Amin Younes

Erstes Spiel, erster Sieg: Eintracht Frankfurt überzeugt zum Jahresauftakt gegen Bayer Leverkusen, offenbart aber auch Verbesserungspotenzial. Djibril Sow spielt einen Pass in bester Uwe-Bein-Manier. Die Analyse in fünf Punkten.

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Eintracht-Trainer Adi Hütter
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Fußball-Bundesligist Eintracht Frankfurt ist mit einem überraschenden Heimsieg ins Pflichtspiel-Jahr 2021 gestartet. Beim 2:1 (1:1) gegen das Spitzenteam aus Leverkusen sorgten Amin Younes (22. Spielminute) und ein Eigentor von Edmond Tapsoba (54.) für den vierten Saisonerfolg. Nadiem Amiri hatte die Werkself zuvor in Führung gebracht (10.).

1. Djibril Sow wie einst Uwe Bein

Wenn eine Vorlage mindestens genauso schön ist wie das Tor selbst, dann muss etwas Besonderes passiert sein. So geschehen in der 22. Minute, als Djibril Sow einen lehrbuchmäßigen Schnittstellenpass durch die Leverkusener Innenverteidigung spielte, er den losgesprinteten Younes bediente und damit dessen ersten Bundesliga-Treffer seit Februar 2013 ermöglichte. In diesem Moment wehte ein Hauch von Uwe Bein durchs Waldstadion, so "tödlich" war Sows steiles Zuspiel auf seinen Kollegen.

In den 1990er-Jahren galt Ex-Profi Bein als Meister des "tödlichen Passes", und auch im Januar 2021 dürfte dem Markenbotschafter der Eintracht solch eine Szene immer noch Freude bereiten. Nicht "tödlich", aber ganz sicher bemerkenswert war später auch Younes' Zuspiel, das zum Siegtreffer führte: diagonal über rund 50 Meter Entfernung, vorbei an Leverkusens überfordertem Aushilfsverteidiger Mitchell Weiser, und zielgenau auf Mitspieler Daichi Kamada, dessen Hereingabe Tapsoba zum Eigentor zwang (54.). Selten hat der Begriff "herausgespielt" so sehr auf einen Sieg gepasst wie auf dieses 2:1.

2. Plötzlich schwerer auszurechnen

Stefan Ilsanker? Von wegen. Statt wie so oft auf seinen Lieblingsabräumer zu setzen, beorderte Frankfurts Trainer Adi Hütter Routinier Makoto Hasebe in die Startelf. Im defensiven Mittelfeld schloss der 36 Jahre alte Japaner jene Lücke, die Sebastian Rode durch seine Gelbsperre hinterlassen hatte. Die Folge: Die Hessen agierten mit einem resoluten und überaus erfahrenen Defensivbollwerk, hinter Hasebe stemmten sich Martin Hinteregger, David Abraham und auch Evan N'Dicka gegen den Offensivexpress aus dem Rheinland. Die sonst so spielstarken Leverkusener – am Samstag kamen ihre Qualitäten über weite Strecken nicht zur Entfaltung.

Überhaupt hat dieses Match gezeigt: Die Frankfurter sind momentan nicht so leicht auszurechnen, wie sie es in anderen Auftritten während dieser Saison waren. Gegen die Werkself machten allen voran die formstarken Sow (Passquoute: 80 Prozent) und Younes (56 Ballkontakte) den Unterschied, sie spielten nicht nur Pässe für die Galerie, sondern rissen das Geschehen auch sonst oft an sich. Anders als noch vor ein paar Monaten sind nicht mehr allein Filip Kostic oder Kamada für die Kreativität zuständig. Die Verantwortung, den Weg zum gegnerischen Tor zu suchen und auch zu finden, verteilt sich bei der Eintracht aktuell auf mehreren Schultern.

3. Zwei Makel gibt es trotzdem

Wer im Auftreten der Hessen dennoch Verbesserungspotenzial sucht, wird bei näherer Betrachtung auch bei dieser Partie fündig. Makel Nummer eins: die Anfangsphase. Wie bereits in Stuttgart (2:2) oder bei Union Berlin (3:3) lief die Eintracht auch gegen Leverkusen Gefahr, die Spielkontrolle frühzeitig abzugeben. Die Gästeführung durch Amiris Zaubertor (10.) war verdient, schließlich hatte Bayer zu diesem Zeitpunkt fast drei Mal so viele Pässe gespielt wie die Eintracht (Quote: 86 Prozent), hinzu kam eine Zweikampfquote von 75 Prozent. Statistiken, die Frankfurt erst im Anschluss in den Griff bekam.

