Vor 20 Jahren schoss Jan Aage Fjörtoft Eintracht Frankfurt mit seinem legendären Übersteiger zum Klassenerhalt – und sich selbst in die Geschichtsbücher. Dabei war die Art, wie er den Treffer erzielte, für Fjörtoft gar nichts Außergewöhnliches.

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Fjörtoft Übersteiger

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found So klang der Fjörtoft-Übersteiger 1999 im Radio

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Jan Aage Fjörtoft hat schon oft über das wohl wichtigste Tor seiner Karriere gesprochen. Wird das nicht langsam nervig? "Absolut nicht, ich war als Spieler ein kleiner Teil der Geschichte des Vereins. Es ist gut, dass man sich erinnert und ich dieses Erlebnis mit so vielen Leuten geteilt habe", sagt Fjörtoft. Der norwegische Stürmer hat sich mit seinem Übersteiger-Tor zum 5:1 gegen den 1. FC Kaiserslautern unsterblich gemacht.

Rückblende: Die Ausgangslage im Abstiegskampf 1999 ist kritisch. Vor dem letzten Spieltag am 29. Mai stehen die Frankfurter auf einem direkten Abstiegsplatz. "Wir waren fertig, in den Wochen zuvor hatte uns keiner auf der Rechnung", schildert Fjörtoft. Ein Sieg gegen den FCK muss her, aber "in allen Stadien Deutschlands ist alles gegen uns gegangen", erzählt der heutige TV-Experte.

"Wir brauchen noch ein Tor, wir brauchen noch ein Tor!"

Als die Eintracht schon 4:1 führt, schreit die ganze Eintracht-Bank aufs Spielfeld: "Wir brauchen noch ein Tor, wir brauchen noch ein Tor!" Und Fjörtoft macht es. In der vorletzten Minute trickst er FCK-Torwart Andreas Reinke mit einem lässigen Übersteiger aus und schiebt den Ball ein. Frankfurt ist gerettet, der 1. FC Nürnberg steigt ab.

Während die Frankfurter jubeln, bricht in Nürnberg eine Fußball-Welt zusammen. Das 1:2 gegen den SC Freiburg bedeutet den Abstieg, und das obwohl der "Club" als Tabellenzwölfter mit der komfortabelsten Ausgangslage in das Saisonfinale gegangen war. Der FCN hatte seine Mitglieder sogar schon über die Ticketpreise für die nächste Saison in der Bundesliga informiert. "Das ist wie bei einem Sterbefall", sagt Mittelfeldspieler Knut Reinhardt damals direkt nach dem Spiel. "Wir waren fast gesund und sind plötzlich verschieden."

"Da ist mir richtig übel geworden"

Fjörtoft übermannen die Gefühle mit Verspätung. Erst zu Hause begreift er die Dramatik, als er sich die anderen Spiele im Fernseher anschaut. "Da ist mir richtig übel geworden, da habe ich erst verstanden, was wir geschafft haben und wie eng es war", sagt er.

Das Übersteiger-Tor wird für die Eintracht immer etwas Besonderes bleiben. "Alle Tore waren wunderschön, mein 5:1 ist nur das Symbol für das Spiel", sagt Fjörtoft. Ein Symbol dafür, dass alles möglich ist. Der frühere Eintracht-Trainer Niko Kovac hat seine Mannschaft im Abstiegskampf 2016 mit Videos von der Aufholjagd 1999 motiviert. Kovac hat sich damals auch mit Fjörtoft, der heute als internationaler Markenbotschafter für die Hessen arbeitet, ausgetauscht.

In seiner Heimat spricht man vom "Fjörtoft-Trick"

Für Fjörtoft war die Art, wie er den Treffer erzielte, nicht außergewöhnlich. Er hat diese Finte in seiner Karriere mehrmals erfolgreich vollbracht, hat die Technik schon in der Jugend trainiert. In seiner Heimat spricht man daher vom "Fjörtoft-Trick". Schon 1993 macht er als Nationalspieler mit einem Übersteiger-Tor gegen Polen die erste WM-Teilnahme für Norwegen nach 56 Jahren perfekt. Als Fjörtoft das Tor später dem damaligen Eintracht-Trainer Jörg Berger zeigt, reagiert der fassungslos: "Das gibt's nicht, das kann man nicht zweimal machen, das glaube ich nicht."

Gegen den FCK wendet Fjörtoft den Trick instinktiv an. "Ich habe das gemacht, weil es das Einzige in meinem Kopf war, das war das beste Werkzeug", schildert er die Szene. Seine Mitspieler erklären ihn später dagegen für verrückt. In diesem Jahr hat der Übersteiger in Frankfurt übrigens ein Comeback gefeiert. Sébastien Haller traf auf diese Weise in der Europa League gegen Schachtar Donezk. Fjörtoft findet das cool: "Mein Erbe in Frankfurt geht weiter."