Bas Dost jubelt.

Eintracht Frankfurt zeigt beim Pokalerfolg auf St. Pauli wieder einmal zwei Gesichter: ein gute erste Halbzeit, dann eine schlechte zweite Halbzeit. Machtwinner ist der wiedergenesene Stürmer Bas Dost. Eine Analyse in fünf Punkten.

Videobeitrag

Video

zum Video Eintracht gewinnt Pokal-Krimi auf St. Pauli - alle Tore im Video

Bas Dost lupft den Ball über den Torwart.
Ende des Videobeitrags

Eintracht Frankfurt schafft beim FC St. Pauli durch einen 2:1-Sieg den Sprung ins DFB-Pokal-Achtelfinale. Bas Dost hatte durch einen Doppelschlag (4. und 16. Spielminute) die Hessen komfortabel in Führung gebracht. Kurz vor der Pause kam St. Pauli durch den Handelfmeter von Waldemar Sobota (42.) zum Anschlusstreffer.

1. Lebensversicherung Dost

Bei seiner Vorstellung vor zwei Monaten hatte Dost vollmundig angekündigt: "Ich will zeigen, dass ich Tore schießen kann." Spätestens seit Mittwochabend ist klar: Der Holländer hält Wort. Schon nach 16 Spielminuten hatte Dost sein Tagwerk eigentlich verrichtet. Mit seinem ersten Ballkontakt in der vierten Minute unterstrich Dost, was seine Kernkompetenz ist. Obwohl St. Paulis Innenverteidiger Leo Östigard sich maximal bemühte, köpfte Dost praktisch unbedrängt zum 1:0 ein. Mit seinem ansehnlichen Lupfer zum 2:0 zwölf Minuten später setzte er technisch noch einen drauf.

Auch wenn der Holländer in der zweiten Halbzeit wie alle anderen Eintracht-Spieler abtauchte, war er der Matchwinner. Dass Dost überhaupt in der Startelf stand, war eine mittelschwere Überraschung. "Ich war angeschlagen und noch fraglich, ob ich spielen soll. Die Physios und der Arzt haben mich fit gemacht für das Spiel. Das hat mich richtig gefreut", sagte Dost. Wenn sein Körper mitspielt, ist Dost eine Lebensversicherung für die Eintracht. Mit fünf Toren in acht Saisonspielen hat er nach seiner Ankündigung, Tore schießen zu wollen, Wort gehalten.

2. Die erste große Rotation der Saison

Schon oft hatte Eintracht-Trainer Adi Hütter angekündigt, seine Mannschaft wegen der Dreifachbelastung aus Liga, Pokal und Europa League ordentlich umzukrempeln. Doch meist ließ Hütter dann doch die selben Spieler ran, wagte allenfalls mal eine Rotation light. Diesmal, beim Spiel auf St. Pauli, war wirklich alles anders. Mit Evan N'Dicka (für David Abraham), Timothy Chandler (für den verletzten Filip Kostic), Erik Durm (für Danny da Costa), Dominik Kohr (für Djibril Sow) und Bas Dost (für Gonçalo Paciência) schickte der Eintracht-Coach gleich fünf Neue aufs Feld.

Videobeitrag

Video

zum Video Die Pressekonferenz nach dem Pokalspiel der Eintracht

pk
Ende des Videobeitrags

Neben Dost nutzten N'Dicka und Kohr diesen Umstand. Als linker Innenverteidiger zeigte der sonst oft leichtsinnige N'Dicka diesmal eine fehlerfreie Leistung, wusste durch seine Athletik und taktische Sicherheit zu überzeugen. Zwei Grätschen in der Anfangsphase des Spiels werden auch Martin Hinteregger beindruckt haben. Sebastian Kohr konnte ebenfalls Pluspunkte sammeln. Kohr haute sich gewohnt enthusiastisch in die Zweikämpfte, sein Steilpass vor dem 2:0 sorgte nicht nur beim Torschützen für Begeisterungstürme. Zur Halbzeitpause war es mit der großen Rotation allerdings vorbei. Mit Abraham (für den verletzten Hinteregger) und da Costa (für Chandler) kehrte ein Teil des Stammpersonals zurück auf den Platz.

3. Die zwei Gesichter der Eintracht

Wenn sich die Eintracht aussuchen könnte, welche der beiden Halbzeiten eines Fußballspiels für den Ausgang entscheidend ist, wäre sie eine sehr erfolgreiche Mannschaft. Bei der 2:4-Bundesliga-Niederlage in Mönchengladbach, verschliefen die Frankfurter die erste Halbzeit komplett, um den Tabellenführer im zweiten Spielabschnitt phasenweise an die Wand zu spielen. Diesmal im Pokal zeigten die Hessen in der ersten Halbzeit eine äußerst souveräne Leistung. Nach der 2:0-Führung schien das Spiel entschieden. Frankfurt ließ Ball und Gegner laufen.