Makel Nummer zwei: die Chancenverwertung. Gegen Ende des Spiels – als die insgesamt torungefährlichen Leverkusener doch noch einmal Zug ins eigene Spiel bekamen – hätte das hessische Zittern längst nicht so anstrengend sein müssen, hätte das Hütter-Team vorher zumindest eine seiner zahlreichen Möglichkeiten genutzt. Hasebe (21.), Younes (39.) und Erik Durm (43.) hätten im ersten, Kamada (73.) sowie Kostic (90.) im zweiten Durchgang treffen können und teilweise müssen.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Frankfurter Eintracht bezwingt Leverkusen

Szene aus dem Spiel zwischen Eintracht und Leverkusen
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4. Eintracht für heißen Januar gerüstet

Ohne Zweifel: Ein Bundesliga-Spieltag, der am 2. Januar beginnt, ist durchaus gewöhnungsbedürftig. Viele dürften gerade erst leere Sektpullen und Bleigießen-Überreste beiseite geräumt haben, da rollten in den Stadien schon wieder die Bälle. Für Eintracht Frankfurt aber war es gerade einmal der Auftakt in ein anstrengendes Programm, das in den kommenden Wochen wartet. Das Match gegen Leverkusen war das erste von insgesamt sieben innerhalb von 28 Tagen bis Ende des Monats.

Das Gute daran: Die Mannschaft scheint für diesen Mammut-Spielplan gerüstet. Das 2:1 gegen Leverkusen, der zweite Sieg in Serie, war einmal mehr auch ein Erfolg des Willens und der Moral. Schon in eineinhalb Wochen tritt die Eintracht wieder gegen Bayer 04 an, dann auswärts im Zweitrunden-Match im DFB-Pokal (Dienstag, 12. Januar, 20.45 Uhr). In der Liga warten Mainz (Samstag, 15.30 Uhr) und im weiteren Monatsverlauf Schalke, Freiburg, Bielefeld sowie Hertha BSC. So richtungsweisend war ein Januar wohl noch nie.

5. Spannende Personalfragen hinten wie vorne

Abseits vom sportlichen Geschehen sorgte am Samstag vor allem die kurzfristige Personalpolitik der Frankfurter für Gesprächsstoff. Kein Wunder, ist doch seit diesem Tag das Transferfenster wieder geöffnet. Weil die Eintracht mit Bas Dost (FC Brügge) bereits einen Verkauf getätigt hat, sollte und will sie möglichst zeitnah im Angriff nachlegen. Heißestes Gerücht: Joshua Zirkzee, 19 Jahre junges Talent vom FC Bayern. "Er ist ein sehr guter junger Spieler, hat unheimlich viel Potenzial. Es sind Spieler genau von diesem Profil, nach denen wir schauen", sagte Sportvorstand Fredi Bobic bei Sky. (Die Stimmen zum Spiel finden Sie hier.)

Aber auch in der Defensive steht eine personelle Veränderung an. Kapitän und Abwehrchef Abraham hat nach dem Leverkusen-Kick noch drei Spiele im Eintracht-Dress vor sich, dann verlässt er das Team und kehrt in seine argentinische Heimat zurück. Für seinen Posten in der Innenverteidigung steht unter anderem Tuta bereit, die Rolle des etatmäßigen Kapitäns könnte Mittelfeldmotor Rode übernehmen. Auch in dieser Hinsicht gilt: Eintracht Frankfurt steht ein spannender Januar bevor.

Weitere Informationen

Eintracht Frankfurt – Bayer Leverkusen 2:1 (1:1)

Frankfurt: Trapp - Abraham, Hinteregger, Ndicka - Durm (87. Toure), Sow, Hasebe, 10 Kostic - Younes (76. Kohr), Kamada (76. Barkok) - Silva

Leverkusen: Hradecky - Dragovic, Tah, Tapsoba, Weiser (68. Alario) - Baumgartlinger, Amiri – Diaby (68. Bellarabi), Wirtz (68. Demirbay), Bailey – Schick

Tore: 0:1 Amiri (10.), 1:1 Younes (22.), 2:1 Tapsoba (54./ET)
Gelbe Karten: - / -

Schiedsrichter: Brych (München)

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Sendung: hr-fernsehen, heimspiel! Bundesliga, 02.01.21, 23.35 Uhr