Zwischen Fans und Polizei ging es am Donnerstagabend hoch her.
Zwischen Fans und Polizei ging es am Donnerstagabend hoch her. Bild © Imago

Die Ausschreitungen rund ums Europacup-Spiel der Eintracht bei Lazio Rom haben ein Nachspiel. Während den Frankfurtern hohe Strafen im Wettbewerb drohen, findet die Bürgermeisterin von Rom harte Worte für die Krawallmacher.

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Ein vermummter Frankfurter Anhänger schleudert einen brennenden Bengalo von der Tribüne. Die Partie dürfte für Frankfurt ein Nachspiel haben.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found hr-Reporter: "Provokationen legitmieren dieses Vorgehen nicht"

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Der historische Sieg in der ewigen Stadt war für Eintracht Frankfurt am Ende nur noch Nebensache. "Wir haben kein gutes Bild abgegeben. Das betrübt mich sehr, das macht mich traurig", kommentierte das frustrierte Vorstandsmitglied Axel Hellmann die Randale rund um das 2:1 (0:0) von Eintracht Frankfurt bei Lazio Rom.

Die trübe Stimmung bei der Klubführung kam nicht von ungefähr. Schließlich hatte es die Diva vom Main geschafft, ihren Rekord durch die Krawalle selbst in den Schatten zu stellen. Durch den Sieg beim zweimaligen italienischen Meister haben die Hessen als erster Fußball-Bundesligist alle sechs Vorrundenspiele in der Europa League gewonnen - doch darüber sprachen hinterher nicht mehr allzu viele.

"In Rom empfangen wir gerne Fans, aber keine Hooligans"

Der Grund dafür waren die Ausschreitungen, die für rund ein Dutzend Mitgereiste ein Nachspiel haben werden. Nach Angaben der Polizei wurden "um die 15 Personen" festgenommen. Die Beamten beschlagnahmten zudem Feuerwerkskörper und Rauschgift. Zwei Frankfurter Anhänger wurden von Lazio-Hooligans attackiert und verletzt, einer davon musste ins Krankenhaus.

Bereits vor der Partie war es zu Zusammenstößen mit der Polizei gekommen. Zudem war eine Gruppe von Eintracht-Fans am Nachmittag in einen Supermarkt der Innenstadt eingedrungen und hatte Lebensmittel sowie Alkohol gestohlen. Trotz scharfer Sicherheitsvorkehrungen wurden mehrere Plätze der Innenstadt verwüstet, wofür Bürgermeisterin Virginia Raggi deutliche Worte fand: "In Rom empfangen wir gern Fans, aber keine Hooligans. Bestien dieser Art sollen zu Hause bleiben."

Hellmann rechnet mit empfindlicher Strafe

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Krawalle Rom

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found hr-Reporter: "Da hat sich etwas hochgeschaukelt"

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Während des Spiels zündete ein Teil der rund 9.000 Frankfurter Fans Pyrotechnik, die Polizei marschierte im Innenraum auf. Ein Eintracht-Anhänger wurde beim Versuch des Platzsturms festgenommen. "Und ihr wollt Eintracht Frankfurt sein?", skandierte ein Großteil der Fans in Richtung der gewaltbereiten Anhänger.

Auch die Clubführung fand deutliche Worte. "Eine kleine Gruppe hat das Spiel missbraucht, um ihre private Auseinandersetzung mit Lazio Rom zu führen", sagte Hellmann, der von einer Bestrafung durch die Europäische Fußball-Union (UEFA) ausgeht. Ein Teilausschluss der Anhänger in der Zwischenrunde ist denkbar, schlimmstenfalls wäre sogar ein Geisterspiel ohne Zuschauer möglich.

Rabiater Polizeieinsatz vor der Frankfurter Kurve.
Rabiater Polizeieinsatz vor der Frankfurter Kurve. Bild © Imago

Vorgehen der Italiener wirft Fragen auf

"Diese kleine Gruppe nimmt alle anderen Fans in Sippenhaft, was die Wahrnehmung und Stimmung betrifft“, klagte Hellmann. "Das schadet Eintracht Frankfurt." Jenem Verein, der sich dank fortlaufender Kommunikation und Zusammenarbeit mit den früher als hochproblematisch geltenden Ultras in Sachen Stimmung und Support zu einem absoluten Vorbild in Europa entwickelt hatte. Dieses Bild hat nun Kratzer bekommen. Auch das schwang in der Wut der Verantwortlichen mit.

Was fairerweise erwähnt werden muss: Den ganzen Tag über hatten die Frankfurter Fans Schikanen der Ordnungs- und Sicherheitskräfte in Rom erlebt. Das reichte von den Querelen um den erst erlaubten und dann abgesagten Fan-Marsch zum Stadion über die aufreizend dünn besetzte Einlasskontrolle, wo die Anhänger teils bis zu zwei Stunden im Regen warteten, über Vorfälle im Stadion. So liefen etwa zwei Dutzend der als rechts einzustufenden Lazio-Anhänger entgegen aller Sicherheitskonzepte direkt vor den Gästeblock und provozierten dort mit Hitler-Grüßen. Bei der ohnehin aufgeheizten Stimmung wirkte das wie ein Brandbeschleuniger.

Fußball wird zur Nebensache

Immerhin gab die Mannschaft auf dem Platz ein gutes Bild ab. Der Serbe Mijat Gacinovic (65.) und der Franzose Sebastien Haller (71.) drehten das Spiel nach dem Rückstand durch das Tor des Argentiniers Joaquin Correa (56.). Sportlich war die Begegnung allerdings bedeutungslos. Frankfurt stand bereits als Gruppensieger fest. Lazio war ebenfalls schon für die K.o.-Runde qualifiziert, die am Montag ausgelost wird.