Londons Lucas Torreira (re.) scheitert an Eintracht-Torwart Kevin Trapp.

Sehr mutig, sehr offensiv – aber auch sehr verschwenderisch: Eintracht Frankfurt legt gegen den FC Arsenal einen Fehlstart in die Gruppenphase der Europa League hin. Die Analyse in fünf Punkten.

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Fußball-Bundesligist Eintracht Frankfurt hat zum Auftakt der Europa-League-Gruppenphase eine unnötig deutliche Niederlage kassiert. Gegen den gnadenlos effizienten FC Arsenal aus der englischen Premier League verlor die Mannschaft von Trainer Adi Hütter am Donnerstag mit 0:3 (0:1). Joe Willock (28. Spielminute), Bukayo Saka (85.) und Pierre-Emerick Aubameyang (88.) erzielten dabei die Tore. Frankfurts Dominik Kohr sah wegen wiederholten Foulspiels die Gelb-Rote-Karte (79.).

1. Mutig ja, erfolgreich nein

Allein die Aufstellung las sich überraschend offensiv: Startelf-Debüt für Angreifer Bas Dost, neben ihm André Silva fürs Kreative, dahinter Daichi Kamada und zudem Djibril Sow im Mittelfeld. Frankfurts Matchplan gegen mutmaßlich tempoüberlegene Londoner, das wurde schnell deutlich, sah ganz klar einen mutigen Auftritt vor. Und dieser Plan ging auf – vorerst zumindest.

Nach einem munteren, weil von beiden Mannschaften offen geführten Spielbeginn hatte die Eintracht in beiden Halbzeiten gleich mehrere gute Phasen. Insbesondere zwischen der zehnten und der 30. Minute gaben die Hessen den Ton an, sie erspielten sich zahlreiche gute Chancen und ließen die gefährlichen Arsenal-Vorstöße nur punktuell zu. Das Problem: Eine Leistung wie in diesen 20 Minuten wäre bis zum Abpfiff nötig gewesen.

2. Chancenwucher in Perfektion

Allen voran die mangelhafte Chancenverwertung nagte aber mit zunehmendem Spielverlauf am Nervenkostüm der Profis auf dem Rasen sowie der Fans auf den Rängen. Ob nun Silvas früher Versuch (11.), Filip Kostics Kracher ans Außennetz (18.), Dosts Drehschuss (21.) oder Silvas Chance aus zu viel Rücklage (59.): Die Liste der vergebenen Frankfurter Möglichkeiten hätte an diesem Donnerstagabend gefühlt ins Endlose fortgeführt werden können.

24 (!) Torschüsse listete die Eintracht-Statistik am Ende auf, hinzu kommen eine Passquote von 79 und eine Zweikampfquote von annähernd 50 Prozent. Werte, die gegen einen derart renommierten Club wie Arsenal eigentlich für ein Unentschieden reichen müssen. Haben sie aber nicht.

3. Der Qualitätsunterschied ist deutlich zu erkennen

Die Eintracht hat dieses Match aber nicht nur wegen ihres eigenen offensiven Unvermögens verloren. Auch wenn Arsenal gar nicht erst mit Mesut Özil angereist war und Coach Unai Emery Spieler wie Keeper Bernd Leno oder Stürmer Nicolas Pépé zunächst auf der Bank ließ: Die Qualität der Gäste aus London war jener der Hausherren aus dem Herzen von Europa klar überlegen. Das zeigte sich sogar in den Phasen, in denen Frankfurt die bessere Mannschaft war.

Während die Eintracht zwar viel Kraft investierte, aber eine Chance nach der anderen vergab, blieben die Offensivbemühungen des Premier-League-Clubs minimalistisch – aber immer brandgefährlich. Aubameyang nach starkem Antritt (23.), Willock nach einer tänzerischen Zweikampf-Einlage gegen David Abraham (29.) oder der Freistoß von Granit Xhaka an die Latte (56.), bei dem sich Frankfurts Torwart Kevin Trapp ganz offensichtlich verschätzt hätte: Arsenal hätte zum Start der Gruppenphase durchaus mehr als drei Tore erzielen können.

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4. Arbeiten, arbeiten, hart arbeiten

Die Chancenverwertung, freilich die der eigenen Mannschaft, beschäftigte im unmittelbaren Nachgang der Partie auch Eintracht-Trainer Hütter. Der Österreicher fand gleich mehrere Umschreibungen für das, woran er und sein Team in den kommenden Tagen zu schrauben haben: "Wir müssen daran arbeiten, die Torchancen zu nutzen", sagte er, gefolgt von "Wir müssen daran arbeiten, dass wir effizient werden" und "Wir müssen hart daran arbeiten, dass die Jungs bald mal treffen".

In der Liga stehen nach vier Spielen fünf Tore zu Buche, im Europapokal sind es nach den sechs Qualifikationspartien 13, hinzu kommen fünf Treffer im DFB-Pokal. Das macht einen Schnitt von 1,92 Toren pro Match, die Hessen haben zwölf Pflichtspiele hinter sich. Die Integration der Neuzugänge Dost und Silva im Frankfurter Sturm dürfte daher höchste Priorität haben.

5. Was bedeutet das Ergebnis fürs BVB-Spiel?

Nichts Gutes, geht es zumindest nach einem Fan, der das Stadion unter lautem Getöse verließ und schimpfte: "Wenn wir am Sonntag so spielen, kassieren wir acht Stück!" Nun, ganz so schlimm wird es gegen Borussia Dortmund höchstwahrscheinlich nicht. Die Fan-Enttäuschung macht aber sehr gut deutlich: Nach den Niederlagen in Augsburg (1:2) und jetzt gegen Arsenal droht der Eintracht ein ungemütliches Ende der ersten richtigen Englischen Woche in dieser Saison. Und wir steuern gerade erst auf den fünften Bundesliga-Spieltag zu.

Zwischen dem Abpfiff am Donnerstagabend und dem Anpfiff der BVB-Partie am Sonntag (18 Uhr) bleiben Frankfurts Trainer Adi Hütter gut 69 Stunden, um an der Großbaustelle Chancenverwertung zu arbeiten. Dabei ist Fingerspitzengefühl gefragt, denn allein mit einer funktionierenden Offensive wird der Tabellenzweite wohl nicht zu schlagen sein. Fünf Tore gegen Augsburg, drei in Köln, vier gegen Leverkusen: Torhungrige Dortmunder rollen auf die Eintracht zu. Eine stabile Hintermannschaft ist da wichtiger als alles andere.