Amin Younes im Pokalspiel in Mannheim

Amin Younes und Eintracht Frankfurt - das schien eine perfekte Geschichte zu sein. Doch trotz zahlreicher Liebesschwüre gehen Spieler und Klub nun getrennte Wege.

Es war der 20. Februar 2021, als sich Amin Younes in die Herzen der Eintracht-Fans spielte: Erst erzielte er ein Traumtor und ebnete damit den Weg zum 2:1-Sieg gegen Meister Bayern München. Im Anschluss lief er zur Auswechselbank und schnappte sich das Shirt mit dem Gesicht von Fatih Saraçoğlu, der genau ein Jahr zuvor dem rechtsextremistischen Attentat in Hanau zum Opfer gefallen war, um es in die Höhe zu halten.

Der kleine Mittelfeld-Dribbler, das wurde schnell klar, hat nicht nur ein feines Gespür im Fuß, sondern schien auch sonst perfekt nach Frankfurt zu passen. Sportlich und menschlich sei er beim richtigen Verein, stellte er auch selbst fest, als er bei einem emotionalen Treffen die Aufwärmshirts jenes Tages an die Hinterbliebenen der Opfer in Hanau überreichte.

Amin Younes hält ein T-Shirt an Gedenken an die Opfer von Hanau hoch

Vom Nationalspieler zum Bankdrücker

Auf dem Platz machte es zwischenzeitlich den Anschein, als könne Younes die Eintracht in die Champions League führen. Es kam, das ist allgemein bekannt, anders. Beim Auswärtsspiel in Dortmund Anfang April soll er sich in der Halbzeit mit dem damaligen Trainer Adi Hütter, der ihn kurz zuvor noch als "weltklasse" geadelt hatte, überworfen haben. Anschließend fand sich Younes, zuvor nach langer Wartezeit endlich mit weiteren Länderspielen für Deutschland dekoriert, auf der Bank wieder. Die perfekte Beziehung zwischen ihm und der Eintracht bekam erste Risse.

Und Younes dämmerte, dass ihn der Ruf des schwierigen Profis nun auch in Frankfurt eingeholt hatte. In Amsterdam verweigerte er einst seine Einwechselung. Im Anschluss wurde kolportiert, er hätte gleich zwei Verträge unterschrieben - einen in Wolfsburg und einen in Neapel, wo er schließlich auch landete. Obwohl der Mittelfeldmann diese Meldung in einem langen dpa-Interview dementierte, ist sie bis heute in seinem Wikipedia-Eintrag zu finden.

Younes bezeichnete Frankfurt als "seinen Hafen"

In Frankfurt sah es lange anders aus: Noch Anfang Mai 2021 erneuerte Younes seine Liebesschwüre. "Ich weiß, was ich an der Eintracht habe. Ich bin nicht nach Frankfurt gekommen, um das große Geld zu verdienen, sondern weil ich total von dem Verein überzeugt bin. Ich fühle mich sehr wohl – nicht nur mit der Mannschaft, mit allen Verantwortlichen. Das ganze Drumherum macht mir großen Spaß, meiner Frau gefällt es in Frankfurt auch sehr gut. An mir liegt es also nicht, ich würde gerne bleiben", sagte der von Neapel ausgeliehene Profi damals in einem FAZ-Interview. "Und wenn ich eines gelernt habe: Wenn man seinen Hafen gefunden hat, dann sollte man da auch bleiben."

Eine Enttäuschung für Fußballromantiker

Die warmen Gefühle, die die Fußballromantiker in Reihen der Eintracht-Fans für Younes hegten, dürften im Sommer 2021 dann aber schnell abgekühlt sein. Der Profi fordere mehr Gehalt und drohe mit seinem Abgang, hieß es. Was damals noch wie eine bewusst von der Berateragentur gestreute Meldung gelesen werde konnte, wurde in der Folge immer konkreter. Ein als sicher angesehener Wechsel nach Saudi-Arabien zerschlug sich zwar, in der Folge tauchte Younes aber nicht mehr im Eintracht-Training auf, war nach Informationen des hr-sport zunächst in der Türkei und dann bei seiner Familie in Düsseldorf. Nach einem Gespräch mit den Frankfurter Verantwortlichen folgte die endgültige Trennung, nachdem sein Ansehen im Verein und vor allem in der Mannschaft stark gelitten hatte.

Für diese Entscheidung gibt es sicherlich Gründe - finanzielle, religiöse und auch sportliche, weil der 28-Jährige in Oliver Glasners System keinen rechten Platz zu finden schien. Eine Enttäuschung ist sie dennoch, da das Verhältnis von Younes zu Frankfurt offenbar doch nicht so innig war, wie er es immer betont hatte. Immerhin: Sein großer Auftritt und seine große Geste vom 20. Februar 2021 werden in Erinnerung bleiben.