Jubel beim FFC Frankfurt

Der 1. FFC Frankfurt geht als klarer Außenseiter ins Duell mit Dauer-Doublesieger VfL Wolfsburg. Auf dem Papier spricht alles für einen Sieg der Wölfinnen, mit etwas Fantasie haben aber auch die Hessinnen eine Chance.

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Zunächst die Fakten: Der 1. FFC Frankfurt empfängt am Sonntag (14 Uhr) Spitzenreiter, Dreifach-Doublesieger und Meisterschaftsfavorit VfL Wolfsburg im heimischen Stadion am Brentanobad. Die Mannschaft von Trainer Niko Arnautis ist nach starkem Saisonstart inklusive Auftakt-Coup gegen Potsdam und Ausrutscher in Sand Fünfter. Der VfL steht, wie könnte es anders sein, ohne Punktverlust an der Spitze der Frauenfußball-Bundesliga-Tabelle. "Da kommt die wohl beste Mannschaft Europas zu uns", sagte FFC-Manager Siggi Dietrich im Gespräch mit dem hr-sport. "Wir freuen uns auf ein geiles Spiel."

Keine Chance, aber...

Geil: ja. Aber auch erfolgreich? Die Favoritenstellung ist eindeutig, alles andere als eine Frankfurter Niederlage läge irgendwo im Bereich zwischen Sensation und Paukenschlag. Selbst "ein knappes Ergebnis", also eine ertragbare Pleite, wäre für Dietrich schon eine große Überraschung. "Da muss alles passen, wir sind ganz klarer Außenseiter."

Ob es dennoch Faktoren gibt, die für einen Sieg des FFC sprechen? Der hr-sport hat den 1. FFC Frankfurt und die Fußballerinnen des VfL Wolfsburg miteinander verglichen. Ergebnis: Die Unterschiede sind groß, es gibt aber auch Mutmacher.

1. Küken gegen Wölfinnen

Das Duell zwischen dem FFC und dem VfL ist gleichzeitig ein Kräftemessen der Generationen. Während die Hessinnen vornehmlich auf hungrige Nachwuchskräfte setzen, kommen die Gäste aus der Autostadt über die Erfahrung. Der Frankfurter Altersdurchschnitt von 22,3 ist der niedrigste, der Wolfsburger Querschnitt mit 26,8 der höchste der Liga. Küken gegen Wölfe also. Die Frage, wer wen verspeist, ist jedoch nicht final erklärt.

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"Wir haben die meisten jungen Talente, Wolfsburg eine Europa-Elf", fasst Dietrich die Ausgangslage zusammen. Aber: Alter ist kein Verdienst. Und bei einem Blick auf die Wetteraussichten mit zehn Grad, Nieselregen und tiefem Boden wird zudem jedes zusätzliche Jahr zur Belastung. Stichwort knarzende Gelenke. Tendenz: Da geht was.

2. Die Ballerfrauen kommen

Über mangelnde Beschäftigung oder kalte Hände wird sich FFC-Torfrau Bryane Heaberlin am Sonntag sicher nicht beschweren können. Der VfL Wolfsburg hat mit Pernille Harder (7 Tore) nicht nur die gefährlichste Torjägerin der ganzen Liga im Kader, mit Ewa Pajor (5), Alexandra Popp (4) und Sara Björk Gunnarsdottir (3) stehen gleich drei weitere Spielerinnen in den Top 15 der erfolgreichsten Stürmerinnen.

Und beim FFC? Da haben Geraldine Reuteler, Laura Freigang, Laura Feiersinger und Shekiera Martinez am häufigsten getroffen. Alle jeweils zweimal. Angst und Schrecken, seien wir ehrlich, verbreiten an dieser Stelle eher die Wölfinnen. Klarer Vorteil Wolfsburg.

3. Die Krux mit dem Geld und den Toren

Obwohl sich der genaue Kaderwert der beiden Teams im Gegensatz zu den männlichen Kollegen selbst in Zeiten von 5G-Internet leider nicht ergoogeln lässt, ist klar: Der VfL Wolfsburg spielt finanziell in anderen Sphären. "Wir haben ein Budget von 1,5 Millionen Euro, die Wolfsburger mit Sicherheit ein Mehrfaches davon", so Dietrich.

Ablesen lässt sich der Kontostand auch an der Anzahl der Nationalspielerinnen. Während der VfL in der vergangenen Länderspielpause gleich ein ganzes Dutzend ihrer Profis abstellen durfte und musste, machten sich von Frankfurt aus "nur" sechs Spielerinnen auf Reisen. Mit Sophia Kleinherne davon immerhin eine in Richtung DFB-Elf. Laura Freigang und Tanja Pawollek hielten sich zudem auf Abruf bereit. "Ich bin mir aber sicher, dass in Zukunft noch einige mehr diesen Sprung schaffen werden", setzt Dietrich auf die Langzeitwirkung. Dem FFC gehört die Zukunft, vielleicht beginnt die ja schon am Sonntag.

4. Vergangenheit gegen Gegenwart – gegen Zukunft?

Der VfL Wolfsburg, das wissen wohl selbst Sportmuffel, ist seit Jahren das Maß der Dinge im deutschen Frauenfußball. Der DFB-Pokal ging zuletzt 2014 an ein anderes Team, der Meistertitel seit 2013 nur zweimal nicht nach Wolfsburg. "Sie spielen jetzt die Rolle, die wir in der Vergangenheit gespielt haben", so Dietrich. Sprich: die der Übermannschaft.

Die große Zeit des FFC mit neun DFB-Pokalsiegen, sieben Meisterschaften und vier Champions-League-Triumphen ist zwar seit dem letzten Titelgewinn 2015 vorbei, der Hunger auf Pokale und Schüsseln dafür aber umso größer. Und: Die Strategie mit Talenten, Geduld und einer klaren Spielidee soll erst in den kommenden Jahren richtig greifen. "Wir haben einen guten Mix und sind auf einem guten Weg." Die Zukunft, Sie erinnern sich.

5. An der Seite der Männer

Ein Ziel, das die Fußballerinnen aus Niedersachsen bereits im Jahr 2003 erreicht haben, werden die Fußballerinnen aus Hessen im kommenden Sommer perfekt machen: den Bund der Ehe mit einer Männermannschaft. Der VfL, geborene Eintracht, gehört seit 16 Jahren offiziell zum VfL Wolfsburg. Der 1. FFC Frankfurt, ehemals Praunheim, wird bald Eintracht heißen.

Von einer Vorbildfunktion der Wölfe will Dietrich dabei zwar nicht sprechen. "Man erkennt aber, was man mit einer gewissen Ernsthaftigkeit erreichen kann", so der FFC-Manager. "Für uns geht es darum, uns in der Verlobungssaison bestmöglich aufzustellen." Und was wäre da passender als ein Sieg am Sonntag gegen Wolfsburg? Denn die größten Gefühle gibt es bekanntlich ja nur vor der Vermählung.