Eintracht Frankfurt Fußballerinnen

Die Fußballerinnen von Eintracht Frankfurt müssen eine Woche nach dem Fight im Pokalfinale noch einmal in der Bundesliga ran. Beim Spiel in München geht es für die Gegnerinnen um die Meisterschaft, für die Arnautis-Elf aber um etwas ganz anderes.

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Eine traurige Eintracht-Spielerin
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Eigentlich sollten Trainer nie sprachlos sein. Eigentlich. Denn es gibt Momente, da können auch dieser Berufsgruppe mal kurz die Worte fehlen. Niko Arnautis hat am vergangenen Sonntag so einen erlebt. Als sein Team, die Fußballerinnen von Eintracht Frankfurt, das Pokalfinale verloren hatte. In der 118. Minute. Nach einem enormen Fight. Einer Teamleistung, die Grenzen und Dimensionen sprengte. Und dann änderte ein perfekt ausgespielter Angriff der Wolfsburgerinnen alles, der Traum vom Titel war geplatzt.

Und Arnautis? Fand nur wenige Minuten nach Spielende schon wieder Worte, sprach mal ruhig, mal emotional mit seinen Spielerinnen. "Mehr als das, was die Mannschaft aufs Feld gelegt hat, geht nicht", erzählt Arnautis im Gespräch mit dem hr-sport. "Ich habe ihnen gesagt: Wenn man verlieren darf, dann mit der Leistung. Das war sensationell, herausragend."

Back to Bundesliga-Business

Und doch war die Enttäuschung nach dieser emotionalen Partie, nach einer Saison voller Höhen und Tiefen, Rückschlägen, Corona-Qurantänen, Spielausfällen und Aufholjagden riesig. "Das tut schon weh", so Arnautis. Daran änderte auch die Anerkennung nichts, der Respekt, den sich das junge Team spätestens mit diesem Auftritt erspielt hat. "Das tut im Herzen weh, wenn ich mir das Tor nochmal vor Augen führe."

Zwei Tage hat er seinen Spielerinnen nach dem Finale freigegeben, um die Niederlage sacken zu lassen. Dann aber musste es weiter gehen – das Bundesliga-Business steht an. Denn am Sonntag wartet eine Woche nach dem Saisonhighlight Pokalfinale noch der Abschluss in der Liga. Der Spielplan will es so. Die Eintracht muss nach München. Dort wollen die Bayern Meister werden; Frankfurt kann das verhindern und damit ausgerechnet dem VfL Wolfsburg im Fernduell helfen. "Wir sind uns der Wichtigkeit des Spiels bewusst", so Arnautis.

Körner zusammenkratzen

Der Titelkampf ist das eine, ein guter Abschied aus der Saison das andere. "In erster Linie spielen wir fürs uns selbst. Wir müssen noch einmal alle Kräfte mobilisieren, dass wir körperlich und mental noch einmal die Körner zusammenbekommen, um für uns noch einen tollen Abschluss zu erzielen." Die Körner, sie sind rar nach dem Finale, der Zusammenhalt aber ist groß.

Exemplarisch dafür steht eine Szene: Sie zeigt Tanja Pawollek, die Kapitänin, die sich im Spiel das Kreuzband gerissen und zunächst weiter gespielt hatte, aber schließlich unter Tränen ausgewechselt werden musste, auf dem Rücken von Keeperin Cara Bösl. Getragen, zur Medaille. Die letzten Meter stützten Bösl und Torkollegin Merle Frohms ihre Mitspielerin Pawollek, die ihre letzten Kräfte mobilisierte und sich mit dick bandagiertem Knie und erhobenen Hauptes Edelmetall abholte. "Mehr Team als wir kannst du nicht sein", so Arnautis.

"Sie werden sehr stolz auf sich sein"

Pawollek hat am vergangenen Sonntag eine Entscheidung getroffen, für sich und für ihr Team. "Sie ist gleich am nächsten Morgen in Köln operiert worden. Sie wollte das sofort machen lassen", so der Coach. Bloß keine Zeit verlieren. "Wir stehen hinter ihrer Entscheidung." Die OP ist gut verlaufen und Pawollek nach zwei Tagen Klinik bereits wieder zu Hause. "Es geht ihr gut." Arnautis hofft, dass sie im Januar wieder ins Training einsteigen kann.

Dann sollten auch die Schmerzen weg sein, zumindest, was das Knie angeht. "Spätestens in ein paar Wochen und Monaten werden sie sehr stolz auf sich sein, auch wenn sie immer einen kleinen Schmerz verspüren werden. Aus dem Grund, weil es einfach so knapp war", glaubt Arnautis. Dann aber können sie darüber reden. Denn sprachlos ist auch dieses Team eigentlich nie.