Eintracht-Fans zünden in Mailand Pyro.
Die Vorfälle in Mailand könnten Auswirkungen auf die Eintracht-Reise nach Lissabon haben. Bild © Imago

In dieser Woche entscheidet sich, ob die Frankfurter Eintracht mit oder ohne Fans zum Europapokal-Spiel in Lissabon reist. Die Hoffnung, doch noch mit einer milderen Uefa-Strafe davonzukommen, ruht auf einer simplen Erkenntnis: Mailand ist nicht Rom.

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An diese Worte werden sich die Fans der Frankfurter Eintracht in den kommenden Tagen klammern:

"Wir hoffen mit unseren dezidierten Argumenten, dass die Uefa sagt: Ihr bekommt eine hohe Geldstrafe, die Bewährung wird noch einmal verlängert – vielleicht in die nächste Saison hinein – und ihr habt die Chance, das zu beweisen, was der Großteil der Fans in Mailand vorgeführt hat. Ich verbürge mich für diese Fans, dass in Lissabon nichts passiert."

Der Mann, der all das im heimspiel! des hr-fernsehens sagt und beim letzten Satz mit der Faust auf den Studiotisch haut, ist nicht irgendwer. Ganz im Gegenteil. Christoph Schickhardt ist Fachanwalt für Sportrecht, der Star seiner Branche, der vor dem Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) mehr als 800 Fälle verhandelt hat. Jetzt ist seine gesamte Expertise vor der Kontroll-, Ethik- und Disziplinarkammer der europäischen Fußball-Union gefragt, wenn am Donnerstag (28. März) im schweizerischen Nyon die Pyro-Akte der Eintracht auf den Tisch kommt.

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Zu viel Feuer in Rom und Mailand

Zur Erinnerung: Nach den Vorfällen rund um das Auswärtsspiel bei Lazio Rom wurden die Frankfurter für gleich vier Verfehlungen ihrer Fans belangt. Zünden von Pyrotechnik, Stürmen des Innenraums, Werfen von Gegenständen sowie Sachbeschädigung führten dazu, dass der Pokalsieger seit dem Urteil im Januar im Europapokal auf Bewährung unterwegs ist.

Das bedeutet: Sollte innerhalb von zwei Jahren noch einmal etwas Vergleichbares passieren, dürfen die Hessen zum nächsten Auswärtsspiel keine eigenen Fans mitnehmen. Dieser Fall könnte nach den Vorkommnissen von Mailand, wo ebenfalls Pyrotechnik eingesetzt wurde und sogar Leuchtspurmunition durch das Giuseppe-Meazza-Stadion flog und Mailänder Spieler sowie Zuschauer gefährdete, beim Viertelfinal-Hinspiel in Lissabon (11. April) eintreten. Oder etwa doch nicht?

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"Wir kämpfen wie die Löwen, dass die Fans mit nach Lissabon fahren und dabei sein können", macht Schickhardt allen Eintracht-Anhängern, die ihren Verein bei einem der wichtigsten Spiele des vergangenen Vierteljahrhunderts vor Ort unterstützen wollen, Mut. Es sei eine "schwierige rechtliche Situation", sagt der Jurist. "Bewährung heißt ja: Eigentlich hättet ihr damals schon raus gemusst aber wir geben euch noch eine Chance." Und genau die sehen Schickhardt sowie seine Klienten um Eintracht-Justitiar Philipp Reschke auch in der anstehenden Verhandlung.

Ihr Ansatz: Entgegen der Urteilsformulierung sind die Vorfälle in Mailand und Rom wenig bis gar nicht vergleichbar. "Rom war ein Desaster, die Reise nach Mailand ein voller Erfolg", erläutert Schickhardt den Frankfurter Standpunkt. Auf dem Domplatz, wo im Vorfeld des Achtelfinal-Rückspiels beim FC Internazionale (1:0) bis zu 17.000 Fans ein friedliches Fußball-Fest feierten, sei nicht einmal eine Espresso-Tasse zu Schaden gekommen. "Beide Fälle sind unterschiedlich. Eine Bewährung wird nur widerrufen, wenn es sich ähnelt", so der Anwalt weiter.

"Unser bestes Argument"

Hinzu komme, und mit dieser Argumentation springt Schickhardt Justitiar Reschke zur Seite, eine hoffentlich positive Auswirkung des Verhaltens der Ultras Frankfurt, die die Verantwortung für die Geschehnisse in Mailand übernommen und interne Konsequenzen angekündigt haben. "Die Reaktion der Fans ist unser bestes Argument", ist sich der 64-Jährige sicher. Ein Argument, das die Uefa bestenfalls genauso sehr berücksichtigt, wie die große Lust der Frankfurter am Europapokal.

"Die Eintracht lebt und bereichert diesen Wettbewerb, bringt Zuschauer mit und bietet schon in der ersten Runde ausverkaufte Stadien", sagt der Anwalt. "Die Uefa sieht unsere Bemühungen und dass der größte Teil der Fans in Ordnung ist." Zumindest bis Donnerstag werden sie sich an die Worte von Star-Anwalt Christoph Schickhardt klammern.