Impressionen vom Empfang der Eintracht

In ihrem Buch "59 Eintracht-Orte" machen die Autoren Matthias Thoma und Axel Hoffmann Eintracht-Geschichte zugänglich – und das im wahrsten Wortsinn. Hier sind sieben der 59 Orte, die die Geschichte des Frankfurter Clubs geprägt haben.

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Gaststätte Friedrichshof

Düsseldorfer Straße 14

Beim Blick auf das schnöde Bürogebäude in der Düsseldorfer Straße 14 ahnt man es nicht unbedingt, aber der Ort zwischen Hauptbahnhof und Messe, ehemals Hohenzollernstraße 14, atmet Eintracht-Geschichte wie kaum ein anderer. In grauer Vorzeit, genauer: am 8. März 1899, gründeten hier eine Handvoll Abtrünnige des Frankfurter Fußball-Club Germania rund um Albert Pohlenk in der Gaststätte Friedrichshof den Eintracht-Vorgängerverein Frankfurter FC Victoria 1899. Praktisch: Mit dem Betreiber der Gaststätte, dem Vater von Mitbegründer Emil Müller, wurde direkt der erste Sponsor gefunden. Er stiftete den Ball. 121 Jahre später ist der Rest Geschichte. Und mal wieder zeigt sich: Die besten Ideen kommen einem noch immer in der Kneipe.

Hundswiese

Eschersheimer Landstraße 181 / Miquelallee

Früher war mehr Lametta? Von wegen. Während die Eintracht-Spieler heute vor 50.000 Fans im Deutsche Bank Park kicken (oder das zumindest tun würden, wäre nicht Pandemie) und auf gepflegten Trainingsplätzen ihrer Fußballarbeit nachgehen, waren die Anfänge der Frankfurter Fußballer weit weniger komfortabel.

Auf der Hundswiese, einer Vorstadtwiese an der heutigen Miquelallee, die zum Spazierengehen und für Versammlungen genutzt wurde, mussten die Spieler der Frankfurter Vorgängervereine Victoria und Frankfurter Kickers Ende des 19 Jahrhunderts ihren Platz noch selbst bespielbar machen, Tore aufstellen, Netze einhängen und sich dann trotzdem von flanierenden Spaziergängern stören lassen.

Umgezogen wurde sich zunächst sogar in einem ehemaligen Hühnerstall, den die Spieler der Victoria schließlich eigenhändig renovierten. Trotz aller Widrigkeiten fanden hier auch die ersten Pflichtspiele der Eintracht-Vorgängervereine statt.

Römerberg

Klar, wer Sightseeing in Frankfurt macht, kommt auch ohne Eintracht-Affinität am Römerberg nicht vorbei. Das Rathaus mit der charakteristischen Treppengiebelfassade, drumherum das pittoreske Fachwerk, in der Mitte der Gerechtigkeitsbrunnen – der Römerberg, Millionen Touristen können nicht irren, ist immer einen Ausflug wert. Aber kleiner Tipp: So schön das Gelände sein mag, kommt es doch noch ein bisschen besser zur Geltung, wenn die Eintracht gerade zufällig einen Pokal präsentiert.

Momentaufnahme der Pokalfeierlichkeiten auf dem Frankfurter Römer mit Kevin-Prince Boateng

Uhrenfachgeschäft Albert Pohlenk

Eckenheimer Landstraße 57b

Albert Pohlenk gilt gemeinhin als Gründervater der Eintracht, er war federführend für die Abspaltung des späteren Frankfurter Fußballclub Victoria von Germania Frankfurt verantwortlich und prägte den jungen Verein wie kein anderer. In der Eckenheimer Landstraße 57b hatte Pohlenk sein Uhrenfachgeschäft, heute beherbergt das Gebäude eine kleine Galerie. Doch Pohlenks Spuren sind noch zu sehen: in verblichenen goldenen Buchstaben über dem Eingang. Ehre wem Ehre gebührt.

Die Eintracht-Häuser

Über Street-Art kann man ja geteilter Meinung sein, was aber die Künstler von "Frankfurter Farbe" seit einigen Jahren an die Fassaden Frankfurts zaubern, ist nicht nur für Eintracht-Fans ein Augenschmaus. Im Grüneburgweg 81 verzierte das Künstlerkollektiv anlässlich des Pokalsiegs 2018 eine komplette Hauswand mit dem DFB-Pokal, in der Werrastraße 22 stemmt ein überlebensgroßer Charly Körbel den Uefa-Cup in die Höhe und in der Heidestraße 111 wurde das alte Waldstadion verewigt. Schon seit 2013 ziert Anthony Yeboahs Antlitz die Hausfassade der Melibocusstraße 86, ein Zeichen gegen Rassismus, in Szene gesetzt vom Künstler Mathias Weinfurther.

Graffiti von Charly Körbel in Bockenheim

Gaststätte Alfred Pfaff

Kornmarkt 10

Es müssen selige Zeiten gewesen sein, als man noch bei einer waschechten Eintracht-Legende gemütlich am Tresen sitzen und sich alte Eintracht-Geschichten anhören konnte. So geschehen in der Gaststätte Alfred Pfaff, die der Weltmeister von 1954 und Spielmacher der Meisterelf von 1959 an der Hauptwache von 1956 bis 1971 betrieb. Gemeinsam mit Frau Edith, zwei Aushilfen in der Küche und zwei Kellnern, gab es solide Hausmannskost und noch solidere Partys zu Fasching und vor allem nach der Deutschen Meisterschaft der Eintracht 1959. Heute ist hier die Bar Helium ansässig, eine Meisterfeier steht noch aus.

J. & C.A. Schneider

Mainzer Landstraße 251 bzw. 281 – 291

Anfang des 20. Jahrhunderts war J. & C.A. Schneider einer der größten Hausschuhhersteller der Welt, dessen Chefs Fritz und Lothar Adler und Walter Neumann große Eintracht-Fans waren. Als 1925 der FSV Frankfurt im Endspiel um die Deutsche Meisterschaft stand, beschloss Neumann gemeinsam mit seinem Angestellten und Eintracht-Schatzmeister Hugo Reiss, die Eintracht zu unterstützen. In der Folge fanden viele Spieler eine berufliche Heimat beim Schlappen-Hersteller, der Spitzname "Schlappekicker" wurde geboren.

Die flexiblen Arbeitszeiten ermöglichten einen sportlichen Aufschwung der Eintracht, die die Main-Meisterschaft 1927 und die Süddeutsche Meisterschaft 1932 gewann. Mit der Machtübernahme der Nazis endete jedoch das Engagements J. & C.A. Schneiders bei der Eintracht zwangsweise, denn sowohl Schneider als auch die Brüder Adler waren Juden und mussten die Firma weit unter Wert verkaufen. Schneider emigrierte nach England, die Gebrüder Adler flohen nach New York.