Eintracht-Trainer Adi Hütter

Trainer Adi Hütter bleibt Eintracht Frankfurt erhalten und unterstreicht im ersten Statement seine Europa-League-Ambitionen. Die Ziele und Forderungen des Österreichers können den Hessen nur guttun. Jetzt müssen aber auch Taten folgen.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Eintracht-Trainer Hütter verlängert Vertrag bis 2023

Adi Hütter
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Als Adi Hütter im Frühsommer 2018 seinen ersten Arbeitstag bei Eintracht Frankfurt antrat, war er wohl nur einigen Experten ein Begriff. Dieser Trainer aus Österreich, genauer: Vorarlberg, war gerade Schweizer Meister geworden und erfüllte sich nun den eigenen Traum von der Bundesliga. Er habe ein Faible für spektakulären Offensivfußball und sei auch bei anderen Vereinen im Gespräch gewesen, hieß es damals. Viel mehr war nicht bekannt. "Als ich vor 27 Monaten hier saß, konnten nur wenige etwas mit mir anfangen", blickte Hütter am Donnerstag auf genau diesen Tag zurück.

104 Pflichtspiele, jeweils eine Halbfinal-Teilnahme in Europa League und DFB-Pokal sowie zwei einstellige Tabellenplätze in der Bundesliga später hat sich das geändert. Hütter ist inzwischen auch nördlich der Alpen ein angesehener Trainer und wurde für seine Leistungen folgerichtig mit einem neuen Vertrag bis 2023 ausgestattet. "Es ist toll, wie sich dieser Verein entwickelt hat", begründete Hütter seine Entscheidung pro Eintracht. "Ich will, dass dieses Projekt weitergeht. Wir wollen wieder international dabei sein."

Hütter hat kein Bock auf Mittelmaß

Die Gründe für Hütters Verbleib in Frankfurt liegen, gerade in Zeiten von Corona, auf der Hand: Die Eintracht ist ein gutgeführter Verein in einer der besten Ligen Europas. Eine Formsache, das hatte Hütter zu Beginn der Vorbereitung betont, war seine Unterschrift aber nicht. Nach zwei Kaderumbrüchen und jeder Menge prominenter Abgänge in den vergangenen Jahren war Hütter die Perspektive wichtig. "Ich möchte eine schlagkräftige Mannschaft haben", sagte er Ende Juli.

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zum Video Adi Hütter verlängert bei Eintracht Frankfurt: die komplette Pressekonferenz

Adi Hütter während der Pressekonferenz
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Wie schlagkräftig seine Mannschaft letztlich tatsächlich sein wird, ist angesichts der offenen Zukunft von Filip Kostic und des laut Sportvorstand Fredi Bobic "sehr, sehr schweren Transfermarkts mit allerlei Was-wäre-wenn-aber-Vielleichts" auch Anfang September noch nicht sicher. Hütter scheint der Eintracht, die in der Vergangenheit auf und neben dem Platz oft die Sicherheitsvariante wählte, aber klargemacht zu haben, dass er auf Dauer kein Mann fürs Mittelmaß ist. Hütter kitzelte die Verantwortlichen zu Zugeständnissen.

Trapp und Hinteregger bleiben, Hütter bleibt

Einen Zusammenhang zwischen den Treuebekenntnissen von Martin Hinteregger und Kevin Trapp, zwei absolute Leistungsträger und Lieblingsschüler von Hütter, und seiner Unterschrift dementierte Hütter zwar. Dass die Verhandlungen deutlich länger dauerten, als von Bobic in Aussicht gestellt, ist aber sicher kein Zufall.

"Es hat ein bisschen gedauert, es ging aber rein um inhaltliche Themen. Wir wollen die Mannschaft besser machen, Spieler mit Fantasie verpflichten und junge Spieler entwickeln", so Bobic. Das Generieren von Transfererlösen, eigentlich Bobics großes Steckenpferd, gab er dieses Mal nicht als Ziel vor. Bemerkenswert.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Eintracht-Coach Hütter über seine Vertragsverlängerung

Adi Hütter beim Spiel der Eintracht in Amsterdam
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"Sehe mich als Entwicklungstrainer"

Passend dazu wiederholte Hütter am Donnerstag noch einmal einen Satz, den er schon bei seinem Abschied von RB Salzburg gesagt hatte: "Ich sehe mich nicht als reinen Ausbildungstrainer." Heißt: Hütter arbeitet zwar gerne mit jungen Spielern und bildet Talente aus, er will davon aber auch selbst profitieren. Anders als beim kleinen Brauseclub-Bruder, wo laut Hütter "jedes Jahr die Champions League angepeilt wird und dann verlassen die drei besten Spieler den Verein", möchte er seine Stars auch mal behalten und dann das Team als Ganzes besser machen. "Ich bin ein Entwicklungstrainer."

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Die Highlights des Testspiels zwischen Eintracht Frankfurt und dem 1. FSV Mainz 05 gibt es am Samstag ab 17.15 Uhr im hr-heimspiel.

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Eine Aufgabe, die er im vergangenen Jahr etwas vernachlässigte. Der Bessermacher Hütter, der in seiner ersten Saison mit den passenden Spielern noch auf hohes Pressing, schnelles Umschalten und viel Risiko setzte, musste im vergangenen Jahr umdisponieren. Ergebnis stand vor Spektakel, die Entwicklung stagnierte. "Jetzt möchte ich wieder eine Mannschaft haben, die versucht, die Art und Weise von Fußball aus dem ersten Jahr zu spielen." Das Alter seiner Profis spielt dabei keine Rolle.

Knackt Hütter seinen Rekord?

Klar ist: Sollte Hütter die richtigen Spieler dafür bekommen (oder behalten dürfen), muss er in seinem dritten Jahr in Frankfurt aber auch liefern. Der Entwicklungstrainer muss die Mannschaft weiterentwickeln und auf das nächste Level hieven. Ob er das schafft, wird sich in den kommenden Monaten zeigen. Länger als drei Jahre, auch das wurde am Donnerstag noch mal betont, war Hütter übrigens noch nie bei einem Club.