Oliver Glasner von Eintracht Frankfurt

Streikende und stänkernde Profis, noch immer kein Sieg: Eintracht Frankfurt gleicht nach dem verpatzten Saisonstart einem Pulverfass. Bis zum Ende der Transferfrist am Dienstag muss Sportvorstand Markus Krösche fast schon zaubern.

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Hätte man sich am Samstag rund um das Spiel von Eintracht Frankfurt bei Arminia Bielefeld (1:1) nur die Interviews der Beteiligten angehört, wäre man wohl nicht zwingend darauf gekommen, dass an diesem Nachmittag auch Fußball gespielt wurde. Wohin man auch blickte oder horchte, das zentrale Thema war und ist der Streik von Filip Kostic. Der mit Abstand beste und wichtigste Profi der Hessen hatte rund 24 Stunden vor dem Gastspiel auf der Alm die Arbeit eingestellt, das Training geschwänzt und auf diese mehr als fragwürdige Art und Weise klargemacht, dass er den Verein verlassen wolle. Ein Schlag ins Gesicht für den Klub.

"Ich war überrascht", kommentierte Trainer Oliver Glasner das unwürdige Verhalten des sonstigen Musterprofis. Kostic will weg, die Eintracht ist auf den Serben angewiesen und will ihn halten. Ein Dilemma, das die Frankfurter in dieser Phase ebenso wenig gebrauchen können wie einen späten Ausgleich in Bielefeld. Die von Kostic aufgerissene Baustelle ist nämlich nur eine Baustelle von vielen. Bei der Eintracht brennt es nach drei Spieltagen und drei Tage vor Ende der Transferfrist an allen Ecken.

Es war kompliziert und wurde noch komplizierter

Das größte Glutnest ist weiterhin der Kader. Unabhängig von Kostic, dessen Abgang gleichbedeutend mit dem Verlust der größten Stärke der Eintracht wäre, fehlen im von Sportvorstand Markus Krösche und Kaderplaner Ben Manga zusammengestellten Aufgebot weiterhin elementare Bestandteile. Der Verlust von 28-Tore-Mann André Silva wurde bislang nicht annähernd kompensiert, im Mittelfeld fehlt ein Leader. Wenn bis Dienstagabend um 18 Uhr nicht mindestens ein echter Mittelstürmer und ein weiterer Sechser ihre Unterschrift unter einen Vertrag gesetzt haben, hat die Eintracht ein Problem.

Das Problem bei diesem Problem: Die Eintracht ist nach der harten Corona-Zeit darauf angewiesen, gutverdienende Bankdrücker wie Steven Zuber oder Goncalo Paciencia von der Payroll zu bekommen. Ohne Abgänge sind die finanziellen Möglichkeiten der Hessen sehr, sehr beschränkt. Die in der Vergangenheit immer wieder genutzten Leihgeschäfte mit Kaufoption kommen aber nicht bei allen Klubs gut an. "Das ist ein schwieriger Transfermarkt", hatte Krösche die Situation schon vor einigen Wochen zusammengefasst. Was er damals noch nicht wusste: Es hat sich weiter zugespitzt.

Younes zerstört die Planungen

Ein Grund dafür ist Amin Younes. Der ehemalige Fan-Liebling und Nationalelf-Kandidat hat sich in den vergangenen Wochen intern und extern selbst aufs Abstellgleis gebracht und wollte die Stadt Frankfurt, die er im vergangenen Jahr noch als sein "Nest" bezeichnet hatte, lieber heute als morgen in Richtung Saudi-Arabien verlassen. Younes, der die Eintracht im sportlichen Bereich auf ein anderes Level heben könnte, ist im zwischenmenschlichen Bereich inzwischen zu einer Belastung geworden und hat die Freigabe bereits erhalten. Dass der schon abgenickte Transfer zu Al-Shabab in letzter Sekunde geplatzt ist, erschwert die Planungen zusätzlich.

Das Geld, das die Eintracht durch den Verkauf eingenommen und durch das entffallene Gehalt gespart hätte, ist schon anderweitig verplant und fehlt aktuell im Budget für die dringend notwendige Shoppingtour. Ein Verbleib von Younes ist zwar auch weiterhin keine Option. Je länger sich das Wechsel-Hickhack hinzieht, desto kleiner wird aber das ohnehin schon kleine Zeitfenster zum Handeln. "Wir werden sehen, wie sich die Dinge entwickeln", kommentierte Krösche die Hängepartie. Von Resignation zu sprechen, wäre sicher verfrüht. Optimismus klingt aber auch anders.

Der Eintracht fehlen zentrale Stützen

Klar ist: Mit dem aktuellen Team, das Trainer Glasner zur Verfügung steht, droht der Eintracht ein böses Erwachen. Nach dem blamablen Aus im DFB-Pokal, der krachenden Niederlage in Dortmund und den beiden ernüchternden Remis gegen die Bundesliga-Leichtgewichte Augsburg und Bielefeld ist jegliche Euphorie verflogen. Die Eintracht geht ohne Pflichtspielsieg in die Länderspielpause und steht bereits jetzt gehörig unter Druck. Auch gegen die Arminia wurde das Fehlen eines Knipsers und eines Leitwolfs mehr als deutlich. Rund eine Stunde hatten die Hessen die Partie im Griff, verpassten aber das zweite Tor. Dann fiel das Team in sich zusammen.

"Bielefeld war uns körperlich überlegen. So kommt ein verdienter Ausgleich zustande", probierte sich Coach Glasner nach Abpfiff gar nicht erst im Schönreden. Einzelne Spieler der Eintracht haben sicherlich Potenzial. In dieser Zusammenstellung ist die Mannschaft aber nur bedingt konkurrenzfähig. Es muss etwas passieren.

Kostic schüttet Öl ins Feuer

Und sollte nun, wie es sich ankündigt, auch noch Kostic das Weite suchen, hätte Eintracht Frankfurt innerhalb eines Sommers nicht nur erneut die drei besten Spieler verloren. Der Abgang von Kostic würde die To-Do-Liste von Krösche noch einmal zusätzlich verlängern. Der neue Sportvorstand müsste bis Dienstag einen fast kompletten Kaderumbruch gestalten und die aktuell stark wankende Eintracht im Eilverfahren wieder aufpäppeln. Spieler aus der zweiten Reihe loswerden, echte Verstärkungen holen und dem Kader ein anderes Gesicht geben. Es gibt Zauberer, die sind mit weniger aufwendigen Verwandlungen berühmt geworden.

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