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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Fredi Bobic und die Finanzsorgen der Bundesligisten

Eintracht-Sportvorstand Fredi Bobic war nach dem 2:1-Sieg gegen Hoffenheim erleichtert.

Die Corona-Pandemie hat auch für den Sport finanzielle Folgen. Der Frankfurter Eintracht fehlen die dringend benötigten Millionen aus der letzten Rate der TV-Gelder. Frankfurts Sportvorstand Fredi Bobic rechnet deshalb mit Einschnitten.

Zuversicht kann man dieser Tage gar nicht genug haben - das weiß auch Fredi Bobic, und vielleicht ist sein Blick auf die verbliebenen Spiele in der Bundesliga auch deshalb optimistisch. Der Sportvorstand der Frankfurter Eintracht hofft, dass es mit der Wiederaufnahme des Spielbetriebes im Mai klappt - wenn auch ohne Zuschauer. "Wenn das Paket voraussichtlich in dieser Woche fertig ist, wird sich zeigen, dass der Fußball in der Krise einen sehr professionellen Job gemacht hat", sagte Bobic im Interview mit dem kicker.

Am Montag nun haben mit Armin Laschet (CDU) und Markus Söder (CSU) gleich zwei Ministerpräsidenten im Gespräch mit der Bild signalisiert, dass es bereits am 9. Mai die ersten Geisterspiele geben könnte. Die Deutsche Fußball Liga (DFL) und die Clubs arbeiten aktuell an einem Paket, wie das funktionieren könnte. Von der Kritik, dass die Bundesliga eine Sonderrolle in der Corona-Pandemie einnehmen könnte, will Bobic nichts wissen. Es würden eigene kreativen Wege gefunden, "die nichts mit einer Sonderbehandlung des Fußballs zu tun haben", meinte er. Es werde an eigenen Strukturen gearbeitet, ohne jemanden zu belasten.

Bobic warnt vor Doppelzüngigkeit

Das ist aber nicht das Einzige, was Bobic aktuell bewegt. Er beschäftige sich zudem mit der Frage: Wie kann sich der Profifußball besser vor künftigen Krisen schützen? Man müsse diskutieren, so Bobic, ob es nicht besser wäre, wenn die Bundesliga-Vereine "ein gewisses Eigenkapital bilden müssen und nicht am Limit investieren".

Doch er sieht auch Widersprüche, weist auf Doppelzüngigkeit hin. Denn es sei "auch heuchlerisch, so etwas zu fordern, denn wenn man Geld auf dem Konto hat, heißt es von der Fangemeinde und auch den Medien: Investiert doch mal, geht ins Risiko, wir wollen Erfolge sehen". Dennoch müsse man darüber sprechen, "was möglich ist, um sich auf eine solche Situation halbwegs vorbereiten zu können".

Besser gewappnet für die Krise

Vorbereitet scheint aktuell kaum ein Verein zu sein. So sollen zahlreiche Bundesliga-Clubs aufgrund der ausbleibenden TV- und Eintrittsgelder aktuell große Finanzprobleme drohen. So hatte etwa der kicker vor wenigen Wochen berichtet, dass 13 Erst- und Zweitligisten wegen Corona-Pandemie vor der Insolvenz stünden. Mittlerweile sollen noch wesentlich mehr Clubs auch aufgrund der letzten ausstehenden Rate der TV-Gelder, die 304 Millionen Euro betragen soll, große finanzielle Probleme haben. Auch die Eintracht.

Zwar könnte die offenbar bevorstehende Einigung zwischen DFL und dem größten Rechteinhaber Sky auf die Zahlung der letzten ausstehenden Rate der TV-Gelder erst einmal den größten Druck von den finanziell gebeutelten Clubs nehmen. Noch aber ist nichts in trockenen Tüchern. "Die DFL befindet sich in Gesprächen mit allen Medienpartnern. Mit Sky gibt es noch keine vertraglich fixierte Vereinbarung", teilte der Ligaverband am Freitag mit. Sky äußerte sich nicht zur angeblichen Einigung und verwies auf ein Statement vom Donnerstag, wonach "aktive Diskussionen" stattfänden.

Fernseh-Geld fehlt

Auch der Eintracht fehlt das Geld. Durch den Verzicht der Spieler und der Eintracht-Führungskräfte, die in den kommenden drei Monaten auf rund 20 Prozent ihres Gehalts verzichten, konnte laut Finanzvorstand Oliver Frankenbach eine kurzfristige Finanzlücke in Höhe von mindestens 15 Millionen Euro zumindest annähernd geschlossen werden. Wann das dringend benötigte Fernsehgeld kommt, weiß auch Bobic nicht: "Ich rechne mit gar nichts."

Eines scheint aktuell aber sicher - bei drei Monaten Gehaltsverzicht dürfte es angesichts der weiterhin angespannten Lage nicht bleiben. Denn auch bei der Eintracht ist Sparen angesagt. Die Löcher - etwa durch die wegfallenden Zuschauereinnahmen - seien nicht so leicht zu stopfen. "Da musst du Gegenmaßnahmen vorantreiben, Gehaltsverzichte und Investitionsstopps", so Bobic. "Viele Profis werden Verträge mit Abschlägen für das nächste halbe Jahr akzeptieren."

Gehaltsverzicht und Transfermarkt-Trubel

Die Pandemie werde zudem auch den Transfermarkt beeinflussen. "Ich rechne mit sehr vielen arbeitslosen Spielern, deren Verträge auslaufen", zeichnete Bobic ein düsteres Bild. Er sei froh, dass bei den Frankfurtern nur wenige Verträge Ende Juni auslaufen. "Du musst jetzt sehr konservativ planen, Verkäufe und Käufe sind in dieser Planung nicht vorgesehen. Wir müssen situativ entscheiden, falls was im Kader passiert." Und auch da wird Fredi Bobic die Tugend brauchen, die er für die restliche Bundesliga-Saison bereits hat: Zuversicht.