Doch wieder zeigte die Hütter-Truppe auch ihr anderes Gesicht. Nach dem 1:2 Anschlusstreffer kurz vor der Pause stellte die Eintracht das Fußballspielen weitgehend ein. St. Pauli investierte, die Eintracht nicht mehr. "Was mir überhaupt nicht gefallen hat: Wie wir in der zweiten Halbzeit mit dem Ballbesitz umgegangenen sind. Wir hatten keine Entlastung mehr nach vorne", so die Analyse von Trainer Hütter. Die Eintracht verlor in Windeseile die Bälle und fast noch das Spiel. "Doch am Ende zählt das Weiterkommen", fand Hütter.

4. Der vermeintlich breite Spielerkader

Nach den zahlreichen Neuverpflichtungen und personellen Rückholaktionen des Sommers lobten viele Experten die "neue Breite" bei der Eintracht. Der Spielerkader sei personell endlich fit für die Dreifachbelastung. Nach knapp einem Vierteljahr ist von der "neuen Breite" nicht mehr viel übrig. Die Eintracht ächzt unter der Last der vielen Verletzungen. Im Spiel auf St. Pauli fehlte auch noch Flügel-Dauerbrenner Kostic mit Kniebeschwerden. Und damit ein Spieler, der für viele besser nie ausfallen sollte.

Audiobeitrag

Audio

Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Dost: "War fraglich, ob ich spielen soll"

Dost im Spiel gegen St. Pauli
Ende des Audiobeitrags

Ebenfalls mit Knieschmerzen musste der in Hamburg bis dahin überragende Innenverteidiger Hinteregger zur Pause runter. Nimmt man die länger Verletzten Kevin Tapp, Jonathan de Guzmán, Marco Russ, Almamy Toué und auch Stürmer André Silva dazu, geht der Eintracht derzeit viel Potenzial verloren. Auch der Matchwinner vom Pauli-Spiel, Bas Dost, macht mit seinen immer wieder auftauchenden Muskelbeschwerden nicht den Eindruck, dass Hütter in Zukunft in jedem Spiel mit ihm rechnen kann. All das macht Frankfurt derzeit eher schmal als breit.

5. Mit dem Fan-Faktor gegen die Bayern

Im Pokal das Achtelfinale erreicht, geht es für die Eintracht in der Bundesliga nun gegen Bayern München (Samstag, 15.30 Uhr). Dabei ist die Eintracht mental klar im Vorteil, denn die Stimmung beim Gegner aus München ist alles andere als gut. Das unterschwellige Grummeln begleitet Trainer Niko Kovac seit seinem ersten Arbeitstag. Durch die jüngsten Misserfolge in der Bundesliga und dem wenig schmeichelhaften Auftritt beim 2:1-Sieg im Pokal beim VfL Bochum hat sich das Grummeln immens verstärkt.

Noch mehr Unruhe produzierten die lobenden Worte von Kovac über die Fans seines Ex-Vereins Eintracht Frankfurt. "Das wird ein heißes Spiel. Ich weiß, wie das in Frankfurt ist. Dort sind die besten Fans der Liga. Das muss man ganz klar sagen, das haben sie über die letzten Jahre auch bewiesen", sagte Kovac am Dienstag am sport1-Mikro. Sätze, die bei den Bayern-Fans nicht besonders gut ankamen.

Weitere Informationen

FC St. Pauli - Eintracht Frankfurt 1:2 (1:2)

St.Pauli: Müller - Kalla (79. Conthe),  Östigard, Buballa - Ohlsson, Flum (85. Becker), Knoll, Penney - Möller Daehli (87. Ziereis) - Gyökeres, Sobota

Frankfurt: Rönnow - Hinteregger (46. Abraham), Hasebe, Ndicka - Fernandes - Durm, Kohr, Rode, Chandler (46. da Costa) - Kamada, Dost (88. Paciencia)
  
Tore: 0:1 Dost (4.), 0:2 Dost (16.), 1:2 Sobota (42./HE)              
Gelbe Karten: Flum, Knoll - Hinteregger, Kohr, Rode  

Schiedsrichter: Jöllenbeck (Freiburg) 
Zuschauer: 29.546  

Ende der weiteren Informationen