Sjoeke Nüsken, während sie rennt.

Für Sjoeke Nüsken hätte 2021 kaum besser laufen können - bei Eintracht Frankfurt ist sie Stammspielerin und auch im DFB-Team gesetzt. Im Interview spricht sie über den Umgang mit Niederlagen, große Ziele und eine mögliche Vertragsverlängerung.

Sjoeke Nüsken ist in diesem Jahr nicht nur bei ihrem Club Eintracht Frankfurt zur Führungsspielerin gereift. Auch aus dem Nationalteam ist die 20-Jährige nicht mehr wegzudenken. Wie sie damit umgeht, warum sie im kommenden Sommer auf ihren Urlaub verzichten würde und ob sie ihren Vertrag verlängern will, darüber spricht sie im Interview.

hessenschau.de: Es war ein aufregendes Jahr - für Sie ganz persönlich, für die Eintracht, wie fällt Ihre Bilanz aus?

Sjoeke Nüsken: Wir haben fußballerisch, aber auch als Team einen Riesenschritt gemacht. Das zeigt unsere Platzierung zur Winterpause (Rang vier; Anm. der Red.). Natürlich gab es auch Spiele wie in Bremen (0:1; d. Red), die nicht so toll waren - aber insgesamt haben wir eine super Saison gespielt.

hessenschau.de: Im Sommer ist die erste Saison unter dem Dach der Eintracht zu Ende gegangen - eine turbulente, in der nicht alles rund lief. Am Ende gab es in der Liga Rang sechs, aber vor allem auch ein DFB-Pokalfinale. Wie haben Sie diese erste Saison mit dem Adler erlebt?

Nüsken: Es lief natürlich nicht alles rund, aber eine Fusion braucht eben auch Zeit. Durch das DFB-Pokalfinale haben wir einen guten Schwung mit in die nächste Saison genommen und sind auch als Team zusammengewachsen.

hessenschau.de: Das DFB-Pokalfinale war sicher eines der dramatischsten Spiele des Jahres - Sie haben Wolfsburg einen harten Fight geliefert, mussten eine schwere Verletzung von Tanja Pawollek und einen späten Nackenschlag in der Nachspielzeit hinnehmen. Wie haben Sie ganz persönlich, aber auch als Team dieses Spiel verarbeitet?

Nüsken: Natürlich war das sehr bitter, weil wir einfach alles reingeschmissen haben und das Tor ja einfach auch so spät gefallen ist. Aber ich glaube, wir haben alle TV-Zuschauer auf unsere Seite ziehen können. Am Ende sind wir stolze Verliererinnen gewesen. Das hat uns zusammengeschweißt, weil wir füreinander da waren und uns getröstet haben.

hessenschau.de: In der neuen Saison wirkt das Team gereifter, als hätte die nicht immer einfache, erste Spielzeit dabei geholfen. Wie nehmen Sie das wahr?

Nüsken: Wir sind als Team zusammengewachsen, und das spürt man auch auf dem Platz. Wir kämpfen füreinander und machen privat mal was zusammen. Das tut uns gut. Auch im Laufe der Saison. Wir haben viele Emotionen geteilt, und das stärkt unser Team. Da denke ich etwa an den sehr emotionalen Sieg über Bayern München, da brach, wie alle sehen konnten, beim gemeinsamen Jubel jede Menge heraus.

hessenschau.de: Und trotzdem gibt es sie noch, die unnötigen Niederlagen wie zuletzt in Bremen. Wie gehen Sie damit um?

Nüsken: Das war schon ein harter Rückschlag, weil wir in der Tabelle einfach noch ein paar Plätze hätten gut machen können. Aber auch das gehört zu unserer Entwicklung dazu. Wir lernen durch solche Rückschläge und haben es gegen Sand zuletzt viel besser gemacht und die Fehler direkt abgestellt.

hessenschau.de: Zur Winterpause steht nach dem Sieg in Sand Rang vier - wo kann es hingehen mit dem Team?

Nüsken: Mein Traum ist, dass wir am Ende mindestens auf Rang drei stehen. Das ist zwar noch ein weiter Weg dahin, aber wenn wir so weiter machen, können wir das auf jeden Fall schaffen

hessenschau.de: Zuletzt haben viele Stammspielerinnen ihre Verträge verlängert, gerade noch Barbara Dunst und Sophia Kleinherne. Ihr eigener Vertrag läuft bis zum Sommer. Wann verlängern Sie?

Nüsken: Mal schauen (lacht). Wir sind ein super Team, in dem ich sehr gerne spiele.           

Audiobeitrag

Audio

Audioseite Sophia Kleinherne hat bis 2024 verlängert

Sophia Kleinherne im Zweikampf mit einer Hoffenheimerin
Ende des Audiobeitrags

hessenschau.de: Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg sagt über Sie, dass sie eine "Zukunftsspielerin" sind, weil Sie so vielseitig sind und sie Sie nach und nach auch noch mehr mit in die Verantwortung nehmen will. Was macht das mit Ihnen?

Nüsken: Ich freue mich natürlich, das zu hören, und dass die Bundestrainerin auf mich baut. Ich freue mich auch auf alles, was kommt - und dann schauen wir mal, wie weit es geht.

hessenschau.de: Im kommenden Sommer steht die EM an - möchten Sie lieber ausgedehnt Urlaub machen oder in England sein?

Nüsken: Das ist leicht - natürlich nach England. Aber auch das ist noch ein weiter Weg. Ich will mich in den nächsten Spielen natürlich noch von meiner besten Seite präsentieren und der Bundestrainerin die Entscheidung, wer mitkommt, möglichst schwer machen. Fakt ist: Wir sind ein großer Kader und deshalb ist es ohnehin nicht leicht, weil es so viele gute Spielerinnen gibt.

hessenschau.de: Was wünschen Sie sich für 2022?

Nüsken: Ich wünsche mir auf jeden Fall, dass ich verletzungsfrei bleibe - das ist das Wichtigste. Aber natürlich auch, dass es so weiterläuft, wie in diesem Jahr, weil wir mit dem Team eine super Entwicklung machen und weil es gerade echt richtig Spaß macht.

Das Interview führte Ann-Kathrin Rose