Jubel bei SGE-Spielern

Eintracht Frankfurt meistert die Hürde RB Salzburg und zieht ins Achtelfinale der Europa League ein. Im Rückspiel stecken viel Musik, ein mehr und mehr befreiter Stürmer sowie ein Torwart gewohnter Stärke. Jetzt warten Terminstress und der FC Basel. Die Analyse in fünf Punkten.

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Eintracht Frankfurt steht im Achtelfinale der Europa League. Nach dem 4:1 im Zwischenrunden-Hinspiel gegen den FC RB Salzburg reichte der Mannschaft von Trainer Adi Hütter im Rückspiel am Freitag ein 2:2 (1:1). Durch ein frühes Tor von Andreas Ulmer (10. Spielminute) sowie später einen Treffer von Jerome Onguéné (72.) waren die Hessen zwei Mal in Rückstand geraten. Ein Doppelpack von André Silva (30., 83.) beförderte den Vorjahres-Halbfinalisten aber in die nächste Runde.

1. Spektakel und Kulanz in der Anfangsphase

Salzburg, das ist Mozart, das ist Musik. Entsprechend in sich hatte es die Ouvertüre des FC RB, der die Eintracht in einer spektakulären Anfangsphase gehörig unter Druck setzte. Ob nun der frühe Führungs-Hammer durch Ulmer oder die guten Chancen von Sékou Koïta (12.), Dominik Szoboszlai (14.) und Mohamed Camara (16.): Nachdem die Partie wegen einer Sturmwarnung von Donnerstag auf Freitag verlegt worden war, setzten die Hausherren zum Sturmlauf an. Die Hypothek aus dem Hinspiel beträgt drei Tore? Egal! Die Frankfurter hatten mit so viel Power zunächst ihre liebe Mühe und bekamen die RB-Energie erst nach und nach in den Griff.

In der Zwischenzeit ereigneten sich zwei Szenen, die die Gemüter in der Anfangsviertelstunde zusätzlich erhitzten. Nach nur drei Minuten hatte Martin Hinteregger Koïta im eigenen Strafraum am Fuß getroffen und elfmeterwürdig zu Fall gebracht, das Spiel lief jedoch trotz einer Überprüfung der Szene ohne Strafstoß weiter. Zwölf Minuten später hätte die Eintracht allen Grund zur Aufregung gehabt, weil Hee-Chan Hwang für eine Grätsche gegen Hinteregger mit der offenen Sohle die Gelbe und nicht, was durchaus auch vertretbar gewesen wäre, die Rote Karte sah. In diesem Spiel waren alle schnell auf Betriebstemperatur.

2. Eintracht Frankfurt beißt sich ins Spiel – und ins Achtelfinale

Trotzdem dauerte es 18 Minuten, ehe die Hütter-Elf in Person von Daichi Kamada die erste eigene Chance verzeichnen konnte. Bis dahin waren die Gastgeber in so ziemlich allen aussagekräftigen Statistiken wie Torschüssen (9:1), Ecken (6:0) oder Zweikämpfen (69 Prozent) drückend überlegen. Mit der Kamada-Chance – sowie mit einem erhöhten Zugriff aufs Spielgeschehen im Mittelfeld – verbesserte sich der Auftritt der Frankfurter schlagartig.

Die Folge: der verdiente Ausgleich durch Silva (30.), der im Rennen um den Einzug ins Achtelfinale wie eine Vorentscheidung war. Das zeigte sich auch in der Phase bis zum 1:2, in der die Hessen ihren Vorsprung aus Hin- und Rückspiel zwar nicht unbedingt verwalteten, für eine lange Zeit aber auch keine nennenswerte RB-Chance zuließen. Dass sie nach dem erneuten Rückstand (71.) eine weitere Salzburger Drangphase verhinderten und stattdessen durch Silvas 2:2 (83.) alle Restzweifel beseitigten, zeugt von Nervenstärke.  

