Jubelnde Frankfurter Spieler
Der Blick geht weiter nur nach oben bei der Eintracht. Bild © Imago

Die Eintracht zeigt der Liga, wie's geht: Als erste Mannschaft haben die Frankfurter in dieser Saison zwei Tore mehr geschossen als Augsburg. Dafür reichten dem neuen BVB-Jäger zwei Blitzstarts und eine Menge individueller Klasse.

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Adi Hütter in der PK

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Die Frankfurter Fußball-Feiertage gehen weiter: Das 3:1 (1:0) in Augsburg bedeutete für den hessischen Bundesligisten das zehnte Pflichtspiel in Folge ohne Niederlage. Während der Sturm weiter nach Belieben trifft, legte die Defensive gegen den FCA ein weiteres Mal den Grundstein für den Erfolg. Die Tore für die Eintracht erzielten Jonathan de Guzmán, Sébastien Haller und Ante Rebic.

Eine Serie reißt, die andere hält

Einen Frankfurter Sieg in Augsburg – das gab es noch nie. Zumindest bis Samstag. Im verflixten siebten Spiel, zumindest aus Sicht des Gastgebers, konnte Eintracht Frankfurt erstmals die Punkte aus Augsburg entführen. Während diese Serie also riss, hielt die Eintracht eine andere am Leben: Das 3:1 beim FCA war bereits das zehnte Pflichtspiel in Folge ohne Niederlage. Damit gelang Trainer Adi Hütter ein Kunststück, das seinem ebenfalls ziemlich erfolgreichen Vorgänger Niko Kovac verwehrt blieb.

Zur Belohnung gab es – zumindest bis zum Gladbach-Spiel am Sonntagabend – den Titel "BVB-Jäger Nummer eins": Weil Leipzig seine Partie in Wolfsburg mit 0:1 verlor, grüßt Frankfurt vorerst von Tabellenplatz Nummer zwei. Sieben Punkte fehlen den Hessen auf Spitzenreiter Dortmund, Ex-Eintracht-Coach Kovac hingegen steckt mit den Bayern in einer handfesten Krise. Nach dem 3:3 gegen Düsseldorf sehen die Münchner (21 Punkte) derzeit nur die Hacken der Frankfurter Gipfelstürmer (23). "Die Tabelle schaut jetzt noch besser aus, aber wir können das Ganze gut einordnen", versuchte Trainer Adi Hütter die Euphorie ein wenig zu bremsen.

"Seht Ihr, Bundesliga, so wird das gemacht!"

Die Eintracht bleibt nach dem nächsten Erfolg nicht nur die Mannschaft der Stunde, ihr gelang in Augsburg auch ein "Meisterstück" gegen die wohl unbequemste Elf der Bundesliga: Bis zu diesem Samstag gelang es keinem Team in dieser Saison, dem FCA eine Niederlage mit mehr als einem Tor Unterschied zuzufügen – nicht den Spitzenclubs aus Dortmund (4:3), München (1:1), Gladbach (1:1), Leipzig (0:0) oder Hoffenheim (2:1).

Das hat einen Grund: Die Elf von Coach Manuel Baum ist am besten darin, spielerisch überlegene Gegner an den Rande des Nervenzusammenbruchs zu bringen. Dabei macht Augsburg in der Regel auch vor taktischen Fouls und sogar altbacken-verpönter Verteidigung mit Manndeckung über den gesamten Platz nicht Halt. Ekliger Fußball eben.

Die Eintracht als offensiver Gegenentwurf zum FCA verleitete den Gegner sogar zum Schwärmen. "Frankfurt war sehr effektiv, sie spielen sehr ehrlichen Fußball, der mir persönlich gefällt", sagte Augsburgs Torhüter Andreas Luthe. "Es tut einfach nur weh, gegen diese Mannschaft zu spielen." (Hier gibt es die Stimmen zum Spiel.)

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Ein Blitzstart kommt selten allein

Die Entstehung des Sieges hätte sich Adi Hütter nicht schöner ausmalen können. Einige der 28.000 Zuschauer in Augsburg deckten sich wahrscheinlich noch mit Heißgetränken und gebratenen Würsten ein, als die Eintracht bereits die Führung bejubelte. 53 Sekunden waren gerade einmal gespielt, als de Guzmán eine Vorlage von Haller zum 1:0 für die Hessen verwandelte. Stichwort "psychologisch wichtiger Zeitpunkt".

