zugetraut. Uns hat das Bewusstsein dafür auf dem Platz gefehlt. Inzwischen sind wir als Mannschaft gereift. Wir übernehmen Verantwortung, für unser Spiel. Da merkt man deutlich: Wir spielen erfolgreicher Fußball und nehmen auch mehr Punkte mit als im vergangenen Jahr.

hessenschau.de: Verändert hat sich auch Ihr Spiel - Sie kommunizieren mehr, sind lauter - zumindest in der Beobachtung. Haben Sie daran gearbeitet?

Frohms: Ja, aber das war auch mein Ziel: Führungsspielerin zu werden und meine Abwehr zu dirigieren. Auch da sind wir eingespielter, die Kommandos sind klar und ich weiß auch, was die Abwehr mag. Aber ich habe in der vergangenen Saison schon daran gearbeitet, diese Verantwortung zu übernehmen.

hessenschau.de: Ist Ihnen das schwer gefallen?

Frohms: Ich bin nicht so der laute Typ. Aber ich schaffe es auf dem Feld, das zu überspielen, weil ich gemerkt habe, dass es mir und meinen Vorderleuten Sicherheit bringt und dabei hilft, im Spiel zu bleiben. Ich habe gemerkt: Wenn ich ein kommunikatives Dauerfeuer von hinten mache, dann ist allen geholfen.

hessenschau.de: Gerade in den vergangenen Wochen haben Sie stark gehalten und hatten wie etwa gegen Wolfsburg Phasen, wo Sie einfach nicht zu überwinden waren - fast ein bisschen Wolfsburg gegen Frohms. Wie haben Sie das empfunden?

Frohms: Manchmal ist es in den Spielen tatsächlich so, dass ich mich in einen Flow spiele. Da denke ich nicht viel nach. Ich spiele mich dann so rein, dass ich nur noch den Fokus auf den Ball habe und den halten will. Die Spiele, in denen ich eher unregelmäßig Aktionen habe, sind tatsächlich schwieriger. Weil ich in der entscheidenden Situation ja trotzdem da sein muss.

hessenschau.de: Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg hat gesagt - Sie sind die Nummer eins, aber der Kampf hat begonnen vor der EM 2022. Wie gehen Sie damit um?

Frohms: Für mich hat sich nicht viel verändert, weil ich die ganze Saison über zeigen muss, dass ich die Nummer eins bin und diesen Platz auch verteidigen werde. Natürlich ist eine EM eine besondere Situation, aber ich muss mich deshalb nicht mehr oder weniger beweisen. Ich werde mich weiter auf mich konzentrieren, auf meine Entwicklung und Leistung. Dann wüsste ich nicht, was anders laufen sollte als in den vergangenen zwei Jahren, als sie sich fest zu mir bekannt haben.

Merle Frohms (li.) mit Nationaltrainerin Martina Voss-Tecklenburg

hessenschau.de: Ist der Umgang mit dem Druck auch ein Teil Ihres Jobs?

Frohms: Das auf jeden Fall. Als Torhüterin muss man lernen, damit umzugehen. Wir haben eben die besondere Situation, dass das Spiel häufig an einer Szene beurteilt wird. Ich verlasse mich auf mein Umfeld, die Torwarttrainer, die konstruktiv das gesamte Spiel bewerten und sich nicht auf eine Aktion beziehen. Ich habe gelernt zu differenzieren - was ist Kritik und was ist vielleicht einfach nur Berichterstattung, die auf Schlagzeilen oder Klicks aus ist.

hessenschau.de: Sie sind nicht nur auf dem Platz lauter geworden, sondern auch bei Themen abseits des Platzes wie etwa Gleichberechtigung. Warum ist Ihnen das wichtig?

Frohms: Ich habe die Hoffnung, dass junge Mädchen sich vielleicht in Zukunft dann nicht mehr mit gewissen Äußerungen oder Klischees auseinandersetzen müssen, sondern, dass unser Sport einfach als selbstverständlich angesehen wird und wir uns nicht mehr ständig dem Vergleich zum Beispiel zu den Männern stellen müssen. Aber auch, um vorzubeugen und vielleicht auch jetzt schon etwas im Denken zu verändern.

hessenschau.de: Was glauben Sie muss sich noch verbessern? Vielleicht auch mit Blick auf die Sichtbarkeit - bis zur EM?

Frohms: Zum Beispiel, dass die Liga interessanter und die Konkurrenz größer wird - das haben wir in der Hand und tragen auch dazu bei. Wir können selbst beeinflussen, dass es spannend ist, unsere Spiele anzuschauen. Wir dürfen aber auch nicht müde werden, Werbung zu machen, dass die Leute ins Stadion kommen, sich die Spiele im Fernseher anschauen - und dass sie da sichtbarer sind, auch in den Öffentlich-rechtlichen, auch mit der Nationalmannschaft.

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Das Interview führte Ann-Kathrin Rose.

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