Maskottchen Vitoria hatte schon vor dem Anpfiff genug vom Spiel zwischen Lissabon und Frankfurt.
Maskottchen Vitoria hatte schon vor dem Anpfiff genug vom Spiel zwischen Lissabon und Frankfurt. Bild © Imago Images

Beim Duell der Frankfurter Adler gegen die Lissabonner Adler avanciert ein Adler aus Nordamerika zum heimlichen Star des Abends. Das Benfica-Maskottchen, ein Vogel aus Fleisch und Federn, haut einfach ab, kehrt nach einigen Stunden aber reumütig zurück.

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Vitoria

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found hr-Radioreporter Hofmeister: "Der Adler fliegt weg!"

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Über Maskottchen von Fußballvereinen gibt es die verrücktesten Geschichten. Verprügelte Linienrichter, Alkoholexzesse, schlüpfrige Kleidung. Immer wieder bestimmen die meist in flauschigen Kostümen steckenden Laiendarsteller die Schlagzeilen der Sport- und Boulevard-Seiten. Der neue Star am Maskottchen-Himmel kommt seit Donnerstagabend jedoch aus Lissabon. Er heißt Vitoria, ist seit Geburt Weißkopfseeadler, also ein echter. Im Nebenberuf Orakel und Stimmungskanone bei Benfica. Und seit 20.55 Uhr auf der Flucht.

Doch was genau ist passiert? Adler Vitoria, von der Natur eigentlich für die kanadischen und US-amerikanischen Wälder vorgesehen, zieht traditionell bei jedem Benfica-Heimspiel seine eigene kleine Show ab. Wenige Minuten vor Anpfiff, an dieser Stelle könnte Frankfurts festgekettetes Pendant Attila neidisch werden, lässt ihn sein Herrchen von der Leine.

Keine Lust aufs Orakeldasein

Vitoria steigt dann auf in Richtung Stadiondach und dreht ein paar Runden über den Köpfen der begeisterten Fans. Landet er nach einer Tribünen-Umrundung auf seinem vorgesehenen Landeplatz im Mittelkreis, so sagt es der Lissabonner Aberglaube, gewinnt das Auswärtsteam. Kehrt er erst nach etwas längerer Gleitphase auf den Arm seines Falkners zurück, darf am Ende Benfica jubeln. So läuft es normalweise ab.

Kurz vor dem Europa-League-Viertelfinale gegen Eintracht Frankfurt (4:2) benahm sich Vitoria zur Abwechslung jedoch mal wie ein handelsüblicher Ottonormal-Vogel und hielt sich nicht an die Regeln. Statt seinen Maskottchen-Pflichten nachzukommen und brav zurück in Gefangenschaft zu fliegen, nutzte er die Gunst der Stunde zur großen Flucht. Unter den Augen von rund 55.000 Zuschauern, die innerhalb weniger Flügelschläge allesamt zu Hobby-Ornithologen mutierten, drehte Vitoria ab und flog davon. Raus aus dem Stadion, hinweg über Häuserdächer, ab in Richtung Atlantik. Kurzum: Vitoria machte die Flatter.

Einfach mal beim Supermarkt vorbeischauen?

Eine ebenso außergewöhnliche wie amüsante Anekdote, die zumindest in den VIP-Räumen von Benfica zu einigen Sorgen führte, wie Eintracht-Vorstand Axel Hellmann später berichtete. Die Suche nach dem imposanten Federvieh sei in vollem Gange, eine Spur gebe es noch nicht. Wohl aber Grund zur Hoffnung, so die schnelle Zusammenfassung.

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Es ist nämlich nicht das erste Mal, dass Benfica zumindest temporär ohne Maskottchen dasteht. In der langen Geschichte des portugiesischen Traditionsvereins hat es schon einmal einen Fluchtversuch gegeben. Damals, so die Erzählungen, habe es sich Vitoria (oder einer seiner Vorgänger) im Baumwipfel nahe eines großen Einkaufszentrums bequem gemacht. Wo viele Menschen und Tiere, da auch irgendwann leckeres Aas, könnte seine Überlegung gewesen sein. Als sich dies als Trugschluss und das schwarz-weiße Etwas nicht als Zebra, sondern als Zebrastreifen herausstellte, habe er sich widerstandslos wieder einfangen und als Maskottchen einspannen lassen. Und zur allergrößten Not, das verriet Falkner Antonio Carapuco unlängst in einem 11Freunde-Interview, wäre auch noch ein Ersatz-Adler da. "Wir arbeiten immer mit zwei Vögeln."

Adler Nummer zwei wird auf seinen großen Einsatz allerdings noch etwas warten müssen. Wenige Stunden nach seiner Flucht bekam Vitoria wohl ein schlechtes Gewissen - und kehrte eigenständig und reumütig zurück ins Stadion des Lichts, gab Benfica am nächsten Tag bekannt. Ob Vitoria zur Strafe einige Partien auf der Bank schmoren muss, verrieten die Portugiesen allerdings nicht.

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