Timothy Chandler im Zweikampf mit einem Bielefeld-Spieler

Durch Blitzstart und Torkunst hat sich Eintracht Frankfurt von Arminia Bielefeld überrumpeln lassen. Während Defizite in der Abwehr neue Sorgenfalten verursachen, werfen vergebene Großchancen altbekannte Fragen auf. Die Analyse in fünf Punkten.

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Highlights: Eintracht Frankfurt - Arminia Bielefeld

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Eintracht Frankfurt ist noch nicht im Fußball-Jahr 2022 angekommen. Das 0:2 (0:2) gegen Arminia Bielefeld am Freitagabend war bereits die zweite Niederlage im dritten Spiel. Patrick Wimmer hatte die Ostwestfalen früh in Führung gebracht (5. Spielminute), ehe Alessandro Schöpf noch in der ersten Halbzeit für den späteren Endstand sorgte (28.).

1. Die Eintracht ärgert sich über Defensivprobleme

Der 20. Bundesliga-Spieltag war rund fünf Minuten alt, da wurde die Frankfurter Mannschaft von ihren Gästen aus Bielefeld fußballerisch ein Mal komplett auf links gezogen. Weil die Hessen bei einem Einwurf der Arminia keinen Fuß an den zweiten Ball bekamen, sich Martin Hinteregger an der Strafraumkante auf Masaya Okugawa statt auf Janni Serra konzentrierte und Timothy Chandler auch noch in die Schuhe von Wimmer klärte, konnte der Bielefelder Offensivspieler zum schnellsten Tor seiner Mannschaft seit dem Aufstieg 2020 einschieben.

Bei Schöpfs 0:2, das Wimmer kunstvoll per Rabona-Trick auflegte, waren auf Außen Filip Kostic sowie in der Mitte Evan N'Dicka, Martin Hinteregger und Tuta viel zu weit weg von ihren Gegenspielern. Die Defensive der Hessen wackelte und wankte, eine ballsicher und zielstrebig wirkende Arminia brachte sie leicht zu Fall.

Eintracht-Trainer Oliver Glasner hatte den Gegner in einem 4-4-2 mit Raute erwartet, er und sein Team wurden aber ganz offensichtlich durch das 4-3-3 mit Serra als Mittelstürmer überrascht. Hinteregger, der vor der Partie über Schambeinprobleme geklagt hatte, spielte trotzdem – und wurde nach 45 Minuten durch Makoto Hasebe ersetzt. Eine Umstellung, die der Defensivzentrale in Glasners Team mehr Stabilität verlieh.

2. Borré, Lindström und Co.: Frankfurt vergibt zu viele Chancen

Insgesamt aber machten die Frankfurter kein schlechtes Bundesliga-Spiel, im Gegenteil. Bester Beleg: die reine Anzahl an (Groß-) Chancen. In den 90 Minuten brachten sie insgesamt 17 Bälle Richtung Bielefelder Tor – die Verwertung all dieser Möglichkeiten entpuppte sich allerdings erneut als eine Schwachstelle, die die Eintracht nach den vielleicht noch zu verkraftenden Ergebnissen gegen Dortmund (2:3) und in Augsburg (1:1) nun definitiv auf unnötige Art und Weise um wichtige Punkte bringt.

Daichi Kamada (12.), Jesper Lindström (16.) und allen voran Rafael Borré mit sogenannten Hundertprozentigen (35., 90.+3) hätten ihr Team in die Nähe von einem, wenn nicht sogar von drei Zählern bringen können. Keine Frage: Borré ist spätestens seit Anfang Dezember (vier Tore, vier Vorlagen) in der Liga angekommen, in der Frankfurter Offensive konzentriert sich aber nach wie vor zu viel auf die immer gleichen Akteure.

Ragnar Ache, Gonçalo Paciência und Sam Lammers spielen hingegen aus unterschiedlichen Gründen kaum bis gar keine Rolle – weshalb die Hessen in den nächsten Wochen aufpassen müssen, im Angriff keinen Rückschritt zu machen. Vielleicht sollten sie sich auch die Frage stellen: Braucht es bis zum Ende der Transferphase nicht doch noch einen Neuzugang im Sturm?