Nach Wiederanpfiff ließen sich die Frankfurter deutlich mehr Zeit: Als Haller nach toller Vorarbeit von Sturmpartner Luka Jovic zum 2:0 einschoss, standen beide Mannschaften schon fast zwei Minuten auf dem Spielfeld. Und an den Würstchenständen im Bauch der Augsburger Arena gingen zum zweiten Mal die Köpfe nach unten.

Haller bleibt stabil

Das magische Frankfurter Sturmdreieck liefert auf dem grünen Rasen seit Wochen so zuverlässig wie sonst nur der amerikanische Präsident auf Twitter. Die Frage ist mittlerweile nicht mehr, ob Haller, Rebic oder Jovic treffen, sondern wie oft. Am Samstag zeichnete sich das Trio für vier Scorerpunkte (zwei Tore, zwei Vorlagen) verantwortlich.

Da fällt es nicht besonders ins Gewicht, dass die Frankfurter gegen Augsburg zeitweise sogar verschwenderisch mit ihren zahlreichen Torchancen umgingen. Hätte Rebic den Ball aus wenigen Metern nicht am leeren Tor vorbeigeschoben (17.) und Jovic etwas mehr Kraft in seinen Lupfer gelegt (30.) – die Eintracht hätte den Deckel deutlich früher auf die Augsburger Puppenkiste draufmachen können.

Am zuverlässigsten ballerte einmal mehr Haller. Der Franzose bereitete die Führung in bester Haller-Manier vor, als er sich bei einem langen Ball von Makoto Hasebe breit machte, den Ball abtropfen ließ und in den Lauf des durchgestarteten de Guzmán weiterleitete. Beim 2:0 bewies er dann seinen Torinstinkt, als er eine tolle Vorlage von Jovic nutzte. Somit steht Haller nun gemeinsam mit Teamkollege Jovic und Dortmunds Paco Alcacer an der Spitze der Torschützenliste. Weil zu seinen neun Treffern auch sieben Vorlagen kommen, liegt der filigrane Sturmtank in der Scorerliste der Bundesliga sogar an der Spitze.

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Mehr im hr-fernsehen

Einen Nachbericht zum Auswärtssieg der Eintracht in Augsburg sehen Sie am Sonntag in heimspiel! Bundesliga ab 22.05 Uhr. Am Montag (23.15 Uhr) ist Nachwuchs-Chef Armin Kraaz zu Gast im Studio.

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Sorge um Abraham

Einen kleinen Wermutstropfen gab es aus Frankfurter Sicht in Augsburg: David Abraham verletzte sich bereits in der 3. Minute ohne ernsthaften Gegnerkontakt und wurde kurz darauf von Marco Russ ersetzt. Der Kapitän habe sich eine muskuläre Verletzung am Oberschenkel zugezogen, twitterte die Eintracht noch während des Spiels.

Sportdirektor Bruno Hübner sagte später, es habe dem Argentinier "in die Wade reingezogen". Hübner äußerte die Hoffnung, "dass es nicht so viel ist". Ob und wie lange Abraham, den es in der Vergangenheit öfter im Oberschenkel- und Leistenbereich zwickte, ausfällt, soll nach einer Untersuchung am Sonntag feststehen.

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FC Augsburg - Eintracht Frankfurt 1:3 (0:1)

Augsburg: Luthe - Gouweleeuw, Khedira, Hinteregger - Schmid, Baier, Max -Jensen (46.Richter), Gregoritsch (82. Cordova), Caiuby - Schieber (72.Koo)   
                                       
Frankfurt: Trapp - Abraham (5. Russ), Hasebe, Ndicka - de Guzman (Willems 90.), Fernandes - da Costa, Kostic - Rebic - Haller, Jovic (78.Gacinovic)  

Tore: 0:1 de Guzman (1.), 0:2 Haller (47.), 0:3 Rebic (68.), 1:3 Cordova (90.) 
Gelbe Karten: Richter - de Guzman, Fernandes                        

Schiedsrichter: Zwayer (Berlin)       
Zuschauer: 28.000  

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