Imago Frohms

Die Fußballerinnen von Eintracht Frankfurt sind mit viel Euphorie in die Saison gestartet. Inzwischen ist davon aber nicht mehr viel übrig. Nach mauen Ergebnissen soll jetzt die Wende her – und das ausgerechnet gegen zwei Top-Teams.

Merle Frohms wischte sich den Schweiß von der Stirn, zog ihre leuchtend orangefarbenen Handschuhe noch einmal fest, und lenkte nur Augenblicke später den nächsten Ball über das Tor. Schon wieder.

Die Torhüterin der Frankfurter Fußballerinnen krachte an diesem Abend unzählige Male auf den Rasen, die schlammigen Flecken auf ihrem gelben Dress wurden mehr, sie parierte glänzend. Und doch stand es am vergangenen Freitag gegen Potsdam am Ende 0:1. Eine Niederlage. Mal wieder. An Frohms lag es freilich nicht.

Eigentlich hatte sich das Team von Trainer Niko Arnautis für dieses Spiel so viel vorgenommen, wollte den Rückenwind aus dem DFB-Pokal mitnehmen, um auch in der Liga endlich nicht mehr den eigenen Ambitionen hinterherzulaufen. Denn die sind groß.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Eintracht-Niederlage gegen Turbine Potsdam

Tanja Pawollek von Eintracht Frankfurt im Duell mit Karoline Smidt Nielsen von Turbine Potsdam
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Mit der Fusion des einstigen 1. FFC Frankfurt mit der Eintracht im Sommer wuchsen schließlich nicht nur der Etat, sondern auch die Ansprüche der neuen Adler-Trägerinnen. Und die Euphorie.

Die schien – und das trotz fehlender Fans im Stadion – schon im Sommer riesig. Das erste Spiel im Waldstadion, die Eintracht im Namen, das alles Zeichen für mehr Sichtbarkeit, nicht nur in der Stadt, sondern auch auf der großen Fußball-Bühne. Der jahrelange Kampf um Anerkennung, er sollte sich mit der Fusion nun auch sportlich niederschlagen.

Schließlich hat Arnautis das Team in den vergangenen Jahren geformt, geduldig an Spielphilosophie und Stil gearbeitet, mit gezielten Verstärkungen wollten sie nun gemeinsam den nächsten Schritt gehen. Frohms ist eine jener Neuverpflichtungen – die Nationalkeeperin, die wie zuletzt gegen Potsdam ein starker Rückhalt ist. Dass Frohms sich für die Frankfurterinnen entschied, galt als Signal, als Zeichen: Hier entsteht etwas Großes.

November-Blues

Ein Ziel für die erste Saison als Eintracht haben Arnautis und auch Sportdirektor Siegfried Dietrich bewusst nicht ausgegeben, setzten bei der ersten Pressekonferenz im Sommer auf Euphorie statt Versprechen. Dass die Frankfurterinnen hinter den beiden Spitzenteams VfL Wolfsburg und Bayern München aber Rang drei und damit die Qualifikation zur Champions League ins Visier nehmen wollten, war deutlich herauszuhören.

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Pressekonferenz bei den Eintracht Frankfurt Frauen
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Wenige Monate später, im November, ist von der Euphorie des Sommers nicht mehr viel übrig. Die Fußballerinnen der Eintracht straucheln, haben nur eine der vergangenen fünf Partien gewonnen und offenbarten gegen Potsdam ungeahnte Schwächen im Spiel nach vorn.

Zwar waren sich Coach Arnautis und Kapitänin Tanja Pawollek einig, dieses Spiel hätten sie nicht verlieren müssen – dazu hätten sie aber mehr als nur eine Torchance herausspielen müssen. Das dürfte auch daran gelegen haben, dass die zweiten Bälle nur allzu oft ungenutzt blieben und die Eintracht vom Pressing der Potsdamerinnen bisweilen sogar überrascht wirkte.

Wende ausgerechnet gegen Top-Teams?

Dabei fehlt es dem Team nicht an Qualität, an Kampfgeist oder Willen. Das haben die Frankfurterinnen in den ersten Saisonspielen gezeigt. Da lief – wie etwa beim Auftakt gegen Bremen – selten alles nach Plan, die Arnautis-Elf aber war stets für eine Überraschung gut, schien immer noch Ideen und Mittel zu haben, um ein Spiel drehen zu können.

Gegen Turbine strahlte sie das nur selten aus. Das Problem: Die schwierigen Spiele in Wolfsburg am Freitagabend (19.15 Uhr) und zuhause gegen Bayern kommen erst noch. Und schon jetzt beträgt der Rückstand auf Rang drei fünf Punkte.

Um den Champions-League-Platz nicht komplett aus dem Blick zu verlieren, muss die Eintracht punkten. Wie schwer das wird, scheint aber auch klar. "Wir gehen als Underdog ins Spiel – aber man weiß ja nicht, was in 90 Minuten alles passieren kann", sagt Arnautis vor der Partie beim VfL.

"Auch Wolfsburg ist in dieser Saison schlagbar"

"Aber das Ergebnis gegen die Bayern am vergangenen Sonntag hat gezeigt, dass auch Wolfsburg diese Saison schlagbar ist", ergänzte Top-Torschützin Laura Freigang mit Blick auf das 1:4 der Tabellenzweiten. Und so wird es auch am Freitag mal wieder nicht nur auf Keeperin Frohms ankommen. Sondern auf das gesamte Team.