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Eintracht verliert gegen Bielefeld

Kevin Trapp Eintracht Frankfurt Arminia Bielefeld
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3. Filip Kostic: zurück, aber nicht immer da

Nein, es war weder klar noch selbstverständlich, dass Kostic nach überstandener Corona-Infektion und nur einem Spiel Pause sofort in die Startelf zurückkehrte. In Zeiten von Grenzwerten in PCR-Tests und kardiologisch dringend notwendigen Untersuchungen ist doppelte Vorsicht absolut nachvollziehbar. Fakt ist: Glasner schickte seinen Dampfmacher von der linken Seite von Beginn an aufs Feld – ein wichtiger Faktor war Kostic aber speziell in der ersten Hälfte nicht.

Nach der Pause, als die Eintracht vermehrt über die linke (und teils auch rechte) Seite spielte, war der 29-Jährige allerdings plötzlich wieder häufiger Mittelpunkt des spielerischen Geschehens. Nach knapp einer Stunde war er der Profi mit den meisten Torschussvorlagen (vier). In Augsburg war klar geworden: Frankfurt ist von Kostic abhängig. Das Spiel gegen Bielefeld hat verdeutlicht: Es braucht einen fitten Kostic, einen in Top-Form, um das Offensivspiel in Schwung zu halten. 

4. Bielefeld läuft der Eintracht davon

Um es nochmals zu betonen: Im Prinzip hat die Eintracht gegen Bielefeld keinen schlechten Auftritt hingelegt. Neben den vielen Torschüssen und dem klar erkennbaren Willen, das Spiel kämpferisch irgendwie doch noch an sich zu reißen, überzeugte Frankfurt beispielsweise auch durch knapp 65 Prozent Ballbesitz. Die vielleicht wichtigste Statistik des Abends – die Laufleistung – ging allerdings an die Arminia. Es war klar, dass dieses Match ein hochintensives werden würde. Aber dass Bielefeld mit 128,2 Kilometern einen Saisonrekord aufstellt? Schon weniger. Die Eintracht musste ihre Gäste schlichtweg laufen, musste sie ziehen lassen.

5. Und jetzt?

Hat die Eintracht zunächst einmal die sechste Saisonniederlage zu verarbeiten, das sind schon jetzt so viele wie in der kompletten Spielzeit 2020/21. Während Bielefeld den ersten Sieg gegen eine Frankfurter Mannschaft seit 15 Jahren feiert, blicken die Hessen nach drei Spielen im neuen Jahr auf nur einen von neun möglichen Punkten zurück. In der nun anstehenden Länderspielpause, in der allerdings innerhalb der UEFA nicht abgestellt werden muss, muss die Eintracht lediglich auf Kamada (Japan), Ajdin Hrustic (Australien) und Borré (Kolumbien) verzichten.

Viel Zeit für intensives Training, ein Testspiel am Donnerstag und drei freie Tage übers kommende Wochenende. Aber auch für Vorbereitung auf möglichst viele Englische Wochen mit Europa League – und vielleicht auch für die Frage nach einem eventuellen Neuzugang. Sportvorstand Markus Krösche sagte dazu noch am Freitagabend am DAZN-Mikro: "Transferpolitik wird bei uns nicht an Spielen festgemacht."

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Eintracht Frankfurt: Pressekonferenz nach dem Bielefeld-Spiel

Oliver Glasner
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Eintracht Frankfurt - Arminia Bielefeld 0:2 (0:2)

Frankfurt: Trapp, Tuta, Hinteregger,  (46., Hasebe ) , N'Dicka, Sow, Rode (61., Paciencia ), Chandler (74., Ache), Lindström, Kamada (87., Hrustic), Kostic, Borre

Bielefeld: Ortega Moreno,  Brunner, Pieper, Nilsson, Andrade, Vasiliadis (61., Kunze), Schöpf, Wimmer (72., Castro), Okugawa (83., Hack), Krüger (83., Laursen), Serra (61., Klos)

Tore:  0:1 Wimmer (5.), 0:2 Schöpf (28.)  
Gelbe Karten: Hasebe, Rode, Kostic, Paciencia / Nilsson, Andrade

Schiedsrichter: Tobias Reichel        
Zuschauer: 1.000    

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