3. André Silva sagt der Winterdepression laut Servus

Kommt Ante Rebic zurück? Und wenn ja: Muss André Silva dann wieder nach Mailand? Genau das waren die – für Silva höchst unangenehmen – Fragen, die während der Winterpause im Januar gerüchtet und diskutiert wurden. Ende Februar stellen sich diese Fragen nicht mehr, da der Angreifer aus Portugal selbst mehr und mehr für überzeugende Antworten sorgt. Ein Tor und zwei Vorlagen in der Bundesliga, zwei Tore und eine Vorlage im Europacup, dazu ein Treffer im DFB-Pokal: Seitdem Silva im neuen Jahr wieder zu gesteigerten Einsatzzeiten kommt, steigert er auch seine Leistung.

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Sein Doppelpack gegen Salzburg ist der vorläufige Höhepunkt – und gleichzeitig ein Ausrufezeichen im teaminternen Konkurrenzkampf mit Gonçalo Paciência. "Ich bin froh, dass er belohnt wird, weil er arbeitet verdammt viel fürs Team", sagte Sportvorstand Fredi Bobic. "Bei André merkst du einfach: Da ist ein Sprung da. Er fühlt sich viel frischer, viel stabiler. Spieler brauchen Zeit, um sich zu entwickeln. Sébastien Haller hat sich im ersten Jahr auch schwergetan." (Mehr Stimmen zum Spiel finden Sie hier.)

4. Kevin Trapp: Starke Taten nach der Union-Debatte

Sollte es neben André Silva noch einen weiteren Frankfurter Matchwinner geben, so ist es sicherlich Kevin Trapp. Nach den Diskussionen über einen vermeintlichen Torwartfehler im Bundesliga-Heimspiel gegen Union Berlin (1:2) agierte der 29-Jährige in Salzburg als der gewohnt starke Rückhalt – und hielt vor allem in der Anfangsphase dem wilden RB-Drang stand. Glanzparade gegen Koïta (12.), starke Tat gegen Camara (16.): Trapp hielt die Eintracht nach dem 0:1 im Spiel. Und sorgte so dafür, dass die Österreicher nicht noch mehr ins Rollen kamen.   

5. Für die Eintracht wird der Stress nicht weniger

Es sind außergewöhnlich stressige Tage, die Eintracht Frankfurt derzeit erlebt. Montagsspiel gegen Union Berlin, am Mittwoch die Reise nach Salzburg, am Donnerstag die wetterbedingte Verlegung der Partie auf Freitag, am späten Abend noch die Rückreise via Mannheim nach Frankfurt: Selbst für einen Club, der nun schon im zweiten Jahr in Folge überdurchschnittlich viele Pflichtspiele abspult, ist das keine normale Belastung. Die vorläufige Absage des Bundesliga-Duells mit Werder Bremen (Sonntag, 18 Uhr) ist im Sinne einer vernünftigen Regeneration gut – der Terminkalender wird dadurch aber erst recht beansprucht, die Suche nach einem Nachholtermin dürfte sich schwierig gestalten.

Bereits am kommenden Mittwoch (20.45 Uhr) geht es im DFB-Pokal weiter, ebenfalls gegen Bremen, danach folgt ein knackiger Irrsinn aus Englischen Wochen: In der Liga warten Leverkusen (7. März), Mönchengladbach (15. März) und der FC Bayern (22. März), in der Europa League der FC Basel (12. und 19. März). Es bleibt also stressig für die Frankfurter Eintracht.

Weitere Informationen

FC SALZBURG - EINTRACHT FRANKFURT 2:2 (1:1)

Salzburg: Stankovic - Vallci, Ramalho, Onguené, Ulmer  - Camara, Mwepu (76. Berisha), Szoboszlai (86. Bernede), Daka, Koita (66. Okafor) - Hwang
      
Frankfurt: Trapp - Touré, Abraham, Hinteregger, N'Dicka - Ilsanker, Sow, Rode, Kamada (73. da Costa), Kostic (88. Chandler) - Silva (88. Paciência)

Tore: 1:0 Ulmer (10.), 1:1 Silva (30.), 2:1 Onguené (72.), 2:2 Silva (83.)    

Gelbe Karten: Koita, Okafor, Hwang - Abraham, Ilsanker, Kamada             
                                    
Schiedsrichter: Bastien (Frankreich) 
Zuschauer: 29.000 (ausverkauft) 

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