David Abraham von Eintracht Frankfurt

Das Karriereende von David Abraham reißt bei Eintracht Frankfurt große Lücken. In der Winterpause müssen mehrere Positionen intern und extern ausgeschrieben werden. Das Binnenklima könnte leiden.

Audiobeitrag

Audio

Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Kapitän Abraham verkündet seinen Abschied aus Frankfurt

David Abraham gegen Hoffenheim
Ende des Audiobeitrags

Auf den Tag genau ein Jahr nach dem Bodycheck gegen Freiburgs Trainer Christian Streich bestimmt David Abraham erneut die Schlagzeilen bei Eintracht Frankfurt. Anders als im November 2019, als der Argentinier wegen seines Remplers zu Recht im Zentrum bundesweiter Kritik stand, geht es dieses Mal deutlich ruhiger und menschlicher zu.

Abraham wird die Eintracht im Januar vorzeitig verlassen und in seine Heimat zurückkehren. Grund: Der 34-Jährige vermisst seinen Sohn. "Ich freue mich auf meine Familie", verkündete er im Kicker. Ab sofort soll Filius Alfonso an erster Stelle stehen.

Die Eintracht muss handeln

Ein nachvollziehbarer Wunsch, den die Eintracht ohne Zögern erfüllte. Fünf Jahre lang hielt Abraham seine Knochen für die Hessen hin und führte sie 2018 als Spielführer zum DFB-Pokalsieg. Den Schritt in den Vorruhestand hat sich Abraham verdient, der Abschied des Leistungsträgers schmerzt aber schon jetzt und stellt die Eintracht vor große Herausforderungen: In der Winterpause müssen nicht nur ein neuer Innenverteidiger und ein neuer Kapitän gefunden werden, Abrahams Karriereende reißt auch in der Kabine eine Lücke.

"David ist ein ausgezeichneter Profi. Er hat immer ein offenes Ohr und steht jedem mit Rat und Tat zur Seite", schwärmte der junge Brasilianer Tuta erst vor wenigen Wochen von seinem Ziehvater. Ein Haudrauf für alle Lebenslagen.

Ein hilfsbereiter Rüpel

So rüpelhaft Abraham zuweilen auf dem Platz ist, so zuvorkommend ist er abseits des Rasens. Während er in der Bundesliga gerne mit den Ellenbogen vorangeht und in 170 Pflichtspielen für die Eintracht drei glatt Rote und 32 Gelbe Karten sah, fungiert er im Team eher als starke Schulter.

Abraham vermittelte bei Sprachbarrieren, half den Nachwuchsspielern und ging stets voran. Ein echter Leader, der dem Team von Trainer Adi Hütter ab der Rückrunde fehlen wird. Nach den Abgängen von Gelson Fernandes und Marco Russ im vergangenen Sommer ist Abraham der nächste Führungsspieler, der die Hessen verlässt. Allzu viele sind im aktuellen Aufgebot dann nicht mehr zu finden.

Ein Neuzugang muss her

Aber auch sportlich müssen Sportvorstand Fredi Bobic und Sportdirektor Bruno Hübner, die in die Pläne Abrahams schon sehr lange eingeweiht waren, erst einmal einen passenden Ersatz finden. Abrahams Mix aus Zweikampfstärke, Robustheit und Schnelligkeit verlieh der Eintracht stets Stabilität und Sicherheit, im Kader selbst bietet sich erst einmal kein Thronfolger an.

Mit Martin Hinteregger und Evan N'Dicka stünden zwar zwei gestandene Innenverteidiger bereit. Da Coach Hütter auf der rechten Abwehrseite aber stets auf einen Rechtsfuß setzt, wie er mehrmals betonte, fallen die beiden raus. Bliebe der 21 Jahre alte Tuta, der jedoch noch Zeit braucht. Heißt: Ein neuer Mann muss dringend her.

Gleiches gilt für das Kapitänsamt. Hier sind die Alternativen mit Makoto Hasebe, Kevin Trapp, Sebastian Rode oder auch Martin Hinteregger aber zahlreicher und schneller verfügbar.

Ohne Abraham wird es schwierig

Klar ist: Der Abschied von Abraham trifft die Eintracht auf gleich mehreren Ebenen hart. Der Argentinier schoss zwar hier und da über das Ziel hinaus, er prägte die Mannschaft aber entscheidend und war ein Garant für die Erfolge der vergangenen Jahre. Wie wertvoll er war, zeigte sich nicht zuletzt nach seinem Bodycheck gegen Streich. Während der anschließenden Sperre holte die Eintracht in sieben Spielen insgesamt nur einen Punkt.